Die Debatte um die Begrenzungs- (und Eingrenzungs-) Initiative zeigt einmal mehr, wie sehr wir uns an Unterschiede gewöhnt haben, sodass wir sie gar nicht mehr wahrnehmen.
Mit dem scheinheiligen Argument, wir hätten uns unseren Wohlstand durch unsere eigenen ...
Die Debatte um die Begrenzungs- (und Eingrenzungs-) Initiative zeigt einmal mehr, wie sehr wir uns an Unterschiede gewöhnt haben, sodass wir sie gar nicht mehr wahrnehmen.
Mit dem scheinheiligen Argument, wir hätten uns unseren Wohlstand durch unsere eigenen Anstrengungen selbst verdient, lassen wir Schweizer ausser Acht, wie viel die sogenannt Fremden dazu beigetragen haben. Und noch immer beitragen. Von den Gastarbeiterinnen und Gastarbeitern in Pflege und Gastronomie bis zu den Heerscharen, die weltweit in Plantagen und Minen zu sogenannt «günstigen Bedingungen» (sprich Hungerlöhnen) mindestens so viel zu unserem Wohlergehen beitragen, wie unsere – zweifellos auch vorhandene – Tüchtigkeit.
Nun haben aber zu grosse (Lohn und andere) Unterschiede immer zu einer schiefen Ebene und zu Wanderungsbewegungen geführt, die immer von den ungünstigen hin zu günstigen Bedingungen und nur in seltensten Fällen in die andere Richtung stattfanden. Und stattfinden.
Dieser – logischen – Entwicklung mit einer aus der Luft gegriffenen zahlenmässigen Einschränkung Einhalt gebieten zu wollen, ist in etwa so, wie wenn wir Hangsicherungen oder Lawinenverbauungen beim Dorfeingang platzieren wollten, statt in den Anrissgebieten.
«Wehret den Anfängen» wäre auch da das bessere Rezept, und mit den Kosten, die die Initiative mit einer kaum zu berechnenden – und unmenschlichen – Sortierungsbürokratie verursachen würde, könnte man in den Gebieten, wo es zum Davonlaufen ist, abertausende Beschäftigungs- und Verdienstmöglichkeiten schaffen, die der Würde dieser Menschen gerecht würden.
Martin Köchli, Weissenbach