Tanz, Schalk – aber kein Ortsbus
16.06.2026 BremgartenReich befrachtete Gemeindeversammlung im Casino
Elf Geschäfte wurden vergangene Woche in Bremgarten verabschiedet. Unter anderem ist jetzt klar – das Städtli erhält in absehbarer Zeit keinen Ortsbus. Obwohl man sich dies nach wie vor wünschen ...
Reich befrachtete Gemeindeversammlung im Casino
Elf Geschäfte wurden vergangene Woche in Bremgarten verabschiedet. Unter anderem ist jetzt klar – das Städtli erhält in absehbarer Zeit keinen Ortsbus. Obwohl man sich dies nach wie vor wünschen würde.
Marco Huwyler
«Ich werde einiges anders machen – nicht unbedingt besser – einfach anders.» So begann Stephan Troxler seine erste Einwohnergemeindeversammlung (EGV) als Stadtammann. In einem witzigen Akt des Understatements hatte er sich ein grosses «L» ans Rednerpult geheftet. «Im Vergleich mit Raymond Tellenbach, seinen 16 Jahren und 64 Gemeindeversammlungen bin ich wirklich noch ein Lehrling», kokettierte er bescheiden. Und kündigte gleichzeitig an: «16 Jahre werde ich es sicher nicht machen.»
Zum Unterstreichen der Andersartigkeit folgte danach erst einmal eine Tanzeinlage. Die Jazztanz-Klasse von Christel Hell – die unlängst den 2. Platz am kantonalen «Schooldance-Award» gewonnen hatte – sorgte für einen ungewohnt fetzigen und umjubelten Auftakt für eine «Gmeind». «Das hets möge liide, oder?», fragte der Stadtammann nach dem gelungenen Auftritt der Kinder ins gut gelaunte Rund. «Ja!», die vielstimmige Antwort. Man wird sich demnach vielleicht an solcherlei gewöhnen dürfen bei Bremgarter Politveranstaltungen.
Bus-Nein mit Zusatzauftrag
Nach diesem fulminanten Auftakt ging es allerdings erst mal ziemlich gewöhnlich weiter. Schliesslich standen elf teils umfassende Traktanden auf dem Programm. Brisanz bargen sie indes vergleichsweise wenig. Am ehesten noch dasjenige der Ortsbus-Linie. Schliesslich ist es ein Anliegen, das aus einem Bevölkerungswunsch erwachsen war. Eines, das der Stadtrat jahrelang detailliert geprüft hatte und wofür man sogar Testfahrten durch die Altstadt durchführte. Angesichts der hohen Kosten von 1,44 Millionen, bloss für einen dreijährigen Pilotbetrieb – die Bremgarten grösstenteils allein hätte tragen müssen – konnte allerdings bereits im Vorfeld von einer Ablehnung des Geschäfts ausgegangen werden. Umso mehr, da der Stadtrat das Geschäft selbst zur Ablehnung empfahl (vgl. auch Berichterstattung vom 22. Mai).
Und so war es denn auch keine Überraschung, dass der Souverän zähneknirschend Nein sagte. «Mit einem grossen Mehr zu 19», wie Troxler nach der Auszählung verkündete. Da man die Notwendigkeit und das Bedürfnis nach besserer ÖV-Anbindung der Altstadt grundsätzlich im Rathaus nach wie vor anerkennt – «angesichts von Treppen, 35 Höhenmetern und teils über 500 Meter langen Wegen zum Bahnhof» (Stadtrat Peter Werder) –, will man weiterhin nach gangbaren, günstigeren Lösungen suchen.
Obwohl der Stadtrat von sich aus dieses Bestreben bekräftigt hatte, wurde er am Donnerstag auch noch per Volksentscheid dazu verpflichtet. Mit 124 Ja- zu 72 Nein-Stimmen hiessen die Anwesenden einen Antrag von SP und «Läbigs Bremgarte» gut. Dieser verlangt vom Stadtrat, dass er «weiterhin kostengünstige und verhältnismässige Lösungen für eine bessere ÖV-Erschliessung der Unterstadt» sucht. «Danke. Wir wissen, was wir weiterhin zu tun haben», schloss der Stadtammann das Geschäft.
Kein Lehrling mehr
Ansonsten waren an diesem stimmigen Politabend nur wenige Anträge oder Einwände zu meistern. Wo der Souverän dem Stadtrat widersprach, konnte dieser selbst ganz gut damit leben (vgl. Artikel unten). Drei Stunden geballte Lokalpolitik, während deren es immer wieder wohltuend menschelte. Den letzten Antrag des Abends stellte unverhofft Giovanni Ming. «Ich fordere, dass man Stephan Troxler dieses ‹L› wieder abnimmt», frotzelte er. «Er hat das super gemacht.» Und nach warmem, zustimmendem Applaus des Runds folgte der Ammann dem Willen des Volkes – und liess den Buchstaben verschwinden.

