Bewussterer Kleiderkonsum
13.03.2026 Muri, Energie15. Generalversammlung vom Muri Energie Forum (MEF) im Gemeinschaftszentrum (GZ) in Muri
Das Jahresthema «Tragweite – bewusst kleiden» betrifft jeden, es bezieht sich auf den Kleiderkonsum und -umgang. Das Jahresprogramm bietet dazu eine ...
15. Generalversammlung vom Muri Energie Forum (MEF) im Gemeinschaftszentrum (GZ) in Muri
Das Jahresthema «Tragweite – bewusst kleiden» betrifft jeden, es bezieht sich auf den Kleiderkonsum und -umgang. Das Jahresprogramm bietet dazu eine Kleidertauschbörse oder ein Filmpodium. Nach dem Rücktritt von Peter Jäggi wurden Urs Strebel und Yvonne Leuppi in den Vorstand gewählt.
Verena Anna Wigger
Bilder von Kleiderbergen aus weggeworfenen, neuen, nicht getragenen Kleidern in Asien, Afrika oder Südamerika gehen um die Welt. Grossverteiler, die online ihre Kunden innert Tagen kostenlos beliefern und die nicht gekaufte Ware wegwerfen, tragen massgeblich dazu bei. Das sind Tatsachen in der heutigen Zeit, dies bestätigt auch Marc Joss, CEO der Schweizer Kleidermarke Switcher. Joss hielt ein Referat zu Nachhaltigkeit und Greenwashing in der Kleiderbranche. Dabei ging er darauf ein, wie sich Nachhaltigkeit im Material, Preis und in der Lieferkette zeigt. Sein Fazit ist klar: «Die Textilbranche ist nicht nachhaltig.»
Verantwortung als Unternehmen
Joss zeigte auf, wie die Marke Nachhaltigkeit in der Produktion lebt, und dazu 2004 eine Stiftung gegründet hat, damit die Näherinnen und ihre Familien auch bei einem schlechten Geschäftsgang der Firma weiter versorgt seien. Er zeigte auf, dass Verträge mit Fabriken ausgearbeitet wurden, damit keine Kinderarbeit stattfindet. «Diese Verträge, die zu Zertifikaten führen, sind nur wirksam, wenn die gesamte Lieferkette angeschaut wird», gab Joss zu bedenken. Den knapp 60 anwesenden Mitgliedern des Muri Energie Forums verriet er, dass ein Bekleidungsstück aus Baumwolle, welches made in Portugal sei, nicht zwingend nachhaltig produziert werde. Und noch etwas gab er zu bedenken. Mit dem Wegfall des stationären Handels fielen auch viele Regulatorien und Vorschriften weg; da werde Ware ins Land importiert ohne die nötigen Kontrollen.
Joss erzählt von einem Erlebnis beim Aushandeln der Verträge. So hat er erlebt, dass Schweizer Werte nicht für andere Länder anwendbar seien. Arbeiter, die bei ihnen in der Fabrik tätig sind, wollen nicht nach acht Stunden in den Feierabend. Sie sagen: «Wir sind zum Arbeiten da.» Denn ihre Familien leben weit weg und wenn sie zu Hause seien, dann leben sie mit der Familie. Hier mussten Überstundenregelungen gefunden werden, damit die Interessen beider Parteien berücksichtigt werden konnten.
Ein Thema, das alle interessiert
Im Anschluss an das Referat entstand eine rege Diskussion. Aus dem Publikum kam die Frage, ob Switcher seine Ware bei einer Rücksendung auch wegwerfe. Joss antwortete, ihre Bekleidung kostet mehr als drei Franken, «daher geht alles zurück ins Regal». Weiter gab er zu bedenken, dass bei vielen Grossverteilern sich diese Arbeit nicht lohne und daher entstehen die Kleiderabfallberge.
