«Das muss ich noch lernen»
17.04.2026 Muri, Politik, PorträtTotale Erfüllung
Laubachers Fazit nach gut 100 Tagen
Sie ist eine von drei Neuen im Gemeinderat von Muri. Und sie hat es gleich mit mehreren Grossprojekten zu tun. «Ja, es ist viel Arbeit», sagt Marlies Laubacher. Stress sei es aber nicht. ...
Totale Erfüllung
Laubachers Fazit nach gut 100 Tagen
Sie ist eine von drei Neuen im Gemeinderat von Muri. Und sie hat es gleich mit mehreren Grossprojekten zu tun. «Ja, es ist viel Arbeit», sagt Marlies Laubacher. Stress sei es aber nicht. Dafür mache es ihr umso mehr Spass. Der Fokus liegt vor allem auf der Entwicklung Zentrum Bahnhof, auf der Badi und auf der Zentralisierung der Verwaltung. --ake
Marlies Laubacher, Mitte, blickt auf schöne und intensive erste Monate als Gemeinderätin zurück
Der Blick auf das Dorf ist seit der Wahl ein anderer. Das sagt Marlies Laubacher unumwunden. Mit der Entwicklung Zentrum Bahnhof, dem Badi-Neubau, der Schulraumplanung und der Zentralisierung der Verwaltung ist ihr Ressort vollbepackt mit grossen und komplexen Projekten. «Erdrückend ist das nicht, sondern genau das reizt mich.»
Annemarie Keusch
Ihr Alltag hat sich verändert. «Ich bin mehr in Business-Kleidung unterwegs», sagt Marlies Laubacher und lacht. Und sie führt mehr Gespräche. Beim Einkaufen, beim Spaziergang durchs Dorf. «Ich versuche, wann immer möglich, zu Fuss unterwegs zu sein. Dann trifft man Leute an. Dann kommt man ins Gespräch.» Das hat aber auch zur Folge, dass ein Einkauf schnell länger dauert. «Manchmal fahre ich dafür nach Wohlen, wenn ich wirklich ungestört sein will.» Wieder lacht Marlies Laubacher. Das neue Amt als Gemeinderätin hat einiges verändert. Ihren Blick auf Muri zum Beispiel. «Ich achte mich viel mehr auf gewisse Dinge.» Etwa darauf, ob Schulkinder eine Strasse sicher queren können. Ob es gefährliche Stellen gibt. Wann und wo sich Fahrzeuge stauen.
Dabei gehört der Verkehr, die Mobilität, gar nicht in ihr Ressort. Aber Marlies Laubacher will beobachten, was im Dorf läuft. Sie will es von der Bevölkerung hören. Auch mal bei einem Restaurantbesuch, der eigentlich privat gewollt war. «Das stört mich nicht, weil es zu diesem Amt dazugehört.» Dass ein privates Essen deshalb aber das eine oder andere mal öfters ausserhalb von Muri stattfindet, ist ebenfalls eine Folge ihres neuen Amtes.
Ihr Jahrgang ist längst kein Thema mehr
Seit dreieinhalb Monaten ist Marlies Laubacher nun im Amt. Das erste Fazit? «Positiv. Sehr positiv.» Was ihr gefällt? «Eigentlich alles.» Auch wenn viele Grossprojekte jetzt oder in Zukunft ihr Ressort betreffen. «Ja, an Arbeit mangelt es mir nicht.» Aktuell sei es ein Pensum von 50 bis 60 Prozent. Dass dabei ihre Tätigkeit im eigenen Betrieb, der Haus und Raum AG, und vor allem auch das Privatleben zurückstecken muss, ist eine logische Tatsache. «Es ist viel Arbeit, aber kein Stress», sagt sie. Und das, obwohl Laubacher längst im Pensionsalter wäre. «Nichts machen, das könnte ich gar nicht.» Trotz Jahrgang 1955 denkt sie nicht daran, kürzerzutreten, sondern kandidierte für den Gemeinderat. «Ich komme aus einer Generation, für die die Arbeit ein sehr wichtiger Lebensinhalt ist. Die sich mitunter über die Arbeit identifiziert.»
