Schmerzhaftes Ende
14.08.2026 Sport, BobDer Freiämter Nils Reich beendet seine Bobkarriere aus gesundheitlichen Gründen
Mit 22 Jahren ist Schluss. Nils Reich zieht einen Schlussstrich unter seine Karriere im Eiskanal – und wird vielleicht wieder Fussball spielen. Der Sohn der Schweizer Bob-Ikone ...
Der Freiämter Nils Reich beendet seine Bobkarriere aus gesundheitlichen Gründen
Mit 22 Jahren ist Schluss. Nils Reich zieht einen Schlussstrich unter seine Karriere im Eiskanal – und wird vielleicht wieder Fussball spielen. Der Sohn der Schweizer Bob-Ikone Christian Reich ist zum Rücktritt gezwungen. Die Gesundheit macht nicht mehr mit. «Es tut verdammt weh», sagt er.
Stefan Sprenger
Die Medienmitteilung vom Mittwoch schlägt ein. «Rücktritt aus gesundheitlichen Gründen: Nils Reich beendet die aktive Bobsport-Karriere». Per sofort. Dabei wollte er doch erst jetzt so richtig durchstarten. Im letzten Jahr holte er an der Junioren-WM die Silbermedaille im Zweierbob. Sein grösster Erfolg. Reich war vor dem Sprung vom Europa- und den Weltcup. Er näherte sich der Elite an. Und jetzt ist Schluss. Wieso?
In der Mitteilung heisst es: «Die gesundheitlichen Einschränkungen lassen ein Weiterführen des Bobsports auf Spitzenniveau nicht mehr zu.» Am Telefon klärt ein niedergeschlagener Nils Reich die Gründe auf. «Es geht mir nicht gut, ich bin aktuell sehr müde. Aber es ist der richtige Entscheid. Die Gesundheit steht über allem.»
Zwei Stürze mit gravierenden Folgen
Ende des Jahres 2025 ist Reich gleich zwei Mal innert weniger Tage heftig gestürzt. In Altenberg und Winterberg. Die Folge: Wirbelfraktur, Gehirnerschütterung. Die Saison war vorbei. Die Symptome der Gehirnerschütterung sind auch heute – über ein halbes Jahr später – spürbar. «Meine Reaktionszeit ist schlecht, meine Augen sind verlangsamt, ich habe nach wie vor Defizite aufgrund der Gehirnerschütterung», sagt er. Die Auswirkungen spürt er auch im Alltag. Das ist eine Belastung.
In den letzten Wochen liess er Abklärungen machen. Er wird nun eine intensive Therapie starten «und ich hoffe, dass alles wieder gut kommt». Gemeinsam mit den Ärzten, den Teamkumpels und seiner Familie hat er die schwierige Entscheidung gefällt, dass sein Weg im Bobsport endet. «Das Risiko wäre zu gross gewesen in der Zukunft. Stürze können in diesem Sport jederzeit wieder passieren. Es wäre unverantwortlich und gefährlich gewesen, wenn ich weitergemacht hätte.»
Man spürt durch den Hörer, wie sehr ihn die Situation belastet. «Es sind Träume, die platzen. Ich ringe mit der Entscheidung. Ich stehe dahinter, ich weiss, dass es so sein muss. Aber mein Kopf will es noch nicht akzeptieren. Ich brauche noch Zeit, um es zu verarbeiten. Und irgendwann kann ich auch wieder nach vorne schauen», sagt der 22-Jährige, der in Künten und Aarau wohnt und bei der AKB Mutschellen arbeitet.
Rückkehr zum Fussball?
Er will nun die «überschüssigen» Kilogramm, die er für den Bobsport benötigte, abtrainieren. Nils Reich, der früher bei der zweiten Mannschaft des FC Wohlen im Tor stand, sagt: «Wenn ich mich bereit fühle und alles wieder gut ist, dann könnte ich mir vorstellen, dass ich wieder Fussball spiele. Allerdings nicht im Tor, sondern auf dem Feld.» Zudem werde er die Trainerausbildung machen und will so dem Bobsport erhalten bleiben. «Ich habe nun plötzlich viel mehr Freizeit. Mal schauen, was ich damit anfange.»
Der Vater steht hinter ihm
Nils Reich träumte von Olympia. Er war auf den Spuren seines Vaters, fuhr quasi in dessen Rillen im Eiskanal. Vater Christian Reich holte 2002 an den Olympischen Spielen die Silbermedaille im Zweierbob und gehört zu den erfolgreichsten Schweizer Bobfahrern aller Zeiten. «Natürlich versteht mein Vater den Entscheid und steht voll dahinter. Er kennt die Risiken dieses Sports, hatte selbst Stürze und Verletzungen», so Nils Reich. Auch sein Bruder Sven Reich (17 Jahre alt) steht hinter ihm. Er wird weiterhin dem Wintersport als Skeleton-Fahrer erhalten bleiben.
Seitdem die Medienmitteilung am Mittwoch verschickt wurde und sein Rücktritt die Runde machte, erhält Nils reich viele aufbauende Nachrichten. Die Menschen verstehen seinen Entscheid. Ein bisschen Aufmunterung könne er aktuell gut gebrauchen. «Die Entscheidung ist mir äusserst schwergefallen, da der Bobsport über die letzten Jahre mein Leben bestimmt und mir unvergessliche Momente gemeinsam mit meinem Team geschenkt hat. Meine Gesundheit muss nun jedoch an erster Stelle stehen», so Reich.