Eine weitere Frage ging Richtung Öko-Baumwoll-Zertifikate. Der Fricktaler Bekleidungshändler bestätigte, dass es einen Label-Dschungel gebe. Jedes Land hätte eigene Etiketten, auch kontinentübergreifend gäbe es kein globales Label. Bei Öko-Baumwolle gebe es zwei Label, bei denen man davon ausgehen darf, dass sie halten, was sie versprechen. Das eine sei GOTS (Globaler Bio Textilstandard) und das andere sei Fairtrade. Und noch etwas gab er den GV-Besuchern mit, seit die neue Führung in den USA am Ruder sei, «ist Nachhaltigkeit aus dem Fokus verschwunden».
Angebote für jedermann/frau
Damit das Thema «Tragweite – bewusst kleiden» vertieft werden kann, hat das Forum verschiedene Aktivitäten vorbereitet. Dazu gehören Veranstaltungen und eine Filmvorführung. «Wohin mit unseren Altkleidern?» heisst der Streifen, der am 29. Oktober im Kino Mansarde gezeigt wird, inklusive einer Podiumsdiskussion mit der Reporterin Rahel Osterwalder. Auch am vermeintlichen «Lebensende» der Bekleidung setzt eine Veranstaltung an. Ein Kleidertauschmarkt am 22. April bietet die Möglichkeit, kostenlos neue Teile zu finden. Kreativ wird es am 15. November, dann wird ein «Creative Mending Workshop» durchgeführt. Auf Deutsch würde das heissen, Kleider kreativ flicken. Dieses veraltete Handwerk wird als Kurs zusammen mit der Volkshochschule Oberes Freiamt durchgeführt.
Aus dem Vorstand des Forums gab Peter Jäggi seinen Rücktritt, daher wurden neue Mitglieder in den Vorstand gewählt. Jäggi musste sich für den Abend entschuldigen. Forum-Präsident Stefan Staubli würdigte Jäggi, der seit 2013 für die Finanzen zuständig ist. Er tritt altershalber zurück. Präsident Staubli: «Die gute finanzielle Lage des Vereins ist ein Stück weit Peter Jäggi zu verdanken.» Dazu lobte er die Weitsicht und das Organisationstalent des scheidenden Kollegen.
Zwei neue Vorstandsmitglieder
Die sich öffnende Lücke im Vorstand von MEF wurde durch die Wahl von Urs Strebel und Yvonne Leuppi geschlossen. Leuppi war bereits im Gründungsvorstand und kommt nun zurück. «In zwei Jahren trete ich beruflich kürzer», da passe dieses Engagement gut, erklärte sie der Versammlung. Als Nachfolger für die Finanzen wurde Urs Strebel gewählt. Strebel ist Elektroingenieur und führte am Abend bereits durch die Budgetvorstellung des laufenden Jahres.
Die Rechnung des vergangenen Jahres schloss mit einem Gewinn von rund 6700 Franken ab. Dass damit das Vereinsvermögen ein gutes Polster ausweise, sei ein guter Umstand, da sich die Finanzen in den kommenden Jahren verändern würden, erklärte Präsident Stefan Staubli.
Budget mit Defizit, Kasse mit Polster
Das Budget für das laufende Jahr zeigte es dann auf. Ein Minus von rund 22 000 Franken ist darin enthalten. Dies sei dem Umstand geschuldet, dass im laufenden Jahr eine Teilnahme an der Gewerbeausstellung geplant ist. Weiter falle ab dem laufenden Jahr auch der kantonale Beitrag weg.
Bei der zweiten Rechnung, welche durch die Versammlung genehmigt und auch das Budget gutgeheissen wurde, betrifft MuriSolar. Aus dieser Kasse sind bereits 162 Projekte unterstützt worden. Für die restlichen zwei Jahre wurden weitere Projekte bereits eingereicht. Dafür stehe das Geld noch zur Verfügung. Ende 2027 wird das Projekt MuriSolar abgeschlossen, dann sei der Topf leer. Wie diese beiden Geschäfte genehmigte die Versammlung sämtliche Traktanden einstimmig.
Informationen über die Veranstaltungen von Muri Energie Forum: www.murienergieforum.ch.

