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02.06.2026 Muri, NaturDie Ortsbürgergemeindeversammlung fand im Freien statt – zu reden gab der Festwein fürs Klosterjubiläum
Die Traktandenliste liess einen ruhigen Abend erwarten. Dass es dann hinter dem Forsthaus Tannenlaube doch emotional wurde, lag an der ...
Die Ortsbürgergemeindeversammlung fand im Freien statt – zu reden gab der Festwein fürs Klosterjubiläum
Die Traktandenliste liess einen ruhigen Abend erwarten. Dass es dann hinter dem Forsthaus Tannenlaube doch emotional wurde, lag an der Nichtberücksichtigung des Ortsbürgerweins als Festwein für die Klosterjubiläumsfeier. Immerhin kam es da noch zum Kompromiss.
Thomas Stöckli
Die Bürgergemeinden sollen ihre Leistungen sichtbar machen, den Mut haben, sich neu auszurichten und andere Nischen für ihr gutes Tun finden. In seiner Begrüssung orientierte sich Gemeindepräsident Hans-Peter Budmiger an der Botschaft von Bundesrätin Karin Keller-Sutter zum 75-jährigen Bestehen des Schweizer Verbands der Bürgergemeinden und Kooperationen, die auf der Homepage der Ortsbürger Muri nachzulesen ist. «Wenn ihnen das gelingt, dann werden sie auch in Zukunft gefragt sein», zitiert er die Magistratin weiter.
«Sich weiterentwickeln, ohne die Traditionen zu vergessen, das ist nicht selbstverständlich», hielt Budmiger fest. Das fange im Kleinen an, etwa, dass man den Aufwand nicht scheue, die Versammlung nach draussen zu verlegen. Er sei sicher, dass die Ortsbürgergemeinde auf dem richtigen Weg sei. Den Fakt, dass erneut Gesuche um Einbürgerung eingegangen sind, sieht er als Beweis, dass es nach wie vor gelinge, für die Sache der Ortsbürger zu begeistern.
Premiere und beliebter Rosé
Durch die Versammlung führte erstmals Herbert Meier, der den Gemeinderat neu in der Ortsbürgerkommission vertritt. Er durfte ein finanzielles Plus von 113 000 Franken verkünden. Budgetiert war allerdings ein Gewinn von 248 000 Franken. Während es in der Forstwirtschaft dank effizienter Arbeit, höherem Hiebsatz und steigenden Holzpreisen besser lief, mussten bei den Mieteinnahmen Abstriche gemacht werden.
Hanspeter Frey, Präsident der Ortsbürgerkommission, liess in seinem Rechenschaftsbericht das vergangene Jahr Revue passieren, von der Waldputzete bis hin zum Maimarkt, an dem sich der neue Roséwein bewährte: «Innert zweieinhalb Stunden waren die 200 Halbliterflaschen verkauft. Das hat die Ortsbürgerkommission bestärkt, den Rosé ins Sortiment aufzunehmen.» Natürlich war auch der Abschied von Josef Stierli als Ortsbürgergutsverwalter noch einmal Thema – sowie seine Ernennung zum ersten Ehren-Ortsbürger überhaupt. Und die Ausarbeitung des Skulpturenwegs, den die Ortsbürgergemeinde zum Klosterjubiläum beisteuert. Für die Informationen dazu darf Planer Linus Staubli bezüglich Kloster auf die Expertise von Martin Allemann, Geschäftsführer der Stiftung Geschichte Kloster Muri, und Peter Hochuli, Präsident des Vereins Freunde der Klosterkirche Muri, zählen. Den Link zum Weinbau stellt Hanspeter Frey her, jenen zum Wald der Alt-Kreisförster Erwin Jansen.
Platz für öffentliche Aktivitäten
Die spannendsten Themen kommen oft unter «Verschiedenes», das war auch diesmal nicht anders. Hanspeter Frey orientierte über die Abklärungen bezüglich künftiger Nutzung des Chäsiplatzes, wie dies an der letzten «Gmeind» gefordert worden war. Man habe den Fächer sogar noch etwas weiter geöffnet, so Frey, und die grundsätzliche Arealplaung und Parkplatzsituation im Dorf mit unter die Lupe genommen, gemeinsam mit der Einwohnergemeinde, der Pflegi und den Inputgebern. So brauche die Pflegi mittel- bis langfristig zusätzlichen Platz. Es sei allerdings nicht in der Absicht der Ortsbürgerkommission, das kulturelle Zentrum ums Kloster zur «Geriatriemeile» werden zu lassen. Vielmehr wolle man den Platz der Öffentlichkeit weiterhin für Aktivitäten zur Verfügung stellen, seien es Märkte, «Usestuehlete» oder die Fasnacht. So sei in den nächsten fünf bis acht Jahren sicher keine Überbauung Thema, danach allenfalls im oberen Teil.
Zoff um den Festwein
Mehr als die anstehenden nächsten Investitionen des Forstbetriebs ab 2028 und die Lecks im Aspi-Weiher, wo nun ein Abrutschen des Hangs droht – «dazu hoffe ich in einem halben Jahr mehr erzählen zu können», so Frey – bewegte an der Versammlung allerdings die Rolle des Ortsbürgerweins am Klosterjubiläum.
Klar ist: Zum offiziellen Festwein hat das Jubiläums-OK einen anderen Tropfen erkoren, nämlich jenen vom Weingut Klosterhof in Aesch, der durch jahrhundertealte Beziehungen mit dem Kloster Muri verbunden sei. Die Ortsbürgergemeinde hätte demnach komplett in die Röhre geblickt. Ein erstes «Versöhnungsangebot» habe dann vorgesehen, dass man für das Fest im August Halbliterflaschen liefern dürfe. Die hätten die Aescher nämlich nicht im Angebot. Kein zufriedenstellender Kompromiss für die Ortsbürgerkommission. Nach erneutem Nachhaken darf sie ihren Wein nun ans Fest liefern, und zwar auch den «Siebendezi». Nach einem schwierigen Start habe man so eine Lösung gefunden, die alle einbindet, bestätigt Hans-Peter Budmiger.
Die Beschlüsse
Von 385 Stimmberechtigten haben 64 an der Ortsbürgergemeindeversammlung teilgenommen. Das definitive Beschlussquorum von 75 wurde somit verpasst. Die Versammlung hat sämtliche traktandierten Geschäfte grossmehrheitlich gutgeheissen, nämlich das Protokoll, die Jahresrechnung, den Rechenschaftsbericht sowie die Einbürgerungen von Pius Koch und Simone von Felten.

