Sich gegenseitig helfen
17.03.2026 Region Unterfreiamt, HägglingenIn Hägglingen fand das erste Mal ein Reparatur-Kafi statt
Die heutige Gesellschaft hat die Tendenz, alles Kaputte einfach wegzuwerfen und neu zu kaufen. Dagegen setzt die IG Offenes Pfarreihuus ein Zeichen. Zusammen mit mehreren Partnern wurde ein Reparatur-Kafi ...
In Hägglingen fand das erste Mal ein Reparatur-Kafi statt
Die heutige Gesellschaft hat die Tendenz, alles Kaputte einfach wegzuwerfen und neu zu kaufen. Dagegen setzt die IG Offenes Pfarreihuus ein Zeichen. Zusammen mit mehreren Partnern wurde ein Reparatur-Kafi durchgeführt. Es wird keine einmalige Sache bleiben.
Chregi Hansen
Es sei ein Versuch, betonten alle am Vormittag. «Wir müssen schauen, wie die Aktion ankommt. Dann sitzen wir zusammen und diskutieren, ob es eine Fortsetzung gibt», sagt etwa Mario Roost von der Aktion Häggligrüen. Am Nachmittag war aber bereits klar: Im Spätsommer öffnet das Reparatur-Kafi ein weiteres Mal. «Der Anstoss dazu kam nicht von uns, sondern von den Helfern und Helferinnen selber», freut sich Initiant Markus Schmid von der IG Offenes Pfarreihuus. Und darum steht bereits fest, dass es Ende August oder Anfang September eine Wiederholung geben wird.
Ganz viele Freiwillige
Dass seine Idee auf so viel Begeisterung stösst, damit hat Markus Schmid, von allen nur Schmatz genannt, nicht unbedingt gerechnet. Es sei das Ziel der IG, das wunderbare Pfarrhaus in Hägglingen mit mehr Leben zu füllen. Dazu werden verschiedenste Anlässe organisiert, welche nicht unbedingt einen kirchlichen Hintergrund haben müssen. In diesem Jahr wird die Hägglinger Kirche zudem mit dem Label «Grüner Güggel» zertifiziert. Dabei werden Kirchgemeinden ausgezeichnet, sie sich in den Bereichen Nachhaltigkeit, Ressourcenschonung und Biodiversität engagieren. «Das war für uns als IG ein Ansporn, auch etwas im Bereich Nachhaltigkeit zu organisieren», erklärt Schmid. Und da andere Gemeinden mit einem Reparatur-Kafi gute Erfahrungen machen, bot sich die Organisation eines solchen an.
Dafür braucht es aber einen Pool von Fachleuten, die bereit sind, sich der Probleme anzunehmen. Und von diesen gab es in Hägglingen viele. «Ich habe selbst gestaunt: Auf eine Ausschreibung haben sich gleich 14 Leute aus der Region gemeldet», erzählt der Initiant strahlend. Anwesend waren Elektriker, Mechaniker, IT-Spezialisten, Handy-Fachleute, Allrounder, ein Klebespezialist und zwei Schneiderinnen. Unterstützung erhielt die IG auch von den beiden Vereinen Aktion Häggligrüen und Umwelt Dottikon sowie von der Kirchenpflege. Und auch die Stiftung Konsumentenschutz lieferte wertvolle Tipps und Ratschläge. «Alles basiert auf freiwilligem Engagement. Und die Stimmung ist bei allen Beteiligten super», sagt Schmid.
Unkompliziert helfen können
Auch die Helfer und Helferinnen äussern sich positiv. «Ich bin seit Kurzem pensioniert und flicke in meiner Freizeit verschiedene Sachen. Daher habe ich mich gern gemeldet», sagt etwa Roland Perissinotto, der im Zelt draussen verschiedene Messer schleift und zusammen mit Andreas Glaser Veloreparaturen durchführt. Er trotzt dabei den kühlen Temperaturen.
Da haben es die Helfer im warmen Pfarrhaus schon besser. Sie haben sich alle im zweiten Obergeschoss versammelt und sind bereit für «Kundschaft», die am Vormittag noch etwas auf sich warten lässt. «Es ist aber schön, wenn man jemandem unkompliziert helfen kann», sagt Näherin Annelies Furter. Nicht jeder habe zu Hause oder im Umfeld Personen, auf die er zurückgreifen kann. Wobei sie sich fragt, ob das Pfarrhaus wirklich der richtige Standort ist. «Vor Kurzem hat die Schule Dottikon zu einer ähnlichen Aktion eingeladen. Da ist natürlich alles vorhanden, von der Werkbank über die Handarbeitsräume bis zu den nötigen Maschinen. Hier müssen wir alles mitnehmen», sagt sie.
Die Probleme, die es zu lösen gibt, sind unterschiedlich. Hier ist bei einer Skulptur etwas abgebrochen, da blockiert das Veloschloss, hier braucht eine Bluse eine Anpassung. Gleich zu dritt kümmern sich die Fachleute für Elektronik um eine alte Nespresso-Maschine, die an einer Stelle rinnt. «Natürlich könnte ich eine neue kaufen», sagt der Besitzer. «Aber es ist das einzige Modell, das die Kapseln automatisch auswirft. Eine solche ist heute nicht mehr erhältlich», fügt er an. Vor oder nach der Reparatur lädt das gemütliche Café im Erdgeschoss zum Verweilen und Plaudern. Der soziale Aspekt ist den Organisatoren ebenso wichtig wie die Nachhaltigkeit. «Einer der Helfer hat sich gemeldet, weil er erst seit Kurzem im Dorf wohnt und so neue Leute kennenlernen will», erzählt Organisator Schmid.
Spende für den KRSD
Die Stimmung im Pfarrhaus ist an diesem Tag bestens, auch wenn nicht alle Probleme gelöst werden können. Man tauscht sich aus, fachsimpelt, lernt sich kennen. Auch die Spendenkasse füllt sich schnell. Ein Teil des eingenommenen Geldes kommt dem KRSD Wohlen zugute. Der andere Teil dient als Grundstock für das nächste Reparatur-Kafi. «Ich habe extrem Freude, wie sich das entwickelt hat», sagt denn auch Initiant Markus Schmid, der an diesem Tag als Koch im Einsatz war. Und dafür sorgte, dass niemand hungrig heimmusste.



