Hans Melliger, Sarmenstorf.
Wir sind in den Ferien und schwitzen auch. Dichtgedrängt unter dem grossen Sonnenschirm der Hafenkneipe bestellen wir hastig ein kaltes Mineralwasser, dem sie hier Sprudelwasser sagen.
Nach der ...
Hans Melliger, Sarmenstorf.
Wir sind in den Ferien und schwitzen auch. Dichtgedrängt unter dem grossen Sonnenschirm der Hafenkneipe bestellen wir hastig ein kaltes Mineralwasser, dem sie hier Sprudelwasser sagen.
Nach der gefühlten Dauer einer Hafenrundfahrt an glühender Sonne – wer das schon mal erlebt hat, weiss, was ich meine – werden zwei Fläschchen Mineralwasser serviert: kühl, sprudelnd und mit einer blauen Etikette versehen. Darauf steht: «Nur Ansetzen und Trinken? Von wegen.»
«Ja, was denn sonst», frage ich erschrocken und voll ertappt die Etikette zurück. Diese hat die Frage erwartet und schreibt weiter unten: «Unterstütze unsere weltweiten Trinkwasserprojekte.» Ist ja gut, denke ich mir schon etwas verständnisvoller, aber bitte nicht gerade jetzt, zuerst ein grosser Schluck, dann sehen wir weiter.
Doch nur schon beim Ansetzen, kommt mir der Geografielehrer von Jacqueline Badran in den Sinn, der ihr als 16-Jährige erklärt haben soll, dass die Hälfte der Menschheit die Hälfte ihres Lebens damit verbringe, Wasser zu suchen und zu transportieren.
Etwas beschämt nehme ich die oben erwähnte Hafenrundfahrt mir gegenüber wieder zurück. Ich geniesse dafür demonstrativ das auf meinem Tisch sprudelnde Wasser in kleinen Zügen. Und während meine Trinknachbarn den Hafen, die Pötte und die Wasserstrasse vor uns ausgiebig fotografieren, mache ich verstohlen ein Handyfoto vom Mineral-Gütterli, damit ich den Spende-Hinweis «vivaconagua.org» sichern kann.
Meine Tischnachbarn wundern sich bereits über mein sonderbares Verhalten. Sie schreiben es wahrscheinlich der Hitze zu und fordern mich auf, mehr frisches und kühlendes Wasser zu trinken, denn lauwarmes Sprudelwasser sei ungeniessbar.
Ich widerspreche kurz und behaupte dann in ehrlicher Weise, es mache mir im Moment überhaupt nichts aus, dass das vor mir in der Sonne stehende Mineralwasser ein bisschen lau und wärmer geworden ist.