Waldspaziergang mit Einblick
12.05.2026 KelleramtDer Waldumgang in Oberlunkhofen zog bei schönem Wetter rund 100 Personen an
Revierförster Urs Huber gab Einblick in den Forst und die Arbeit, die sein Team zur Pflege und Bewirtschaftung unternimmt. Dazu standen Sehenswürdigkeiten wie die Findlinge oder das ...
Der Waldumgang in Oberlunkhofen zog bei schönem Wetter rund 100 Personen an
Revierförster Urs Huber gab Einblick in den Forst und die Arbeit, die sein Team zur Pflege und Bewirtschaftung unternimmt. Dazu standen Sehenswürdigkeiten wie die Findlinge oder das Feuchtbiotop im Zentrum. Einwohner, Behördenvertreter und Vierbeiner waren interessiert mit dabei.
Verena Anna Wigger
Josef Eichholzer hat sich mit den Findlingen im Althau auseinandergesetzt. Hier macht die Gruppe halt und er erzählt, dass er sich auf einer Reise in die Gletscher verliebt hat. Als er von der Reise zurück war, hat er einen Gesprächspartner gesucht, um sein erwachtes Interesse an der Eiszeit fortzuführen. Im Findling «Chindlistein» und seinem «kleineren» Kollegen im Althau «habe ich den gewünschten «Gesprächspartner gefunden», sagt er.
Dann verblüfft er mit der Information, dass die Eisschicht in diesem Gebiet, vor rund 125 000 Jahren, zwischen 500 und 1500 Meter hoch war. Der Gletscher habe ein Ausmass gehabt, dass er bis in den Schwarzwald gereicht hat. «Niemand kennt wohl den Bünzersee?», fragte er in die Runde. Dieser befand sich vor rund 6000 Jahren in der Region. Doch nach dem Rückgang des Eises sind Findlinge wie der «Chindlistein», der «Römerstein» in Lenzburg oder der «Erdmannlistein» in Bremgarten zurückgeblieben.
In seinen Ausführungen geht Eichholzer auch auf die Frage ein, woher der Name «Chindlistein» komme. Dazu könne er keine genauen Angaben machen, sagt er. Es gebe alte Erzählungen, dass kinderlose Frauen dem Stein früher Kräfte zusprachen, die ihnen eine mögliche Mutterschaft ermöglichten, erzählte Eichholzer. Wer mehr zu den Findlingen wissen möchte, sollte am 30. Mai den Kulturtag in Oberlunkhofen besuchen.
Der Wald braucht das Fallholz
Betriebsleiter Urs Huber erklärt, warum soviel Äste im Wald liegen und was mit dem übergrossen Holzhaufen passiert. «Dies ist Energieholz», sagt er. Das Chaos, wie er es nennt und damit die vielen Äste und Zweige meint, die im Wald liegen, «entstammen aus der Arbeit im Forst». Diese lasse man bewusst liegen. Der Wald verändere diese rasch wieder. «Schauen Sie in einem Jahr nochmals vorbei», lud er die Gäste ein. Was heute unordentlich aussehe, werde zum Lebensraum für Kleinlebewesen und Nährstoff des Waldes.
Stürme, die dem Wald zusetzen
Huber arbeitet seit 30 Jahren im Kelleramt als Förster. In dieser Zeit haben zwei grosse Stürme im Wald Schäden angerichtet. Der eine sei Lothar gewesen, das war ganz zu Beginn seiner Arbeit. Es freut ihn aber, «dass sich der Wald während dieser Zeit wieder erholt hat und gewachsen ist». Denn neben den von ihnen gepflanzten Bäumen sind auch Bäume gewachsen, die der Wald selbst hervorbringt. Dies führe zu einem Mischwald wie man ihn heute heranziehen möchte, so der Forstexperte.
Der Wald erzählt Geschichten
Beim Spaziergang durch den Althau kommt die Gruppe an einem alten Eichenstrunk vorbei, neben dem auch zwei grosse kunstvoll geschaffene Holzstücke liegen. Auch sie sind eine Erinnerung an den Sturm Lothar. Damals fiel die grösste Eiche im Forst dem Sturm zum Opfer, wie Huber erzählt. Eichenholz sei damals überhaupt nicht gesucht worden. So habe man den Stamm gelagert, bis ihn Walter Dolder erwarb. Aus dem Stamm entstanden zwei übergrosse «Förderschnecken». Das Kunstwerk sei jahrelang ausgestellt worden, bis man feststellte, dass sich Ameisen daran zu schaffen gemacht haben. Aus Sicherheitsgründen wurde es von seinem Standort entfernt und sicher gelagert und ziert heute den Platz neben dem Strunk der Eiche. «Das war der teuerste je verkaufte Baum», gesteht Huber. Wie sich der Kreislauf im Wald fortführt, symbolisiert die mittlerweile gut fünf Meter hohe Eiche, die neben dem Strunk gewachsen ist.
Bewohner im Wald und im Biotop
Auch gewachsen sind die Feuchtbiotope, wie in der Nähe des Grillplatzes Althau zu sehen ist. Diese beiden Tümpel haben die Forstarbeiter gebaut und pflegen sie regelmässig. Beim einen habe man sogar eine Folie eingezogen. «Das würden wir heute nicht mehr machen», sagt der Förster. Damals seien sie davon ausgegangen, dass so das Wasser länger in der Vertiefung bleibe. Doch die Natur zeigt, dass so viel Grundwasser vorhanden ist, dass auch im natürlichen Becken ein gleich hoher Wasserstand sichtbar ist. Was die Natur dazu beigetragen hat, sind die Bewohner im und um das Feuchtbiotop. Huber erklärt auf eine Frage aus der Runde: «Die Amphibien sind bereits da und beziehen einfach ihren Lebensraum.» Wer ins Sonnenlicht schaut oder auf die Wasseroberfläche, sieht die vielen kleinen Insekten, die sich hier tummeln.
Im Kelleramt gebe es neun Biotope, erklärt Huber, die beiden neuen wurden in Arni und im Waldhof in Jonen gebaut. Dass diese auch langfristig erhalten bleiben, dafür müssen die Vertiefungen alle zehn Jahre ausgebaggert werden. Ansonsten würden sie verlanden, sagt der Förster.
Den neuen Rundweg begangen
Welchen Stellenwert die Feuchtinseln haben, erklärte Elisabeth Paine. Sie betreut das Spezialprojekt vonseiten des Kantons. Dieser überwacht die dort lebenden Amphibien. Im Zeitraum von März bis Mitte Mai besucht sie Biotope und zählt nach, welche Tiere sie hört. Damit dies effektiv ist, findet die Zählung in der Nacht statt, so Paine. «Da sind die Tiere aktiv und man hört sie besser», so Paine. Zu den Bewohnern der Biotope gehören Laubfrösche oder Bergmolche. Das Feuchtgebiet und die weiteren Sehenswürdigkeiten waren für das Forstteam Ansporn, eine zusammenhängende Wegverbindung zu erstellen. Diese durften die Gäste des Waldumgangs aus Oberlunkhofen, Arni und Jonen begehen, besichtigen und geniessen.

