Rund ums Wandern
09.05.2023 Bettwil, Region OberfreiamtDer Samariterverein Bettwil organisiert seine diesjährige Feldübung
Die Samaritervereine Aesch Plus, Sarmenstorf, Fahrwangen-Meisterschwanden sowie die Samariter-Jugend Hallwilersee und Bettwil erfuhren an drei Posten viele Tipps rund ums Thema ...
Der Samariterverein Bettwil organisiert seine diesjährige Feldübung
Die Samaritervereine Aesch Plus, Sarmenstorf, Fahrwangen-Meisterschwanden sowie die Samariter-Jugend Hallwilersee und Bettwil erfuhren an drei Posten viele Tipps rund ums Thema «Wandern». Das Highlight war der Vortrag der Bergretterin Micaela Saeftel von der US National Ski Patrol.
Der Vorplatz der Mehrzweckhalle in Bettwil füllt sich schnell – rund 70 Mitglieder der Samaritervereine hören gespannt der Begrüssung von Luzia Marti zu. Sie ist die Präsidentin des Samaritervereins Bettwil und führt ihre Organisation bereits seit über 10 Jahren. «Zur heutigen Übung lernen wir viel Wissenswertes rund ums Wandern dazu», erklärt sie.
Die Feldübung wird jedes Jahr durch einen anderen Samariterverein durchgeführt und dient dazu, zu einem speziellen Thema die Mitglieder zu sensibilisieren und weiterzubilden.
Richtig vorbereitet
Am ersten Posten lässt Martin Bircher die Teilnehmer eine kleine Wanderapotheke zusammenstellen. Was muss alles in den Rucksack, damit man im Fall eines Falles erste Hilfe leisten kann? Am Ende löst er das Rätsel auf: Neben elastischen Binden, Kompressen und einem Sortiment an Pf lastern gehören Desinfektionsspray, eine Pinzette, eine leichte Rettungsdecke und sogar Sonnencreme dazu. Ganz wichtig ist es auch, immer seine persönlichen Medikamente bei sich zu führen. An einer weiteren Postenstation zeigt und übt Silvan Meyer von der Feuerwehr Oberes Seetal mit den Teilnehmern wichtige Knoten. Es fallen dazu Namen wie der Schuhbändelschlick oder Überhangknoten, Achterknoten mit Schlick und Samariterknoten. «Als Samariter sollte man gerade diesen beherrschen», erklärt Meyer und zeigt geduldig immer wieder, wie dieser geknotet wird und, vor allem, wozu er benötigt wird. Mit dem Samariterknoten kann man Seile verbinden. Das kann wichtig sein, wenn es einmal ein längeres Seil benötigt, man aber nur über mehrere kurze Seile verfügt.
Besonders spannend war sicherlich der Vortrag von Micaela Saeftel. Sie ist in Heidelberg geboren, hat in den USA gelebt, studiert und sich zur Bergretterin ausbilden lassen. Heute lebt sie in Meisterschwanden, ist seit über 28 Jahren Bergretterin bei der US National Ski Patrol und sie ist jederzeit in der Schweiz einsatzbereit, wenn es einen Notfall in den Bergen geben würde. Die US National Ski Patrol wurde in den USA gegründet und kam durch Soldaten aufgrund ihrer Stationierung nach dem Zweiten Weltkrieg in Europa zum Einsatz. Sie legten den Grundstein zusammen mit den jeweiligen Ländern wie zum Beispiel der Schweiz, Deutschland und Österreich für die heutigen Bergrettungen. Gibt es grössere Unglücksfälle in den Bergen, unterstützen sie auch noch heute.
Fehleinschätzungen als Ursache für die Bergnot
Ihr Vortrag erzählt nicht nur von heute, sondern auch von der Geschichte der Bergrettung, in der noch viel improvisiert werden musste. Man hatte damals die Ausrüstung und Erfahrung nicht: «In manchen Gebieten gab es keine Bergrettung. Da hat der Skiliftbetreiber im Notfall seinen Lift ausgemacht und ist selbst zum Einsatzort mit den Ski gefahren.» Und obwohl es inzwischen so viele Regeln, Erfahrung und gute Ausrüstung für Wanderer, Bergsteiger und Schneesportler gibt, liegt es oft an der Fehleinschätzung, dass etwas passiert. Die eigene Kondition, das sich schnell ändernde Wetter, fehlende oder schlechte Ausrüstung, die örtlichen Gegebenheiten und die eigene Orientierung bergen oft Gefahren und Risiken. Wie eine Statistik des Schweizer Alpen-Clubs (SAC) zeigt, sind 2022 über 3668 Menschen in eine Notlage geraten – 109 davon endeten leider tödlich. Ruhig und souverän erklärt sie, dass es so weit erst gar nicht kommen muss. Wie schätzt man sich besser ein und sollte man sich ausrüsten, bevor es in die Berge geht – egal zu welcher Jahreszeit? Spannend gibt sie Tipps und beantwortet Fragen. Einer ihrer vielleicht kuriosesten, aber wirksamsten Ratschläge: «Wir haben eine sich lösende Wanderschuhsohle schon mit einem Kabelbinder fixiert – es kann also nicht schaden, auch so etwas bei sich zu führen.» --mub
Samariterverein kennenlernen
Samaritervereine stellen die Basis der Samariter Schweiz. Sie organisieren Bevölkerungskurse zum Beispiel in der ersten Hilfe, übernehmen den Sanitätsdienst bei Veranstaltungen oder vermitteln Freiwillige für Pflege- und Sozialeinrichtungen. Sie arbeiten mit Rettungsdiensten und lokalen Behörden zusammen, ausserdem organisieren sie lokale Blutspendeaktionen und setzen sich für die Jugendarbeit ein. Der Samariterverein Bettwil hat 17Mitglieder im Alter von 30 bis 82 Jahren. Wer mehr wissen möchte, kann sich an der öffentlichen Probe am Mittwoch, 31. Mai, von 20 bis 22 Uhr im Vereinszimmer im Schulhaus in Bettwil informieren.

