Nonstop aufregend
11.08.2026 Kultur, WohlenVerdrehte Welt
Premiere des Circus Monti
Überraschend, farbig, mystisch. Keine grosse Story, aber sagenhafte Akrobatik. Der Circus Monti überrascht mit der neuen Inszenierung. Ein grosses Highlight: die Schlangenfrau. Sie hat faszinierend viele ...
Verdrehte Welt
Premiere des Circus Monti
Überraschend, farbig, mystisch. Keine grosse Story, aber sagenhafte Akrobatik. Der Circus Monti überrascht mit der neuen Inszenierung. Ein grosses Highlight: die Schlangenfrau. Sie hat faszinierend viele Facetten. Irgendwie ästhetisch, irgendwie erschreckend biegsam – und irgendwie kurios. Anna Layne lässt das Publikum staunen und entführt in eine verdrehte Welt.
--spr
Der Circus Monti feiert eine rasante und erfolgreiche Premiere des neuen Programms «Poussière d’étoiles»
Der Wahrsager steht im Mittelpunkt der neuen Inszenierung. Absolutes Highlight ist aber die hochstehende Akrobatik. Ob russischer Barren, Jonglage und Kontorsion – alle sorgen für Staunen. Und am Ende für tosenden Applaus.
Stefan Sprenger
Tag X ist da. Premiere. Nach der Vorstellung ist den Artistinnen und Artisten die Erleichterung anzusehen. Der Druck ist abgefallen. «Nach der Premiere kommt schnell die Lockerheit», sagt Direktor Johannes Muntwyler. Geklappt hat bei der Premiere nicht alles. Der leicht verwirrte Wahrsager, gespielt von Aubin Constanceau, musste in der ersten Halbzeit der Show improvisieren. Der Grund: Sein Mikrofon hat gestreikt, die Batterien waren durch. Es ist ein Detail, dass wohl in den kommenden rund 100 Shows nie mehr vorkommen wird.
Der Start in die neue Inszenierung «Poussière d’étoiles» (zu Deutsch: Sternenstaub) ist rasant, kurzweilig und akrobatisch. Dies zieht sich durch das ganze Programm. Die Schweizerin Robyn Häfeli macht den Anfang am Roue Cyr, dem körpergrossen Rad. Ein Mix aus Tanz, Akrobatik und dem Spiel mit der Schwerkraft. Nach ihr folgt die wohl spektakulärste Nummer am russischen Barren. Das «Bar’us Trio» sorgt für den ersten Höhepunkt. Die Schweizerin Naika Aymon fliegt meterhoch durch die Luft. Ebenfalls unter dem Zirkusdach zeigt Fernanda Podestá ihr Können am Vertikalseil. Eine Show zum Geniessen und Staunen.
Die Schlangenfrau und die hervorragende Musik
Die wohl prägendste Nummer im neuen Monti-Programm liefert die Kanadierin Anna Layne. Die Schlangenfrau (oder Kontorsionistin) verdreht ihren Körper beängstigend faszinierend und wirkt wie eine etwas unheimliche Puppe. Mit ihrer besonderen und leicht verrückten Art zieht sie das Publikum in ihren Bann.
Auffällig: Die Musik ist perfekt vorgetragen und auch optimal auf die einzelnen Nummern komponiert. Man sieht die akrobatischen Einlagen und hört, dass die Töne perfekt passen.
Eine Verletzung sorgt für Veränderung
Nach der Pause geht es mit Spektakel weiter am Fangstuhl. Artistisch, rasant, gefährlich. Maia Lussier fliegt durch die Lüfte. Es fällt überhaupt nicht auf, dass sich ihr Partner vor zwei Wochen bei einem alltäglichen Sprung so schwer am Knie verletzte, dass ein erfahrener Artist kurzfristig einspringen musste und nun mit auf Tour geht. Jene verletzungsbedingte Veränderung fällt ganz und gar nicht auf.
Auffallend tut im Anschluss aber die Clownin Raphaelle Pépin mit ihrer ulkigen Nummer in der Küche. Sie ist voller Energie und hat eine authentische Art, die sie sympathisch macht und mit der sie noch mehr Lacher absahnt.
