Schlachtfeld aus Wasser und Haaren
24.07.2026 Wohlen, GewerbeGezielte Pflege
Waschen, föhnen, schneiden – auch Hunde wollen gepflegt aussehen. Was sich alles hinter einem perfekt gestylten Hund verbirgt, das wollte eine Redaktorin dieser Zeitung wissen. So einfach, wie man sich das vorstellt, ist es auf jeden Fall nicht. ...
Gezielte Pflege
Waschen, föhnen, schneiden – auch Hunde wollen gepflegt aussehen. Was sich alles hinter einem perfekt gestylten Hund verbirgt, das wollte eine Redaktorin dieser Zeitung wissen. So einfach, wie man sich das vorstellt, ist es auf jeden Fall nicht. --mo
Sommer-Serie «Redaktoren schnuppern»: Als Hundefriseurin im Salon «Besser»
Über 500 000 Hunde sind auf der Datenbank Amicus registriert. Wegen ihres Fells brauchen einige eine ganz bestimmte Pflege. Doch wie sieht diese aus? Ich will es genauer wissen und besuche einen professionellen Hundesalon.
Monica Rast
Wer seinen Hund schon mal in der Badewanne oder Dusche gewaschen hat, der weiss: Das Aufräumen und Putzen dauert manchmal fast so lang wie das Waschen des Hundes. Mein Badezimmer sieht auf jeden Fall danach immer wie ein Schlachtfeld aus. Das letzte Mal war sogar die Decke verspritzt, und das nur, weil ich den Duschkopf losgelassen habe, um meinen 12 Kilogram schweren Cocker Spaniel Jara mit beiden Händen und grosser Kraftaufwendung in der Wanne zu halten. Ob das in einem Hundesalon auch so ist, wollte ich in der Sommer-Serie «Redaktoren schnuppern» herausfinden.
Kurz vor acht begrüsst mich Brigitta Notbauer vor dem Hundesalon «Besser» am Postplatz in Wohlen. Ob es wirklich besser ist, erfahre ich schon bald. Doch bevor die erste Kundin kommt, begrüssen mich noch drei schneeweisse Pudel. Jeder mit einem Hupf aus flauschiger gekrauster Wolle auf dem Kopf. Schnell nutze ich die Gelegenheit und versenke beide Hände in den Schopf des grossen Kaiserpudel-Rüden und wuschle so richtig im Haar rum. «Alle lieben den Schopf», erzählt Brigitta Notbauer und ich erhalte die erste Lektion in Sachen ausbürsten. «Aber eigentlich ist er nicht zum Rumwuscheln da. Ich muss danach immer die Knoten ausbürsten.» Ein letzter Blick auf den schneeweissen Schopf, ein leiser Seufzer und ich lasse schweren Herzens meine Finger vom Pudelkopf. Die drei Pudel gehören Brigitta Notbauer und irgendwie gaben sie den Anstoss zur Hundefriseurin.
Befriedigende Arbeit
Seit rund eineinhalb Jahren arbeitet sie im Hundesalon «Besser». Vorher war sie über 20 Jahre Geschäftsführerin einer Tankstelle und fast rund um die Uhr präsent. «Es ging einfach nicht mehr», erzählt sie.
Dann kam Corona und sie fing aus der Not heraus an, ihre Pudel selbst zu frisieren. Und irgendwie fand Brigitta Notbauer die Arbeit mit den Hunden befriedigend und dachte über eine Umschulung nach. Sie machte zuerst einen Kurs und danach ein sechsmonatiges vertiefendes Praktikum beim Hundesalon «Besser» und blieb gleich in Wohlen. «Anfangs dachte ich, dass mir die Gespräche mit den Kunden fehlen würden, doch ich geniesse die Zeit mit den Hunden.» Inzwischen hat sie ihre eigene Stammkundschaft.
Ihr Arbeitsbeginn ist im Normalfall um neun Uhr. Doch diese Kundin kommt gerne früher und so begrüsst Notbauer liebevoll den ersten Hund. Eine Tibet-Terrier-Hündin mit dem klangvollen Namen Thali. Klangvoll ist auch ihre Stimme. Sie ist andauern am Winseln und Jammern. Doch alles hilft nichts. Ihr «Frauchen» bringt sogar den eigenen Conditioner für das Fell mit. Jede Rasse hat seine eigene Fellstruktur: Thali bringt von Natur aus ein doppeltes Haarkleid mit üppigem, dichtem und langem Deckhaar, das gewellt ist mit. Die Unterwolle ist fein und wollig. Dabei kann das Fell sehr lang werden. Auch der Kopf ist von langem Haar bedeckt. Zu diesem Zweck hat die Hündin eine kleine Haarspange in den Schopfhaaren und sieht echt niedlich aus damit.
Nachdem alles besprochen wurde, hebt Notbauer die kleine Hündin auf den Tisch und schaut zuerst ihr Fell an und findet einige Verfilzungen und Rückstände von Gras und Heu. «Sie darf mit ihrer Besitzerin zu den Pferden», erzählt mir die Hundefriseurin. Wie passend finde ich, da sich auch mein Spaniel mit Vorliebe bei den Pferden aufhält. Da die Kundin die Haare ihres Hundes ausgekämmt haben möchte, geht es für die Hündin als Erstes zum Waschen. In einer speziellen Wanne mit Schiebetür wird Thali zuerst abgeduscht, um anschliessend mit einem Seifen-Wasser-Gemisch eingeschäumt zu werden. «Durch das Waschen werden die Haare weich und lassen sich leichter auskämmen», wird mir erklärt.
