Ein origineller Streich mit Niveau
27.03.2026 Villmergen, Region Unterfreiamt, Schule, Musik, TheaterMusical «Revolte» der Mittelstufe des Schulhauses Mühlematten
Alle zwei Jahre führt die 6. Klasse im Schulhaus Mühlematten ein Musical oder Theater auf. Mit «Revolte» zeigen die Jugendlichen, dass sie das Gegenteil von dumm sind. Ein ...
Musical «Revolte» der Mittelstufe des Schulhauses Mühlematten
Alle zwei Jahre führt die 6. Klasse im Schulhaus Mühlematten ein Musical oder Theater auf. Mit «Revolte» zeigen die Jugendlichen, dass sie das Gegenteil von dumm sind. Ein Streich, der auf eine humorvolle Art aufzeigen soll, dass Lernen auch anders geht.
Monica Rast
Es herrscht helle Aufregung. Zwei Jungs stellen gerade ihre Scheinwerfer ein. «Grüezi sind Sie vom SRF?», werden sie spasseshalber gefragt. Etwas irritiert verneinen sie, schmunzeln und richten die Lichter auf die Bühne. Denn jetzt heisst es warten. Nach und nach kommen die Klassen aus ihren Schulzimmern und setzten sich im Foyer vor der Bühne auf den Boden. Hinten die älteren Schüler, vorne die jüngeren. So haben alle eine gute Sicht auf das Musical der Klasse 6b. Es ist unsagbar laut und die Stimmen von Schülern aus sieben Klassen hallen nur so von den Wänden. Zum Glück läuft der Film an der Wand ohne Ton. Man würde sowieso kein Wort verstehen.
Plötzlich ist der Film weg und die Hölle bricht los. Lautes Klatschen, Pfeifen, Jubeln im höheren Dezibelparameter ertönt. Es braucht einiges, bis sich alle wieder beruhigt haben. «Es darf noch etwas leiser werden», meint Monique Geissmann. Sie hat mit ihrer Klasse das Musical «Revolte» einstudiert. «Wir sind sehr viele im Foyer, was uns freut. Doch wenn ihr uns verstehen wollt, müsst ihr leise sein. Wir haben keine Mikrofone.» Und das letzte Geflüster verstummt.
So kann es nicht weitergehen
«Schule, immer wieder Schule», singen die rund 20 Schülerinnen und Schüler zur Eröffnung. Dann Szenenwechsel: Die Lehrerin begutachtet die Hausaufgaben. Man merkt schnell, dass ihre Erwartungen hoch angesetzt sind. Unterschrift vergessen – nach Hause gehen und unterschreiben lassen. Aufgaben vergessen – nachsitzen. Unleserliche Schrift – nochmals schreiben. Es herrscht ein eisiger Ton im Klassenzimmer.
In der Pause beklagen sich die Schüler über ihre Lehrerin und finden sie ungerecht und viel zu streng. Da kommt ihnen eine zündende Idee. «Wir steigen aus der Schule aus.» Doch damit das klappt, muss das ganze Schulhaus mitmachen. Von der 1. bis zur 6. Klasse. Gesagt, getan und die restlichen Schüler werden über den Plan informiert. «Jeden Tag Noten, jeden Tag Tests. Das ist nun vorbei.» Nach der harschen Kritik der Lehrerin am Vortag sind die Hausaufgaben zu ihrer Zufriedenheit erledigt. Glücklich über ihren Erfolg lässt sie die Klasse vorlesen. Doch was ist passiert. Gute Schüler stolpern über den Text. In der Mathematik dasselbe. Die Schüler haben alles vergessen.
«Alles verlernt und vergessen. Wir sind von der Dummheit besessen», singt die Schülerschar, «der Kopf ist leer, das Denken fällt schwer.»
Im Lehrerzimmer ist das Benehmen der Schüler Thema Nummer eins. «Die haben einen Virus auf der Festplatte.
Sie haben alles falsch gemacht. Nicht einmal mehr singen können sie», erklärt ein Lehrer. «Bei mir wollten sie in den Strümpfen in die Pause gehen», erzählt ein anderer. Und man fragt sich: «Warum sind plötzlich alle Schüler dumm. Was ist passiert? Das kann kein Streich sein, wenn es die ganze Schule befallen hat.» Man beschloss, sich Hilfe zu holen.
Erneuter Szenenwechsel und ein Vortrag über Wale. «Wale sind Insekten und legen Eier», erklären zwei Schülerinnen voller Überzeugung und keiner widerspricht ihnen.
Die Lehrerin versteht die Welt nicht mehr und kündigt den Besuch eines Arztes und eines Psychologen an.
Das Schicksal hat Lehrer und Schüler zusammengeführt
Das macht die Klasse stutzig und man ist sich einig, wieder «normal» aufzutreten. Und plötzlich ist auch der Vortrag wieder richtig. Das Kopfrechnen läuft wie am Schnürchen und auch das Lesen ist wieder flüssig. Die Lehrerin schüttelt den Kopf: «Vorher ein Irrenhaus und plötzlich ist das Wissen wieder da.» Um alles aufzudecken, lässt ihre Schulklasse einen Brief da, in dem alles erklärt wird.
Ein wenig reumütig muss die Lehrerin zugeben, dass sie teilweise zu streng mit ihren Schülern war. Die Lehrpersonen sind sich einig – ein origineller Streich mit einem gewissen Niveau. Zum Schluss finden die Lehrerschaft und die Schüler eine gemeinsame Lösung: Schliesslich hat sie das Schicksal zusammengeführt.
«So haben wir im Schulhaus den Rank wieder gefunden», erklärt Monique Geissmann zum Abschluss des Stücks.
Positive Resonanz aus der Schülerschaft
Seit Januar sind die Schüler im Deutsch- und Musikunterricht das Musical am Proben. Übten die Schauspielerei – wie man in eine Rolle reinschlüpft, wie man auftritt und was man mit der Mimik alles aussagen kann.
Das Musical kommt bei den Schülerinnen und Schülern sehr gut an und Geissmann hat schon immer gerne mit ihrer Klasse Stücke einstudiert. «Es motiviert die Jugendlichen viel mehr, wenn sie in eine Rolle schlüpfen können und mit einem Applaus belohnt werden.»
Die Schüler engagieren sich nicht nur auf der Bühne. So gab es Änderungsvorschläge beim Text und Rollen wurden angepasst. Auch die Flyer und Werbeplakate wurden von ihnen gestaltet. Mit grossem Einsatz wurde ein Stück auf die Bühne gebracht, welches den Alltag von Schülern beschreibt. Und wenn man sieht, wie sie sich voller Stolz am Ende verneigen, weiss man: Diese Schüler sind definitiv nicht dumm. Sondern clever.



