Fachkräfte von morgen fördern
07.07.2023 Region Oberfreiamt, Boswil, Bünzen, MerenschwandFreiämter Ausbildungsbetriebe erhalten «TOP»-Zertifizierung
Gleich drei Unternehmen der Region werden für ihre Bemühungen für Lernende zertifiziert: Die Berger Gartenbau AG in Boswil, die Heggli Gartenbau GmbH in Merenschwand und die Huber ...
Freiämter Ausbildungsbetriebe erhalten «TOP»-Zertifizierung
Gleich drei Unternehmen der Region werden für ihre Bemühungen für Lernende zertifiziert: Die Berger Gartenbau AG in Boswil, die Heggli Gartenbau GmbH in Merenschwand und die Huber Gärtnerei in Waldhäusern investieren allesamt in die Zukunft des Berufs.
Celeste Blanc
Lernende in ihrer Ausbildung zu unterstützen, kann herausfordernd sein. Vor allem heute, mit den Veränderungen im Schulbetrieb. Dieses ist zunehmend auf autonomes Arbeiten ausgerichtet und wendet sich vom Frontalunterricht ab. Der Schritt ins Berufsleben ist damit kein leichter. «Auch Lehrbetriebe müssen mit der Zeit mitgehen», erklärt Peter Huber, Inhaber und Geschäftsführer der Huber Gärtnerei in Walhäusern. Mit dem Zertifikat «Top-Ausbildungsbetrieb» werden Unternehmen animiert, sich hinsichtlich dieser Entwicklung zu schulen.
Bisher einmaliges System in der Schweiz
Bei der Stiftung TOP-Ausbildungsbetrieb (TAB) handelt es sich um ein nationales Unterstützungs- und Auszeichnungssystem, das zur Attraktivität der gewerblichen Berufe beitragen soll. Dabei unterstützt TAB die Betriebe aus sämtlichen Branchen, ihre Ausbildungsqualität zu erhöhen. Sind die Voraussetzungen erfüllt, werden die Unternehmen mit dem Label ausgezeichnet, die bezeugen, dass man sich besonders intensiv bei der Ausbildung von jungen Menschen engagiert. Von anderen Labels hebt sich die Stiftung TOP-Ausbildungsbetrieb insofern ab, als dass sie nicht nur die Qualität beurteilt, sondern auch im Vorfeld bei der Entwicklung mithilft. Ein bisher in der Schweiz einmaliges System, das 2017 durch Alt-Bundesrat Johann Schneider-Ammann lanciert wurde und das mittlerweile vom Eidgenössischen Hochschulinstitut für Berufsbildung empfohlen wird. Den Schritt sind in der Region gleich drei Unternehmen gegangen. So wurde das Zertifikat «TOP-Ausbildungsbetriebe» neben der Huber Gärtnerei auch dem Gartenbauunternehmen Heggli in Merenschwand und der Berger Gartenbau AG in Boswil überreicht. Als erste Betriebe der «grünen Branche» im Freiamt wurden sie in den letzten Wochen ausgezeichnet.
Generation Z abholen
Seit gut drei Jahren fördert der «Jardin Suisse»-Verband das Projekt der Zertifizierung, die seit Längerem vor allem im Carrosserie-Verband weitverbreitet ist. Als Mitglied des Zentralvorstandes weiss Peter Huber, wie wichtig es ist, die «GenerationZ» abzuholen. Eine gute Sache, findet der Experte. «Sie sind unsere Berufskollegen und Berufskolleginnen von morgen. Und auch wir in unseren Betrieben tragen dazu bei, Fachkräfte von morgen auszubilden und mit ihnen gute Arbeitnehmerinnen und -nehmer für die Zukunft sicherzustellen.» Wichtig ist, die Freude am Beruf zu vermitteln. Auch gerade weil sich die Gesellschaft zunehmend akademisiere, sei es umso wichtiger, auch die Berufsausbildung attraktiv zu halten. «Denn auch das Handwerk braucht künftig schlaue Köpfe», so Peter Huber. Auch Beat Keusch vom Berger Gartenbau in Boswil sieht in der Zertifizierung eine Chance für die Zukunft und so «den Betrieb zeitgerechter» auszurichten. «Für die Lernenden ergibt sich damit die Chance, selber einen Weg zu finden, eine Aufgabe zu lösen, ohne dass ihnen alles vorgezeigt wird», so Keusch. Auch positiv an der Weise, wie die Zertifizierung funktioniert, findet er die Ausrichtung. Denn nicht der ganze Betrieb, sondern einzelne Personen erhalten das Zertifikat. «So sollen auch jene animiert werden, die nicht vorwiegend der Bürotätigkeit nachgehen, sondern an ‹vorderster Front› arbeiten und wissen, wie es im Berufsalltag zu und her geht. Und die mit den Lernenden zusammenarbeiten»
Nur Vorteile für den Betrieb
Für Carole Fischer Heggli von der Heggli Gartenbau GmbH in Merenschwand bedeutet der Zertifizierungsprozess, dass man vor allem strukturell die Lehrausbildung innerhalb des Betriebs verbessert und festigt. Und schon immer habe man auf die Ausbildung gesetzt: Seit der Gründung im Jahr 2000 wurden bisher 23 Lernende ins Berufsleben geführt. Und nicht nur Fachkräfte werden ausgebildet. Auch würde man als Gegenwert eine «Bereicherung durch den Generationen-Mix im Team» erfahren. Carole Fischer ist stolz. Doch es geht nicht nur um die Berufsausbildung an sich – auch möchte man als Lehrbetrieb gut auf die persönlichen Entwicklungen der jungen Erwachsenen vorbereitet sein. «Die Pubertät, die Sorgen und die extreme Gefühlswelt machen vor dem Berufsalltag nicht halt. Es ist auch eine Chance zu lernen, wie man Lernende auf persönlicher Ebene besser abholen kann.» Für sie bedeute das Zertifikat, dass man auch in Zukunft auf dem richtigen Weg sei. «Damit haben wir in unserer Firma einen Meilenstein erreicht.»

