Zwei Gesichter für die Jugendpolizei
18.02.2025 MuriRespekt als Grundlage
In der Jugendpolizei geht es auch darum, Vertrauen aufzubauen
Junge Menschen unterstützen und bei Bedarf zurück auf die richtige Spur bringen – das will die Jugendpolizei erreichen.
...Respekt als Grundlage
In der Jugendpolizei geht es auch darum, Vertrauen aufzubauen
Junge Menschen unterstützen und bei Bedarf zurück auf die richtige Spur bringen – das will die Jugendpolizei erreichen.
Thomas Stöckli
Sie ist Ansprechpartnerin für Kinder und Jugendliche sowie für Eltern, Lehrpersonen, Institutionen und Amtsstellen, die Jugendpolizei der Regionalpolizei Muri. Mit der Beförderung von Simon Bachmann zum Repol-Chef hat Marco Moreno diese Aufgabe übernommen. Neu steht ihm in der Person von Lorena Vergari eine Kollegin zur Seite.
Gemeinsam leisten die beiden Jugendpolizisten Präventionsarbeit an den Schulen. Dabei liegt der Fokus zunehmend im Umgang mit den sozialen Medien. «Es ist eindrücklich, auf wie vielen unterschiedlichen Plattformen sich die Jugendlichen bewegen», so Moreno.
Weiter sind er und seine Kollegin an den Hotspots im Einsatzgebiet der Regionalpolizei Muri unterwegs, um mit den Jugendlichen in Kontakt zu treten. Das gelingt, wenn man ihnen Anstand und Respekt entgegenbringt, weiss der Jugendpolizist.
«Präventiv zu arbeiten, das macht mir Freude», verrät Vergari. Und auch ihr Kollege sieht die Zusatzfunktion als Jugendpolizist als Bereicherung: «Die Fälle sind interessant und abwechslungsreich», sagt Moreno. Denn: «Die Kompetenzen reichen im Vergleich zu den sonstigen Repol-Aufgaben weiter in den strafrechtlichen Bereich.»
Die Regionalpolizisten Marco Moreno und Lorena Vergari schätzen insbesondere den präventiven Teil ihrer Arbeit
Die Jugendpolizei-Aufgaben teilen sich im Einsatzgebiet der Repol Muri neu ein Polizist und eine Polizistin. Sie wollen den Heranwachsenden rechtzeitig bewusst machen, ihr Verhalten verantworten zu können.
Thomas Stöckli
«Wenn von 50 Jugendlichen beispielsweise drei auf die schiefe Bahn zu geraten drohen und ich zwei von ihnen abfangen kann, ist viel erreicht», sagt Marco Moreno. Per Anfang Juni 2024 hat er sukzessive den Fachbereich der Jugendpolizei von Simon Bachmann übernommen, der seinerseits zum Nachfolger von Renato Orsi als Leiter Sicherheit und Chef der Regionalpolizei Muri befördert wurde. Als konkretes Beispiel für solch ein Erfolgserlebnis nennt er den Fall eines Jugendlichen aus seinem früheren Einsatzgebiet im Wynental. Dieser und sein älterer Bruder seien unabhängig voneinander vermehrt negativ aufgefallen. Sein Bruder sei schlussendlich im Jugendgefängnis gelandet. Dem Jüngeren seien aufgrund seiner Strafanzeigen und den Gesprächen mit der Polizei die Augen noch rechtzeitig aufgegangen. «Ein Jahr nach seiner letzten Straftat, in welcher ich mit ihm zu tun hatte, traf ich ihn zufällig wieder und sprach ihn an», erzählt Marco Moreno: «Er sagte mir, dass er nun eine Lehrstelle suche, dass ihn das, was passiert sei, wachgerüttelt habe.»
Gutes Bild vermitteln
Am Anfang einer kriminellen Karriere stünden erfahrungsgemäss kleine Delikte. Das gelte auch für Jugendliche. «Da ist es wichtig, sie früh abholen und auf die richtige Spur bringen zu können», sagt Marco Moreno. «Dazu gehört es, sie aus der Anonymität zu holen, ihnen dir rechtlichen Grenzen aufzuzeigen und sie nötigenfalls auf ihrem Weg zu begleiten. So kommt es ab und an mal vor, dass man den einen oder anderen besser kennt und auch gleich mit seinem Namen ansprechen kann.» So, wie es beim jüngeren der beiden eingangs beschriebener Brüder der Fall gewesen sei.
Junge Menschen unterstützen und ihnen ein gutes Bild von der Polizei vermitteln zu können, das ist Marco Moreno wichtig. Das hat ihn bewogen, den Fachbereich der Jugendpolizei zu übernehmen. Das und Erfolgserlebnisse wie im geschilderten Fall. Ähnlich sieht es auch seine neue Kollegin Lorena Vergari, die von der Zuger Polizei zur Repol Muri gestossen ist: «Präventiv zu arbeiten, das macht mir Freude», verrät sie, und schiebt nach: «Das ist nicht jedem Polizisten gegeben.» Zudem habe sie Freude am Umgang mit Jugendlichen.
