«Libelle» erhält keine Flugfreigabe
10.03.2026 Kelleramt, Oberlunkhofen, AbstimmungenOberlunkhofen erteilt dem Projekt Mehrzweckhalle auch an der Urne eine deutliche Abfuhr – die Planung beginnt von vorne
Das Volk hat gesprochen. Und das deutlich: 71 Prozent der Urnengänger in Oberlunkhofen haben das Referendum abgelehnt. Damit beginnt die ...
Oberlunkhofen erteilt dem Projekt Mehrzweckhalle auch an der Urne eine deutliche Abfuhr – die Planung beginnt von vorne
Das Volk hat gesprochen. Und das deutlich: 71 Prozent der Urnengänger in Oberlunkhofen haben das Referendum abgelehnt. Damit beginnt die Planung eines neuen Mehrzweckgebäudes mit Doppelturnhalle wieder von vorne.
Thomas Stöckli
«Gefrustet sind wir nicht», sagt Yvonne Kaufmann. «Doch, schon etwas», widersprechen Erich Rey und Andrea Gassmann, die beiden anderen anwesenden Mitglieder der Kerngruppe, die hinter dem nun abgelehnten Referendum stand. Man einigt sich schliesslich auf «enttäuscht», um die aktuelle Gefühlslage zum Ausdruck zu bringen.
Deutliches Resultat schafft Klarheit
«So klar hätte ich das Resultat nicht erwartet», gibt Andrea Gassmann unumwunden zu. 270 Oberlunkhoferinnen und Oberlunkhofer hatten das Referendumsbegehren unterzeichnet. An der Urne stimmten dem Anliegen nur unwesentlich mehr Stimmberechtigte zu, nämlich deren 312. Dagegen stimmten 773, was einer Mehrheit von über 70 Prozent entspricht. «Wir wussten, dass es schwer wird gegen den Gemeinderat und das Nein-Komitee», ordnet Yvonne Kaufmann ein. «Wir sind aber trotzdem stolz», halten die Mitglieder der Referendums-Kerngruppe unisono fest. «Wir haben uns für die richtige Sache eingesetzt», so Andrea Gassmann. «Und zumindest konnten wir die Gegner aus der Reserve locken», fügt Yvonne Kaufmann an. Am klaren Bekenntnis zur Doppelhalle mit dem gleichen Raumprogramm werden sich diese nun messen lassen müssen.
«Das Volk will haushälterisch umgehen mit dem Geld», interpretiert Gemeindeammann Alain Maître das Resultat, das er in dieser Deutlichkeit selbst nicht erwartet hätte. Und doch sei es die logische Fortsetzung nachdem schon das Steuerfuss-Referendum deutlich angenommen worden war. Mit dem jüngsten Urnengang ist auch die Ungewissheit aus der Welt geschafft, inwiefern das damalige Resultat das Projekt «Libelle» tangierte.
Emotional geführter Abstimmungskampf
Die sehr hohe Stimmbeteiligung von über 70 Prozent macht deutlich: Das Thema hat in Oberlunkhofen kaum jemanden kalt gelassen. Von beiden Seiten wurden fleissig Flugblätter gestreut und Leserbriefe verfasst. «Die Gegner haben den Zeitpunkt für ihr Flugblatt besser gewählt», sucht Erich Rey nach einer Erklärung für das deutliche Verdikt.
Verdaut ist die Niederlage noch nicht. Zu tief sitzt die Enttäuschung, auch über falsche Zahlen, die im Vorfeld der Abstimmung zirkulierten. «Ein besseres Projekt werden wir nicht kriegen», ist man sich am Abstimmungsapéro einig, zu dem das Referendumskomitee rund ein Dutzend seiner tatkräftigsten Unterstützerinnen und Unterstützer eingeladen hat. «Wir hatten das schon im Januar abgemacht», so Gastgeberin Yvonne Kaufmann.
Im Konsens zu einem funktionalen Bau
Nach dem Nein an der Urne ist klar, dass die «Libelle», wie das Siegerprojekt aus dem Architekturwettbewerb heisst, nie abheben wird. Die 1,5 Millionen Franken Planungs- und Projektierungskosten, die bereits ausgegeben wurden, sind abzuschreiben. Der Gemeinderat ist nun gefordert, für höchstens elf Millionen ein neues Projekt aufzugleisen. «Macht etwas, aber vernünftig, redimensioniert und zahlbar», interpretiert Maître den Überweisungsantrag, den der Gemeinderat an der letzten «Gmeind» als Auftrag entgegengenommen hat. Das Kostendach werde mit dem bestehenden Raumprogramm kaum möglich sein, ist die Referendums-Kerngruppe skeptisch. Man sei aber auch gerne bereit, sich an der Sommer-«Gmeind» eines Besseren belehren zu lassen, so Erich Rey.
Bis dann hat der Gemeinderat Zeit, aufzuzeigen, wie er weiter vorzugehen gedenkt. «Sicher ist: Es wird keinen Architekturwettbewerb mehr geben», betont der Gemeindeammann. Stattdessen werde man ein schlankes Richtprojekt mit fixem Raumprogramm ausschreiben, mit dem Ziel, durch einen Totalunternehmer (TU) einen funktionalen Bau realisieren zu lassen.
Mit einem Baukredit sei sicher nicht vor der November-Gemeindeversammlung zu rechnen, so Maître. Wichtiger als die möglichst rasche Realisierung sei es, ein konsensfähiges Projekt zu erhalten, findet er: «Ich habe schon immer gesagt: Wenn wir den Konsens nicht finden, können wir keine Halle bauen.»
Tiefe Steuern und attraktive Infrastruktur
Der Konsens für eine Doppelhalle besteht schon länger. Das eindeutige Resultat mit hoher Stimmbeteiligung bestärkt den Gemeinderat nun in seiner Ansicht, dass es der Gemeinde ein Anliegen ist, den Steuerfuss nicht zu erhöhen: «Das war nicht ein Nein gegen die Halle», hält Alain Maître fest, «sondern ein Ja zu einem redimensionierten Projekt mit bleibendem Steuerfuss von 74 Prozent.»
Zusammen gilt es nun also, eine mehrheitsfähige Lösung hinzubringen, hinter der möglichst die ganze Bevölkerung stehen kann. «Die Attraktivität einer Gemeinde misst sich nicht nur an ihrem Steuerfuss», findet Yvonne Kaufmann, die Infrastruktur sei ebenso wichtig.


