Fünf Streifen mit Vollgas
22.05.2026 Muri, GewerbeRoberto Martullo referierte in Muri über seine Firma, die Künzli SwissSchuh AG
Er ist Unternehmer, Schwiegersohn von Christoph Blocher und spätestens seit Herbst 2024 schweizweit bekannt: Dann rettete Roberto Martullo die Künzli SwissSchuh AG vor der ...
Roberto Martullo referierte in Muri über seine Firma, die Künzli SwissSchuh AG
Er ist Unternehmer, Schwiegersohn von Christoph Blocher und spätestens seit Herbst 2024 schweizweit bekannt: Dann rettete Roberto Martullo die Künzli SwissSchuh AG vor der Schliessung. Seither ist die Firma stark gewachsen. Davon erzählte der in Wohlen aufgewachsene Martullo in Muri.
Annemarie Keusch
Streifen auf Sportschuhen und Sneakers – das verbinden ganz viele mit Adidas. «Ich höre oft, dass wir das Logo abgekupfert hätten, aber es war umgekehrt», sagt Roberto Martullo. Künzli Schuhe gab es schon rund neun Jahre vor Adidas. Die fünf Streifen sind seither das Markenzeichen der Schweizer Firma. «Anfangs fertigte diese Skischuhe an, später Schlittschuhe und bald darauf erste Fussballschuhe», erzählt Martullo aus der Geschichte. Und er weiss, dass die Streifen anfänglich nicht nur ästhetisch, sondern auch funktional waren. «Die Sohlen der ersten Fussballschuhe waren derart schwer, dass sie mittels des einen Meter langen Schuhbändels um den Fuss gebunden werden mussten. Sonst wären sie ab den Schuhen gefallen.»
Die Künzli SwissSchuh AG wurde 1927 gegründet und hat sich seither primär auf den Schweizer Markt fokussiert. «Herr Künzli war ein begnadeter Tüftler, aber den Blick ins Ausland hatte er nie.» Andere, heute grosse Schuhhersteller, gingen einen anderen Weg. Stattdessen hat die Firma das Patent für ihre Schuhe nur in der Schweiz. «Es gibt tatsächlich einen zweiten Schuh mit fünf Streifen», weiss darum Roberto Martullo. Einst fragten Begeisterte den Gründer, ob sie seine Schuhe in den USA verkaufen dürfen. Er sagte zu, später wurde daraus die Firma K-Swiss. «Mittlerweile ist diese nach China verkauft. Uns gibt es hingegen noch.»
40 neue Modelle lanciert
Diese Tatsache indes ist eng mit Roberto Martullos Namen verbunden. Der Schweizer Traditionsmarke mit Sitz in Windisch drohte wegen fehlender Nachfolgelösung das Aus. Im Herbst 2024 wars, als dies an die Öffentlichkeit geriet. «Das kann nicht sein. Nicht die Firma meiner ersten Sportschuhe», sagte sich damals Martullo. Wie ihm geht es vielen. Erinnerungen an Künzli-Schuhe haben auch im Kreis der FDP Muri und Umgebung viele. Martullo fuhr nach Windisch, schaute sich die Firma an – «mit geschlossenen Augen, sonst hätte ich sie nicht gekauft.» Ab Januar 2025 startete er offiziell.
Während vorher die in Albanien hergestellten orthopädischen Schuhe den Grossteil des Umsatzes ausmachten, waren die Freizeitschuhe eher im Hintergrund. «Eher Vintage», beschreibt Roberto Martullo diese. Einmal rutscht ihm auch das Wort altmodisch raus. «Die Sneaker zu pushen, das war meine Vision.» Und das hat der Unternehmer mit Vehemenz getan. «Neue Modelle, neue Homepage, Läden», so formulierte er sein Ziel. Und nach eineinhalb Jahren hat er das erreicht. Die ersten neuen Schuhe kamen schon nach drei Monaten auf den Markt. «Dabei sagte man mir im Voraus, dass das 16 Monate dauere.» Er suchte neue Lieferanten, wurde in Portugal fündig. 40 neue Modelle kamen seither auf den Markt. Das Alter der Käuferschaft hat sich reduziert und mittlerweile kaufen Frauen genauso Künzli-Schuhe wie Männer.
Laden in Zürich – jener in Bern folgt
Ganz viele neue Modelle sind das eine. Aber diese müssen auch an die Kundschaft gebracht werden. «Ein Laden muss her», sagt sich Martullo. Im Mai 2025 bezog die Firma einen kleinen Laden in Zürich. «Ich war der 120., der anfragte», erinnert sich der Unternehmer. Von Schweizer Unternehmer zu Schweizer Unternehmer schaffte er es aber, einen Spezialdeal auszuhandeln – samt 20 Jahren Verpflichtung. Ein weiterer Laden in Bern wird folgen. Hinzu kommt der Fabrikladen, mittlerweile in Brugg. Vor zwei Monaten hat die Firma ein neues, grösseres Fabrikgelände bezogen. «Innerhalb von einer Woche lief das Zügeln ab», sagt Roberto Martullo stolz. Als er dieses Ziel vorher verkündete, erntete er nur Skepsis. Seine Lehre im Nachhinein: «Die Leute brauchen ein klares Ziel und wenn sie eine Zeitvorgabe erhalten, dann erreichen sie diese auch.» Verantwortung übertragen, das sei ihm allgemein wichtig. Nach eineinhalb Jahren stellt Roberto Martullo fest: «Einige sind dabei aufgeblüht, andere verloren sich.»
Am Ende seiner Ziele ist der Unternehmer, der in Wohlen aufwuchs, trotz steilem Einstieg noch nicht. Als neustes Projekt fertigt die Firma Taschen an – Weekender und Damenhandtaschen. Auch im Bereich der Schuhe will man weitergehen. Zu den orthopädischen Schuhen, Sportschuhen (Fussball, Schwingen, Golf) und Sneakers sollen bald auch Stiefeletten und wintertaugliche Modelle dazukommen. «Wir werden dabei der Marke und der Geschichte dieser Firma Sorge tragen», verspricht er.