Ein weiteres Highlight ist die Jonglage-Darbietung von John Witte und Mario Muntwyler. Sie ist abwechslungsreich, hochstehend und zu keinem Moment langweilig. Die Handstand-Show ist eher ruhig – und dennoch wahnsinnig eindrücklich. Die abschliessende Nummer mit allen Artistinnen und Artisten hat so coole und rasante Elemente, dass man gar nicht so recht weiss, wo man nun genau hinschauen soll.
Der Circus Monti hat viele neue Elemente im Programm, die es in Vergangenheit eher selten zu sehen gab. Doch es gibt auch viel Traditionelles. Die Musik ist hervorragend, das Kostümbild harmonisch. Die Show «Sternenstaub» besticht nicht durch eine tiefe Story, aber durch richtig starke Akrobatik und nonstop aufregende Unterhaltung. Es ist für jeden Geschmack etwas dabei. «Nehmen sie ein bisschen Sternenstaub nach Hause», sagt Mario Muntwyler am Ende der Show zum Publikum. Direktor Johannes Muntwyler spürt nach der Premiere: «Die Stimmung bei den Menschen ist gelöst und bestens. Ein gutes Zeichen.» Der Monti wird nun in die Schweiz losziehen und mit diesem Programm Tausende Menschen begeistern.
Hitze im Zelt
Die Hitze war in diesem Jahr eine grosse Herausforderung für den Circus Monti. Einerseits, um die Leute überhaupt zu einem Besuch zu bewegen, andererseits, um das Zelt einigermassen kühl zu halten. Um ein möglichst angenehmes Klima zu schaffen, blasen sechs Geräte durch Wasser gekühlte Luft ins Zelt. Bei den aktuell hohen Temperaturen bei den Nachmittagsvorstellungen «können die Geräte an ihre Grenze stossen», wie Monti-Mediensprecher Stefan Gfeller erklärt. Daher wurde letzte Woche ein zusätzliches Gerät ausprobiert. Dennoch war es zu Beginn der Vorstellung wärmer als gegen Ende. Die Auslastung des Premierenwochenendes in Wohlen war etwas weniger hoch wie letztes Jahr. «In Anbetracht des heissen Wetters aber trotzdem sehr erfreulich», wie Gfeller sagt. Konkrete Zuschauerzahlen gibt der Circus Monti nicht bekannt.
--spr
Stimmen zur Premiere
Das Premierenpublikum ist wohlwollend – aber auch kritisch. Diese Zeitung hat sich umgehört, was die Besucher der ersten Vorstellung für eine Meinung haben zur neuen Show «Poussière d’étoiles». Schibi Roth, bekannt aus der Freiämter Fussballerwelt, und seine Frau Sandra sind voll des Lobes: «Der Circus Monti ist jedes Jahr einen Besuch wert. Es war eine zauberhafte Vorführung mit einer wunderschönen Blumen-Geste am Ende», sagt Schibi Roth. Sandra Roth sagt: «Die Familie Muntwyler versteht es, die Menschen zu begeistern mit einer bezaubernden Show, die von der ersten bis zur letzten Minute witzig, unterhaltsam und spannend ist. Die Zeit vergeht wie im Flug. Der Monti ist immer sympathisch. Beste Unterhaltung mit Herz und Humor.»
Der Freiämter Unternehmer André Richner war mit Partnerin Karin Villiger bei der Premiere. Richner sagt: «Ein kurzweiliger, wunderbarer und toller Abend. Der Circus Monti erfindet sich immer wieder neu und entwickelt sich immer weiter. Eine alte Form der Unterhaltung wird in die neue Zeit gebracht. Ein Meisterwerk. Und ein Werk der ganzen Familie Muntwyler.» Karin Villiger aus Boswil sagt: «Ein spektakuläres, farbenfrohes Spiel aus atemberaubender Akrobatik, leuchtenden Farben und vielen Schmunzelmomenten.»
--spr





