Weit mehr als nur Schiessen
17.03.2026 Schiessen, Region Oberfreiamt, BoswilAm Jägertag erhielten Boswiler Primarschülerinnen und -schüler Einblick in ein traditionelles Handwerk
Alle drei Jahre lädt die Jagdgesellschaft Boswil die örtlichen Primarschüler zu einem Halbtag im Wald ein. Die informative Abwechslung vom ...
Am Jägertag erhielten Boswiler Primarschülerinnen und -schüler Einblick in ein traditionelles Handwerk
Alle drei Jahre lädt die Jagdgesellschaft Boswil die örtlichen Primarschüler zu einem Halbtag im Wald ein. Die informative Abwechslung vom Alltag kommt gut an.
Thomas Stöckli
Staunend verfolgen die Kinder, wie Jagdhund «Rocky» durchs Unterholz stöbert, der vorgängig gelegten Fährte nach, bis zum Ziel, das er dann seinem Herrchen und Schweisshundführer Josef Gugerli anzeigt. «Die beiden sind ein super Gespann», sagt Jäger Roland Koch, der den Jägertag für die Schule Boswil geplant und organisiert hat. Rund 130 Kinder haben sich dazu bei der Forsthütte eingefunden.
Vielfältige Aufgabe
Der Jägertag hat in Boswil schon lange Tradition. 2005 hat Roland Koch die Aufgabe übernommen. Seither werden die Primarschülerinnen und -schüler ab der 3. Klasse alle drei Jahre für einen Halbtag in den Wald eingeladen. «Wir wollen das jedem Klassenzug einmal ermöglichen», erklärt der Obmann und Jagdleiter. An vier Posten erhalten die Kinder Einblick ins Jägerhandwerk, das weit mehr beinhaltet als das Schiessen. «Ich bin zweimal pro Woche im Revier unterwegs», sagt Koch. «Das Schiessen macht höchstens zwei bis drei Prozent meiner Tätigkeit aus.»
Allein schon für die Rettung von Rehkitzen sind die Jäger in der Mähzeit an rund 20 Abenden unterwegs. Eine grosse Wirkung erzielt bereits das «Verblenden» am Vortag: Sieht das Muttertier, dass sich an der Umgebung etwas verändert hat, wird es mit seinem Nachwuchs eine andere Wiese aufsuchen. Absolute Sicherheit erreicht man mittels Wärmebild-Drohnen. Der Aufwand lohnt sich, lässt sich so doch viel Tierleid vermeiden.
Unter Jägern wird auch die kulturell-gesellige Komponente gepflegt. Das Aser-Equipment mit Klapptisch und -stühlen macht das deutlich. So sitzt man etwa nach der Gesellschaftsjagd im Herbst noch gemütlich am Feuer zusammen.
Spannende Materie
Der Standort um die Forsthütte ist klug gewählt für den Jägertag. Der Anmarschweg ist mit rund einer halben Stunde überschaubar, an Sitzgelegenheiten mangelt es nicht und bei Regen hätten die Kinder diverse Unterstände im Trockenen. Die braucht es an diesem lauen Frühlingstag allerdings nicht. Jagdaufseher Martin Keusch bringt den Kindern die Jagdausbildung näher und bietet ihnen anhand von Präparaten Einblick in die heimische Vogelwelt, das «Federwild». Thema ist an diesem Posten auch das Verhalten bei einem Wildunfall. Einen solchen gilt es der Polizei zu melden, welche dann ihrerseits den zuständigen Jagdaufseher aufbietet.
Hinter der Forsthütte zeigt Alex Brun den Schülerinnen und Schülern, was die Jäger an Ausrüstung und Einrichtungen nützen, vom Jagdhorn zur Verständigung über Zielstock und Gewehr bis hin zum mobilen Hochsitz. «Fernrohr und Nachtsichttechnik erleichtern das Beobachten», so Roland Koch, wobei Letztere für die Jagd nicht genutzt werden dürfe. Mittels Jagdhorn werden die Postenwechsel signalisiert. Zur Halbzeit wird den Kindern ein Znüni offeriert. 150 Mutschli sowie 90 Liter Schorle und Mineralwasser hat die Jagdgesellschaft dazu bereitgestellt.
Tierische Rückkehrer
Jagdaufseher André Luzio bringt den interessierten Kindern das Haar- und Raubwild näher. Haupt-Jagdwild sind und bleiben Reh und Fuchs. Dachse verursachen zuweilen Schäden in Maisfeldern. Während Luchs, Wolf und Wildschwein in der Region höchstens mal durchziehen, sind Biber und Rothirsch bleibend zurückgekehrt. Ersterer hat über die Reuss die kleineren Gewässer erschlossen, Letzterer kam von der Albiskette her über die Reuss. Sichtbar seien die Rothirsche kaum, so Roland Koch, doch oberhalb des Feldenmoos zeugen Trittsiegel von dauerhafter Anwesenheit. Und: «Letztes Jahr hatten wir ein Fallwild in Richtung Muri.» Will heissen: Ein Rothirsch wurde von einem Auto angefahren.
Zurück zu Josef Gugerli und «Rocky», die beim Forsthock zeigen, wie die Zusammenarbeit zwischen Hund und Hundeführer auch ohne Laut funktioniert. Aufmerksam folgt «Rocky» seinem Herrchen durch den aufgestellten Stangenslalom und überspringt auf Kommando eine Hürde. Die Kinder sind sichtlich beeindruckt.



