Drei Tage voller Aha-Momente
02.06.2026 Region Oberfreiamt, NaturBienenzüchterverein Muri und Umgebung blickt auf erfolgreiche Bienentage in Mühlau zurück
Viele interessierte Besucherinnen und Besucher. Strahlendes Wetter. Ein vielfältiges Programm. Und ein zufriedener Präsident. Der Bienenzüchterverein ...
Bienenzüchterverein Muri und Umgebung blickt auf erfolgreiche Bienentage in Mühlau zurück
Viele interessierte Besucherinnen und Besucher. Strahlendes Wetter. Ein vielfältiges Programm. Und ein zufriedener Präsident. Der Bienenzüchterverein Muri und Umgebung wagte für die Freiämter Bienentage ein neues Konzept und wurde vollumfänglich belohnt.
Annemarie Keusch
Eigentlich wäre Wachs weiss. In ganz vielen Augen regt sich Erstaunen. «Wirklich?», fragt eine Besucherin fast ungläubig. Momente wie diesen gibt es an den Freiämter Bienentagen nicht selten. Es sind die Mitglieder des organisierenden Bienenzüchtervereins Muri und Umgebung, die für diese Momente sorgen. Rund hundert von ihnen sind übers Wochenende hinweg im Einsatz – nicht wenige an zwei, gar an drei Tagen. «Es braucht den ganzen Verein, um so etwas zu stemmen», sagt Präsident Bruno Heggli. Die Freiämter Bienentage sind per se kein neuer Anlass. «Aber wir wagten ein neues Konzept.» Mit Jass am Freitagabend und mit Abendunterhaltung am Samstagabend. «Beides kam gut an», fasst es Bruno Heggli zusammen. Gegen 50 Personen jassten am Freitag, der Alphornverein Auw, die Kindertanz- und Tanzgruppe Merenschwand und die Wurlitzer Sins sorgten am Samstag für Unterhaltung. «Die Kinder nahmen sogar ihre Badekleidung mit. Nach dem Auftritt bei doch sehr warmen Temperaturen sprangen sie in unseren Pool.»
Dennoch, im Zentrum standen über das ganze Wochenende die Bienen. Auf rund 800 Leute schätzt Heggli den Besucheraufmarsch. «Dabei zeigten viele grosses Interesse. Das hat uns natürlich sehr gefreut und bestätigt uns, dass der Austausch wichtig ist.» Dazu gehört nicht nur der Austausch über die Imkerei, sondern auch alles drum herum. Wildbienen, Fauna und so weiter.
Fliegen bis zu viermal um die Erde
Und natürlich das Vermitteln von spannenden Fakten. Die Tatsache etwa, dass Bienen für ein Kilogramm Honig ungefähr 15 Millionen Blüten besuchen und dafür etwa 160 000 Kilometer zurücklegen – also bis zu viermal um die Erde fliegen. Oder dass die männlichen Bienen aus unbefruchteten Eiern entstehen und nicht stechen können. Oder dass eine Bienenkönigin zwischen April und Juni täglich bis zu 1500 Eier legen kann – diese Menge entspricht ihrem Eigengewicht. Oder dass die Honigbienen die wichtigsten Bestäuber der Obst- und Beerenkulturen sind. Oder dass Bienen beim Stechen eines Menschen den Stachel verlieren und danach sterben.
Natürlich gaben die Imker auch Einblick in ihr Handwerk. In den Schwarmfang beispielsweise. Bis zu 40 000 Tiere kann ein Bienenvolk umfassen. Was die Imker dabei betonen: «Es ist wichtig, ruhig vorzugehen. Die Emotionen übertragen sich stark auf die Bienen.» Den Vereinsmitgliedern sei es wichtig, möglichst naturnah zu imkern. «Ganz geht das aber nicht», sagt ein Imker. Mit ein Grund liegt bei der Varroamilbe, die Bienen aussaugt und ganze Völker zerstören kann. Diese pflanzen sich in verdeckelten Waben fort. «Auch darum sind neue Völker jeweils ein paar Tage in Kisten eingesperrt. Ein weiterer Vorteil davon ist, dass sich die Tiere aneinander gewöhnen können.»
Fokus auf Wachsqualität
Zudem erfuhren die vielen grossen und kleinen Besucherinnen und Besucher Spannendes über Wachs. Dass dieser eigentlich weiss wäre, beispielsweise. «Gelblich wird er wegen der Pollen und wegen der Propolis, einem harzigen Naturprodukt, das von Honigbienen aus Baumknospen, Pflanzenharzen und eigenem Sekret hergestellt wird. Aus dem weissen Wachs fertigen manche Imker beispielsweise Kosmetikprodukte an. Überhaupt werde in der Schweiz ein grosser Fokus auf die Wachsqualität gelegt. «Wir sind das einzige Land, das diese überwacht.» Das habe eine hohe Lebensqualität der Bienen zur Folge und ergo auch von deren Honig. «Entsprechen legen wir Wert darauf, keinen Wachs zu importieren, auch wenn dies oft mit höheren Kosten verbunden ist.»
Einer von vielen weiteren Bereichen des Imkerns ist die Königinnenzucht. Auch darüber erfuhren die Interessierten allerlei. Etwa, dass diese aus den jüngsten Maden gezogen werden. Und dass die Arbeiterinnen merken, dass sie diese anders füttern müssen. Mit sogenanntem Gelée Royale, einem Drüsenprodukt der Arbeiterinnen. «Das merken sie anhand der Position der Maden», erklärt der Experte. Per menschlichem Einfluss des Imkers werden diese positioniert. Und stetig überwacht. «Denn es herrscht das Recht der Erstgeborenen. Die erste geschlüpfte Königin will die anderen umbringen.» Die Befruchtung der Königinnen erfolgt übrigens in möglichst abgelegenen Seitentälern, etwa in der Region S-charl. «Dort kommen dann ganz viele Drohnen zu ihrem Sammelplatz. Die Befruchtung findet dabei in der Luft statt», erklärt der Imker.
Rundum zufriedener Präsident
Drei Tage im Zeichen der Biene. «Wir sind rundum zufrieden», fasst es Bruno Heggli, Präsident des Bienenzüchtervereins Muri und Umgebung, zusammen. Der Lehrbienenstand in Mühlau wurde zum Treffpunkt von Naturinteressierten, Imkern, Neugierigen. Ruhig war es auf dem Festgelände kaum. «Es ist schön zu wissen, dass sich so viele Leute um die Bienen und um die Natur scheren», sagt Bruno Heggli. Wissen haben sie ganz sicher mehr als vor dem Besuch.




