Unverständliche Wasserverbote
21.07.2026 Leserbriefe, Region Unterfreiamt«Jetzt wird’s teuer», Bericht in der Ausgabe vom 14. Juli
Dass Wassersparen ein Gebot der Stunde ist und wohl niemand mit einem gesunden Menschenverstand jetzt Auto wäscht ist anzunehmen. Mit unverständlichen Verboten reagiert aber der Gemeinderat ...
«Jetzt wird’s teuer», Bericht in der Ausgabe vom 14. Juli
Dass Wassersparen ein Gebot der Stunde ist und wohl niemand mit einem gesunden Menschenverstand jetzt Auto wäscht ist anzunehmen. Mit unverständlichen Verboten reagiert aber der Gemeinderat Sarmenstorf auf die Sommerhitze. Verboten ist das Bewässern von Rabatten, Bäumen, Sträuchern und Pflanzen. Bussen bis 2000 Franken sind angedroht. Bei den Liegenschaften werden grosse Schäden in Kauf genommen, denn was einmal verdorrt ist, wächst nicht mehr. Pflanzen sind für viele Leute ein zweites Ich, wie Haustiere. Man hegt und pflegt sie und freut sich daran. Rentner sollen die Gartenbeete mit Dutzenden von Giesskannen bewässern anstelle eines Schlauches. Mit den Verboten werden die Wasserbezüger kriminalisiert und das Denunziantentum gefördert. Ist das die Gemeinde, die sich der Gemeinderat vorstellt?
Wasser bewegte Sarmenstorf seit über 60 Jahren. Der damalige Gemeindeammann Alphons Widmer wurde 1967 gewählt mit dem Slogan: «Wähler welche wissen, wo weise Wasserwühler woh- nen». Er hat auf privater Basis Wasser in Bettwil gesucht und gefunden, wo später das Grundwasserpumpwerk gebaut wurde. Bis 2022 stand die Wasserversorgung Sarmenstorf auf drei Pfeilern: Quellen Bergmatten (historisch), Anteil Pumpwerk Königsberg Bettwil (ab 1980) und Anschluss an Wasserversorgung der IB Wohlen ab Mai 2005.
Dieser Zusammenschluss liess wahrscheinlich den damaligen Gemeinderat (zwei Mitglieder sind noch im Amt) so euphorisch werden, dass er im November 2021 den Anteil am Pumpwerk Bettwil für 250 000 Franken an die Gemeinde Bettwil verkaufte. Selbst in die Fasnacht hat dieser Handel Eingang gefunden: «Oise Gmeindrot isch cholegeil, selbscht es Grundwasserwerk isch ehm feil. Die Churzsichtigkeit dued ois stinke, müend oisi Chind einisch Papiergeld oder Bitcoins trinke?» Vier Jahre später scheint das bereits Realität zu werden. Interessant: Bis heute haben weder die Gemeinde Bettwil noch die IB Wohlen Verbote erlassen.
Es stellen sich daher viele Fragen: 1. Wurde beim Verkauf des Pumpwerkes Bettwil die Liefermenge mit der IB Wohlen erhöht? Und um wie viel? 2. Haben die IB Wohlen die Lieferung von Wasser reduziert? 3. Im Rechenschaftsbericht der Gemeinde wurde unter Wasser geschrieben: «Das Wasser stammt aus verschiedenen Quellen der Wasserversorgung». Bezüge aus Wohlen und Verkäufe nach Fahrwangen wurden keine ausgewiesen. Wurde 2025 kein Wasser von Wohlen bezogen? 4. Ist die Entwicklung der Gemeinde Sarmenstorf (Neubautätigkeit) gefährdet? Gegenwärtig sind 50 Wohneinheiten bewilligt und Neubaubauvorhaben von zwei Gemeinderatsmitgliedern profiliert. 5. An der Gemeindeversammlung Fahrwangen vom 24. Juni wurde gesagt: «Weil Sarmenstorf selbst unter Knappheit leidet, liefert die Gemeinde plötzlich weniger Wasser. Wie viel Wasser und aus welchen Quellen werden täglich nach Fahrwangen geliefert? Es ist Transparenz zu schaffen, woher das Wasser kommt und wohin es geht.
Der Umgang mit der Hitzewelle wirft bei der Bevölkerung viele Fragen auf. Vertrauen kann man nicht mehrmals verspielen. Nach einem heissen Sommer könnte sich für den Gemeinderat auch ein heisser Herbst ankündigen.
Roman Lindenmann, Sarmenstorf
