Die «Seegurke Biberus» taucht ab
11.08.2026 Kelleramt, Kultur, JugendDer Jugendzirkus aus Arni nimmt mit in schillernde Unterwasserwelten
Der Jugend Circus Biber bietet seinem Publikum eine Vielfalt an Artistik und Ästhetik. Kernstück der Rahmenhandlung ist diesmal ein knallbunt-schillerndes U-Boot.
...Der Jugendzirkus aus Arni nimmt mit in schillernde Unterwasserwelten
Der Jugend Circus Biber bietet seinem Publikum eine Vielfalt an Artistik und Ästhetik. Kernstück der Rahmenhandlung ist diesmal ein knallbunt-schillerndes U-Boot.
Thomas Stöckli
Beim Finale lassen sie sich alle so richtig feiern, die 50 jungen Artistinnen und Artisten. Sie haben stolz gezeigt, was sie sich in den vergangenen Monaten mit Teamgeist, Mut und Durchhaltevermögen erarbeitet haben. Einen grossen Applaus darf auch die Biberband entgegennehmen, die den Klangteppich für eine tolle Show geliefert hat. Und selbst die Chrampfer in der Manege, die zwischen den Nummern im Höllentempo die Geräte bereitstellen und abräumen, werden beklatscht. Sie machen den Einsatz der Eltern sichtbar, die sonst hinter den Kulissen wirken. Beim Betreuen und Verpflegen etwa, oder beim Frisieren und Schminken. Bei 50 Kindern, von denen fast alle in zwei Nummern auftreten, will das gut koordiniert sein.
Immer wieder neue Elemente
Vom Gewusel, das drei Stunden zuvor im Artistenbereich hinter dem grossen Zirkuszelt herrschte, hat das Premierenpublikum nichts mitbekommen. Auf einem Stuhl in der Schminkwerkstatt verwandelte sich Vera in eine Meerjungfrau. Für sie wird es der erste Auftritt in der Manege. «Ich finde es megacool», sagt sie. Cool wirkt sie selbst auch: Von Nervosität ist kaum etwas zu spüren. Dazu dürfte auch die Routine von Dayanara Raida beitragen. Sie ist bereits seit sieben Jahren im Schmink-Team und strahlt entsprechend Ruhe aus. Die Frisur ist bereits gemacht. Die Spezialistinnen dafür sind gleich nebenan. Gegenüber befindet sich der Garderobenwagen.
Zum Showbeginn hat sich die Tribüne im Zelt gut gefüllt. Rund 230 Leute sind es insgesamt. «Für eine Premiere ist das sehr, sehr gut», ordnet Erik Schafhauser vom «Biber»-Team ein. Erfahrungsgemäss sind die folgenden Vorstellungen jeweils beliebter. Dann sind auch die Abläufe schon besser eingeschliffen. Schliesslich gilt es beim «Biber», jedes Jahr neue Artistinnen und Artisten zu integrieren. Dadurch und aufgrund der Philosophie, dass alle mitmachen dürfen, lassen sich die Schwierigkeiten nicht grenzenlos steigern. Stattdessen gelte es immer wieder neue, schöne Elemente zu entwickeln, beschreibt «Biber»-Präsidentin Tine Schafhauser die Herausforderung. Und das sei diesmal besonders gut gelungen, findet sie: «Wir haben durchwegs gute Nummern.»
Zwei Freunde auf Angelausflug
Traditionell führt eine Rahmenhandlung durch das Programm. Diesmal geht es um einen Angelausflug zweier Freunde. «Was für ein herrlicher Tag», freuen sie sich. Dabei bleibt es allerdings nicht: Ein Sturm zieht auf, und dabei sehen sie eine zauberhafte Gestalt. Das U-Boot «Seegurke Biberus» nimmt das Publikum anschliessend mit in faszinierende Unterwasserwelten. Einen Vorgeschmack darauf liefert die Manegendeko, mit Hai und Wal, Oktopus und Qualle, Seepferdchen und Meerjungfrau.
Artistik in schillernden Farben
Die erste Nummer bringt bereits ein artistisches Highlight: Die rotierende Leiter fordert äusserste Präzision. Anschliessend zeigen die Krabben auf der Slackline sowie die Clownfische und Anemonen auf dem Einrad ihr Können. Die Meerjungfrauen auf der Spirale führen erstmals so richtig in die Höhe. Mit dem Luftring sollte noch vor der Pause eine weitere Luftakrobatik-Nummer folgen. Dazwischen gab es in schillernden Farben Tanz und Diabolo zu bestaunen. «Dass die Diabolos seitlich reinlaufen, das hatten wir noch nie», weist Tine Schafhauser auf ein neues Element hin.
Humor und Livegesang
Mit Trampolin und Seilspringen, Bodenakrobatik und Kugellauf wird auch in der zweiten Programmhälfte Vielfalt geboten. Besonders herzig anzuschauen sind die kleinen Eisbären, die mit Stofffischen jonglieren. Quallen sind vielleicht nicht unbedingt das, was man auf einem Tauchgang prioritär zu sehen erhofft, die Tuchartistinnen nehmen das Thema allerdings mit einer majestätischen Ästhetik an. Schon die Kleinsten dürfen spektakuläre «Faller» zeigen. Und sie tun dies mit sichtlichem Stolz.
Den würdigen Abschluss steuern die Anglerfische bei, mit einem aufwendig choreografierten Poi-Lichtspektakel. Überhaupt sind es das Licht und die schrillen Farben, die dem aktuellen «Biber»-Programm den Stempel aufdrücken. Allen voran das aufwenig hergestellte U-Boot, das sich bei Schwarzlicht-Beleuchtung in Neon-Farben von der Tiefsee abhebt. «Zu sehen, wie die Leute aufs U-Boot reagieren, war cool», so Tine Schafhauser. Weiter unterhielt die Rahmenhandlung mit viel Humor und einmal mehr auch mit Livegesang.
Erster Berührungspunkt
Die zweite Saison mit dem neuen Zirkuszelt dürfte die letzte mit der bestehenden Tribüne sein. Eine neue, steilere ist vorgesehen. Davon erhofft sich die Zirkusleitung einerseits eine bessere Sicht auf die Manege, andererseits auch ein stimmungsvolleres Gemeinschaftserlebnis. An der Tradition, dass die Kleinsten ganz vorne am Manegenrand sitzen dürfen, soll das nichts ändern. Nur schon wegen dem Abklatschen mit den Artisten, das sich als sympathisches Element des Finales etabliert hat. Für manche Kinder ist dies der erste Berührungspunkt mit dem Zirkus – und vielleicht der Auftakt einer eigenen Laufbahn beim «Biber».





