Zwischen Realität und Glauben
11.08.2026 Region Oberfreiamt, Beinwil/Freiamt, Theater, Kommende EventsDen Dorfheiligen entstaubt
«Keis Wunder – es Wunder»: Gefeierte Uraufführung des Freilichttheaters in Beinwil
Seit gut zwei Jahren nimmt es Gestalt an, das Stück «Keis Wunder – es ...
Den Dorfheiligen entstaubt
«Keis Wunder – es Wunder»: Gefeierte Uraufführung des Freilichttheaters in Beinwil
Seit gut zwei Jahren nimmt es Gestalt an, das Stück «Keis Wunder – es Wunder». Am Wochenende war Premiere.
Thomas Stöckli
Ein Theater über den Dorfheiligen aus seinem Heimatort? Die Idee stiess bei Walter Küng nicht sofort auf Begeisterung. Nach einer Bedenkzeit dafür nachhaltig.
Die Geschichte des Heiligen Burkard müsse entstaubt und neu beleuchtet werden, fordert eine kritische Stimme im Stück «Keis Wunder – es Wunder». In diese Richtung ist der Autor und Regisseur auch gegangen – allerdings ohne den Druck, allgemeingültige Antworten liefern zu müssen. Stattdessen regt das Stück aus verschiedenen Perspektiven an, sich mit Themen wie Glaube, Kultur, Vorbildfunktion und Geschlechterrollen auseinanderzusetzen. Den Fussmarsch von einem Spielort der Freilichttheaters zum nächsten bezeichnet Küng denn auch nicht als «Gruppenreise», sondern als «individuelle Tour». Dabei lässt er sein Publikum zuweilen im Ungewissen, was zum Schauspiel gehört und was nicht.
«Menschen sind keine rein rationalen Wesen», sagt im Stück der selbsternannte Dorfhistoriker Hans Bissig, gespielt von Andreas Bürgisser. So würden Geschichten wie die vom Heiligen Burkard Halt bieten in einer schwierigen Realität. Dorfnarr «Schagg» (Stephan Wottreng) hat für solcherlei Lug und Trug erst nur verächtliches Schnauben übrig, bis auch er sich lautstark zu Wort meldet – irgendwo zwischen subtilem Schalk und offener Frechheit.
Dem Premierenpublikum hat das Stück offensichtlich gefallen. Die weiteren Vorstellungen sind schon länger ausverkauft. Der Zusatztermin vom 20. August bietet nochmals eine Chance.
Das Freilichttheater «Keis Wunder – es Wunder» regt zum Nachdenken an – gefeierte Premiere in Beinwil
Was sind eigentlich Wunder? Und soll man in der heutigen Zeit noch an sie glauben? Das Freilichttheater in Beinwil liefert darauf bewusst keine Antworten, aber Anregungen, darüber nachzudenken.
Thomas Stöckli
Wenn in Beinwil verschiedene Bänke und Tribünen verteilt sind, dann ist Freilichttheater. Nach intensiven Probemonaten ging es nun endlich los mit den Vorstellungen. Zur Hauptprobe, durchgeführt als Vorpremiere, wurden die Anwohnerinnen und Anwohner eingeladen. Bei der Premiere waren nebst Sponsorinnen, Gönnern und zahlenden Gästen auch Alt-Bundesrätin Doris Leuthard aus Merenschwand und Weihbischof Josef Stübi aus Dietwil mit dabei.
Allerlei Wunderhaftes
Gemeinsam machten sich alle auf einen Spaziergang durchs Dorf – aber auch durch die Zeit. Wobei die Theatergänger den ersten Teil bis zum Wegkreuz mit der markanten Linde gestaffelt in kleinen Gruppen zurücklegten. Schon in diesem Vorspiel vor dem eigentlichen Start erfahren sie allerlei Wundersames. Von der heilenden Wirkung des Wassers aus dem Burkardsbrunnen, von einer Liebesgeschichte, verwoben aus zwei individuellen Erzählsträngen, die zu einer gemeinsamen Pilgerfahrt nach Beinwil zusammenführen. «Wir waren sicher, dass Burkard die Hände im Spiel hatte», so Priska Steiner in ihrer Rolle als Ehefrau aus der Innerschweiz. «Dem Burkard sind wir das Leben lang dankbar», fügt Josef Villiger an, der ihren Ehemann verkörpert. In einer weiteren Sequenz erschliesst sich dem Publikum, dass das Burkardswasser offenbar nicht nur bei denen half, die daran glaubten.
Mit dem Einstieg von Stephan Wottreng als «Schagg» in die Geschichte bleiben die Wundergeschichten nicht mehr unwidersprochen. Sehr zum Missfallen von Lokalhistoriker Hans Bissig – verkörpert durch Andreas Bürgisser – der sich in seiner unkritischen Deutungsweise gestört fühlt. Historisches mischt sich mit Gegenwärtigem. Immer den zentralen Fragen nach: Was heisst es, ein vorbildlicher Mensch zu sein? Es entwickelt sich ein Hin und Her über die Macht der Lügen und die Kraft des Glaubens in sich rasant ändernden Lebensrealitäten. Es geht um Philosophie und Weisheit, um Sexismus und Unterdrückung, um Wissen und Hoffnung, um Ethik und Solidarität, um Gut und Böse – und schliesslich um Liebe.
Kraft der Liebe
Dass es die Liebe ist, welche die Perspektiven vereint, in der sich alle finden, kommt nicht von ungefähr. Weihbischof Josef Stübi sieht darin eine Bestätigung seines Glaubens, wie er nach der Vorführung festhält: «Im ersten Johannesbrief steht: ‹Gott ist die Liebe.› Umgekehrt kann man sagen: Die Liebe ist Gott.» Die teils sehr glaubenskritischen Fragen, die das Stück aufwirft, schätzt der Weihbischof als Anregung an alle, sich ihre eigenen Gedanken zu machen. «Es hat mir sehr gut gefallen», so sein Feedback zur Inszenierung.
Und offenbar nicht nur ihm: Nach der Schlussszene hinter der Kirche dürfen sich die Mitwirkenden von lang anhaltendem Applaus in ihrem Einsatz bestätigen lassen. Es ist die verdiente Wertschätzung für ein ebenso intelligentes wie emotionales Stück, für die wirkungsvolle Inszenierung mit zahlreichen Darstellerinnen und Darstellern im Vorder- und Hintergrund, für Schalk und Glaubwürdigkeit in der Interpretation der einzelnen Rollen.
Zusatzvorstellung am 20. August
«Was Walter Küng geleistet hat, ist unglaublich», würdigt OK-Präsidentin Irene Hofstetter die Leistung des Autors und Regisseurs mit Bürgerort Beinwil. «Er hat Geschichte recherchiert, im Archiv gestöbert, Bücher gelesen und sich intensiv mit dem Leben des Dorfheiligen auseinandergesetzt.» Gemeindeammann Stefan Zemp zeigte sich derweil stolz darüber, was sein Dorf auf die Beine zu stellen vermag.
Weil die Vorstellungen so schnell ausverkauft waren, hat der Verein St. Burkard eine Zusatzvorstellung angesetzt. Sie findet am Donnerstag, 20. August, statt. «Tickets für diese Vorstellung sind ab sofort erhältlich», so Irene Hofstetter.