Ich merke: Die Wanne ist praktisch, doch nur bis zum ersten Schütteln. Schaumflocken fliegen durch die Luft und schon bald sind wir zwei nass. Nicht so sehr wie bei mir zu Hause, aber ich bleibe auch hier nicht trocken. Dann kommt der mitgebrachte Conditioner drauf und ich merke, wie das Fell weich wird. Gut in ein Frotteetuch eingewickelt geht es zurück auf den Tisch.
Gemeinsam trocknen wir das Fell Zentimeter für Zentimeter. Von den Füssen langsam Richtung Kopf. Dabei werden die Knoten und Verfilzungen sorgfältig ausgebürstet. Je mehr Verfilzungen oder Unterwolle vorhanden ist, umso länger dauert die ganze Prozedur.
«Bin froh, ist Thali so klein»
«Bei einem Berner Sennenhund kann das Föhnen gut und gerne zwei Stunden dauern», erklärt mir Brigitta Notbauer und ich bin froh, dass Thali so klein ist. Wer denkt «das bisschen Föhnen sei nichts», irrt sich gewaltig. Immer wieder werden sorgfältig Knoten ausgebürstet und nach und nach werden die Haare glatt und trocken. Danach erhält die Hündin den Feinschliff mit der Schere, die Krallen werden gestutzt und die Ohrmuscheln geputzt. Rund zwei Stunden dauert für Thali der Besuch beim Friseur. Doch der Aufwand hat sich gelohnt. Fein duftend und knotenfrei wird sie der Besitzerin übergeben.
«Es ist von Vorteil, wenn solche Hunde regelmässig kommen», erklärt mir Notbauer, «starke Verfilzungen können der Haut schaden und dementsprechend dauert ein Besuch bei mir um einiges länger.»
Ich bekomme schon fast ein schlechtes Gewissen, da ich bei meinem Hund die Fellpflege etwas schleifen lasse. Dementsprechend hat auch meine Hündin mal mehr oder weniger Knoten, Grassamen, Heu und kleine Zweige im Fell – aber hey, Hauptsache, mein Hund ist glücklich bei dem, was er tut. Doch die Erklärungen der Hundefriseurin sind einleuchtend und ich werde mir ihre Argumente zu Herzen nehmen.
Unterschiedliche Bedürfnisse und Herausforderungen
Als Nächstes haben sich zwei Frauen angemeldet. Rocky kommt zum Krallenschneiden und Perla erhält das Rundumpaket. Gleich beim Eintreten merke ich, Rocky hat es faustdick hinter den Ohren. Zur Sicherheit hat die Besitzerin einen Kragen dabei. «Er hat mich schon mal gezwickt», erzählt mir Notbauer, «deshalb der Kragen.» Rocky gefällt das Krallenschneiden überhaupt nicht. Knurrend und mit hervorstehenden Augen hofft der Chihuahua-Pinscher-Mix, dass die Prozedur schnell vorüber ist und er wieder gehen darf.
Inzwischen wartet die Mischlingshündin Perla mit eingezogenem Schwanz, bis sie an der Reihe ist. Auch bei ihr wird ein spezielles Shampoo mitgebracht. Sie wird, anders als bei Thali, vor dem Waschen zuerst gründlich mit einem Gummistriegel durchgebürstet. Die warme Luft und ein Ventilator geben ihr Bestes, damit auch jedes einzelne Haar, durch die Luft wirbelt.
Obwohl ihr die Prozedur nicht ganz geheuer ist, steht sie ruhig da. Brigitta Notbauer gibt ihr mit ihrer Ruhe die benötigte Sicherheit. «Es ist von Vorteil, wenn sich Hund und Coiffeur kennen», erklärt sie mir und lobt nebenbei die Hündin. Der Job als Hundefriseur ist in vielerlei eine grosse Vertrauenssache. Einerseits gibt man seinen Hund in fremde Hände und andererseits muss sich der Hund bei der ganzen Pflege einigermassen wohlfühlen, damit der Stress möglichst klein gehalten wird. (Übrigens braucht meine Hündin beim Waschen auch im Salon vier Hände.)
Den letzten Kunden, einen Goldendoodle überlasse ich wieder den erfahrenen Händen von Brigitta Notbauer. Eingeplante Zeit: drei Stunden. Ihre Arbeit und der Umgang mit den Hunden hat mich überzeugt. Jara ist für ein Rundumpaket angemeldet.
Infos: www.hundesalon-besser.ch
«Redaktoren schnuppern»
In dieser Sommerserie blicken Redaktorinnen und Redaktoren hinter die Kulissen von anderen Berufen. Sie begleiten jemanden mindestens einen halben Tag lang, packen mit an und berichten darüber.
Bereits erschienen: Stefan Sprenger als Kosmetiker, Ausgabe vom 14. Juli. Thomas Stöckli als ARA-Hilfsarbeiter, Ausgabe vom 21. Juli.