Gefahr in sozialen Medien
Zum Aufgabengebiet der Jugendpolizisten gehört auch die Aufklärungsarbeit an den Schulen. «Wir unterrichten drei unterschiedliche Doppellektionen, je eine in der 5./6. Klasse sowie in der ersten und dritten Oberstufe», sagt Marco Moreno. Dabei werden die Schülerinnen und Schüler aufbauend in für sie relevante Aspekte des Strafrechts eingeführt. «Es geht darum, ihnen bewusst zu machen, dass das eigene Fehlverhalten Konsequenzen hat.» Vielen sei nicht klar, dass etwa Schubsen und Beinstellen bereits Tätlichkeiten sein können, führt der Jugendpolizist aus. Passiere das auf einer Treppe, können, zum Beispiel aufgrund eines daraus resultierenden Treppensturzes, weitere Straftaten, wie eine fahrlässig schwere Körperverletzung, hinzukommen.
Immer stärker liege der Fokus der Aufklärungsarbeit aber auch im Umgang mit den sozialen Medien. Bei den Klassen der dritten Oberstufe werde diesbezüglich das Thema Cyber-Grooming behandelt, also das gezielte Ansprechen von Minderjährigen im Netz durch Erwachsene, die sich an ihnen sexuell bereichern wollen. «Es ist eindrücklich, auf wie vielen unterschiedlichen Plattformen sich die Jugendlichen bewegen», weiss der Jugendpolizist aus Erfahrung. «Jugendliche werden dabei immer wieder von Erwachsenen, mit teils seriös wirkendem Profil, in sexueller Absicht angesprochen», so Marco Moreno. Andererseits gebe es auch computergenerierte Sexwerbung, die den Jugendlichen zugestellt werde. Ein weiteres Gebiet betreffe die Sensibilisierung hinsichtlich der künstlichen Intelligenz. Mittlerweile sei es ein Leichtes, hochgeladene Bilder,Tonaufnahmen und Videos zu manipulieren und anderweitig zu verwenden.
Gruppendynamik brechen
Die Jugendpolizisten sind aber auch ausserhalb der Schulen in den 18 Gemeinden präsent, die der Repol Muri angeschlossen sind. Hier treten sie mit den Jugendlichen in Kontakt, bauen Vertrauen auf und sensibilisieren etwa darauf, ihre Treffpunkte im öffentlichen Raum ordentlich zu hinterlassen. «Ich würde von mir behaupten, dass ich gut auf Jugendliche zugehen kann», nennt Marco Moreno eine Kernkompetenz für seine Aufgabe.
Besonders seien Ausgangslagen an Feierlichkeiten, die grössere Gruppen von Jugendlichen in ihren Bann ziehen, wie die Halloweennacht. Da könne eine negative Gruppendynamik zur Eskalation führen: «Wenn einer es cool findet, ein rohes Ei zu schmeissen, findet ein anderer aus der Gruppe, dass er ein zweites noch weiter werfen könne», beschreibt Marco Moreno. «Meist wollen sich die Jugendlichen dabei in ihrer Gruppe behaupten, dazugehören und ihren Platz einnehmen. Die Auswirkungen und Folgen werden dabei nicht gross bedacht.» Diese Dynamik lasse sich durch erhöhte Präsenz und präventive Kontrollen brechen. Ein ständiges Thema bei der Hauptklientel von 12 bis 16 Jahren sind E-Trottis und Mofas.
Respekt – auf beiden Seiten
«Wenn man die Möglichkeit hat, die eine oder andere Straftat zu verhindern, ist das etwas Schönes», findet Lorena Vergari. «Die Jugendlichen wollen in ihren Bedürfnissen ernstgenommen werden», weiss Marco Moreno und hat die Erfahrung gemacht, dass man gut ins Gespräch kommt, wenn man ihnen den gleichen Anstand und Respekt wie Erwachsenen entgegenbringt. Wenn das gute Zureden nicht fruchtet, ist allerdings auch Repression gefragt. «Dann folgt die Verzeigung an die Jugendanwaltschaft», so Moreno.
Den Respekt, den sie der Jugend entgegenbringen, erwarten die Uniformierten auch von der Bevölkerung: «Ich kenne niemanden, der gerne beleidigt oder gar angespuckt wird», sagt Marco Moreno und ruft in Erinnerung, dass in jeder Uniform auch ein Mensch stecke. Er könne wohl differenzieren zwischen Persönlichem und der Funktion als Polizist, «und dennoch nehmen einen solche Vorfälle mit». Vieles fängt im Kleinen an: «Wenn Eltern, die uns sehen, ihre Kinder fragen: «Hast du etwas angestellt?», vermittelt dies das Bild, die Polizei komme nur zum Strafen», führt Lorena Vergari aus. Dass dieses Bild eben nicht entsteht, dafür setze sie sich in ihrer Präventionstätigkeit ein.
Die Jugendpolizei geniesst bei der Repol Muri eine hohe Priorität. Gerade bei Jugendlichen sei es wichtig, schnell reagieren zu können. Ein schöner Nebeneffekt dieses Fachbereiches sei, dass sich die Kompetenzen im strafrechtlichen Bereich zu den sonstigen Repol-Aufgaben erweitern. «Die Fälle sind interessant und abwechslungsreich», sagt Marco Moreno. Nebst ihrer jugendpolizeilichen Aufgabe stünden er und seine Kollegin beide auch im normalen Dienstbetrieb der Repol Muri im Einsatz.