Ihr Alter – es war ein Thema, als ihre Kandidatur einging. «Seither hat sich das erledigt. Auf dem Wahlzettel stand mein Jahrgang. Nun wissen alle Bescheid und der Fokus kann auf anderes gerichtet werden.» Dass sie sich vornimmt, zwei Amtsperioden mitzuwirken, daran hat sich in der Zwischenzeit nichts geändert. Und die Tatsache, dass sie wohl die Realisierung vieler jetzt präsenter Themen nicht mehr als Gemeinderätin miterlebt, hemmt sie ebenfalls nicht. «Im Gegenteil. Ich sehe mich als Teil einer Reihenfolge. Als Zahnrad.»
Kämpfen für die Bäume und für die Baukörper
Bei der Entwicklung Zentrum Bahnhof zum Beispiel. Ein Projekt mit langer, nicht immer einfacher Geschichte. «Genau das reizt mich.» Auch wenn es nicht immer einfach ist. Wenn etwa seitens des Kantons neue Projekte kommen, die die Planung tangieren. «Vor wenigen Wochen etwa ein Betriebsund Gestaltungskonzept für die Aarauerstrasse.» Mehr kann Laubacher dazu noch nicht sagen. «Wir versuchen trotzdem vorwärtszugehen», betont sie. Ab November soll die Mitwirkung starten, samt breiter Information. Ein erstes Projekt, wo Laubacher ihre Handschrift hinterlässt. Sie gibt Einblick: «Wie viele Baukörper sollen entstehen? Wie viele Bäume sollen bleiben. Ich kämpfe für beides. Für einen guten Kompromiss.» Dass Natur Atmosphäre schafft. Und dass eine hohe Ausnutzung wirtschaftlich etwas bringt. «Einige Entscheide stehen noch aus, etwa ob das Ammannhaus bleibt. Auch ich bin mir meiner Meinung diesbezüglich noch nicht sicher.»
Was Laubacher gerade rund um dieses Projekt betont: dass Kommunikation enorm wichtig ist. «Einige Leute aus der Bevölkerung nehmen einen Stillstand wahr. Wir müssen aktiver kommunizieren, um Verständnis für das Tempo zu gewinnen», ist sie überzeugt. Mit separaten Projekt-Homepages zum Beispiel. Das sei für die anstehenden Grossprojekte geplant. Aber Laubacher meint es auch ganz allgemein: «Viele wissen nicht, wie unglaublich viel Arbeit in der Abteilung Bau und Planung erledigt wird. Auch ich war davon überrascht.» Da liegt der innere Drang nahe, mitzuarbeiten, mitzuhelfen. Vor allem, weil Laubacher in Bauthemen vom Fach ist. «Das muss ich noch lernen», sagt sie und meint die strikte Trennung vom Operativen und dem Strategischen. Wie sie das tut? «Indem ich es mir immer wieder sage.»
Badi-Baugesuch soll im Sommer folgen
Die Entwicklung am Bahnhof ist dabei nicht das einzige Grossprojekt, das Marlies Laubacher betreut. Hinzu kommt beispielsweise die Badi. «Zwar in einem ganz anderem Stadium.» Der Kreditantrag und damit das Kostendach ist genehmigt, die Realisierung steht bevor. «Zuerst standen nun noch Planungs- und Konzeptarbeiten an», erzählt sie. Im Sommer soll dann das Baugesuch eingereicht werden. Ziel ist es, die Badi-Saison 2028 mit neu gebauter Infrastruktur in Angriff zu nehmen – samt neuem Parkplatzkonzept. Vielleicht sogar mit Parkplätzen, die mit PV-Anlagen überdacht sind, wie es an der «Gmeind» vorgeschlagen wurde. «Da bin ich dran.»
Ein weiteres Projekt ist die zentralisierte Verwaltung. «Da sind wir noch mehr am Anfang», sagt Marlies Laubacher. Es geht um Prozesse, die definiert werden müssen, um Abläufe. Aber auch um Abklärungen bezüglich Möglichkeiten für eine Zentralisierung im Kloster. «Diese Variante steht aktuell klar im Vordergrund», verrät Laubacher. Und sie sagt auch, dass sie eine Idee einbrachte, die die Kosten senken könne. «Mehr kann ich leider noch nicht verraten.»
Langweilig wird es Marlies Laubacher also ganz sicher nicht. Arbeitete sie vorher 70 Prozent in der Haus und Raum AG, sind es nun zusammen mit dem Gemeinderatsmandat 110 Prozent. «Ich mache alles gerne.» Die Aufgaben erfüllen sie. Wirklich alles? Sie schmunzelt. «Repräsentative Aufgaben sind nicht meine Lieblingsdisziplin, aber auch das gehört dazu.»


