Mehrere Kleine statt ein Grosses
07.07.2026 Muri, Essen und Trinken«Usestuehlete» droht das Aus
Die Organisatorinnen ziehen sich zurück und hoffen, dass andere in die Bresche springen
2023 und 2025: Zweimal wurde die Marktstrasse an der «Usestuehlete» zum Treffpunkt des ganzen Dorfes. Nun ...
«Usestuehlete» droht das Aus
Die Organisatorinnen ziehen sich zurück und hoffen, dass andere in die Bresche springen
2023 und 2025: Zweimal wurde die Marktstrasse an der «Usestuehlete» zum Treffpunkt des ganzen Dorfes. Nun besteht die Gefahr, dass eine dritte Auflage ausbleibt.
Annemarie Keusch
Freuen dürfte diese Nachricht wohl niemanden. Schliesslich ist das, was im Sommer 2023 und im Sommer 2025 während eines Abends an der Marktstrasse in Muri stattfand, einem Dorffest gleichzustellen. Gross und Klein liess sich von dem begeistern, was die Arbeitsgruppe Mobilität und Raumplanung des Muri Energie Forums einst zusammen mit St.-Martin-Geschäftsführer Josef Villiger ausheckte. Die Idee war einfach: zeigen, dass die Marktstrasse eigentlich so viel mehr ist als ein Ort, wo parkiert und gefahren wird. Und dem ist so, das bewies die «Usestuehlete» zweimal eindrücklich. Die Vereine machten mit, das örtliche Gewerbe ebenfalls. Und vor allem kamen die Besucherinnen und Besucher aus Muri und Umgebung in Scharen.
Neue Organisatoren gesucht
Nun lassen die Organisatorinnen verlauten, dass sie keine dritte «Usestuehlete» auf die Beine stellen. Nicht, weil es keinen Spass gemacht hätte. Nicht, weil der Anlass nicht angekommen wäre. Nicht, weil es an Wertschätzung gemangelt hätte. «Vielmehr, weil wir unsere Energie auf mehrere kleine statt auf nur einen riesigen Anlass verteilen wollen», sagt Muriel Weibel stellvertretend. Kommt hinzu, dass der Aufwand, gerade im Bereich der Sicherheit, stetig grösser wurde.
Das heisst aber nicht, dass definitiv Schluss ist mit der «Usestuehlete» in Muri. Weibel betont: «Wir würden uns sehr freuen, wenn jemand diesen Anlass übernimmt und ihn weiterhin organisiert.» Vielen Menschen in Muri dürfte es wohl gleich gehen.
Gruppe Mobilität und Ortsplanung organisiert die «Usestuehlete» kein drittes Mal
Im Juni 2023 und 2025 – an jeweils einem Abend wurde die Marktstrasse zum Treffpunkt des ganzen Dorfes. Das Konzept der «Usestuehlete» schlug sofort ein. Nun ziehen sich die bisherigen Organisatorinnen zurück. Sie wollen neue, kleinere Ideen umsetzen und hoffen, dass die «Usestuehlete» dennoch weiterlebt.
Annemarie Keusch
Getümmel in der Marktstrasse. Tischreihen, an denen geplaudert und gegessen wird. Musik hier, Spiele da. Dass hier normalerweise primär Autos auf der Strasse fahren oder an deren Rand parkieren, das war an diesen beiden Abenden schnell vergessen. Die «Usestuehlete» zeigte, dass die Marktstrasse mehr kann. Ein Treffpunkt ist. «Genau das wollten wir», sagt Muriel Weibel. Sie gehört der Gruppe Mobilität und Ortsplanung an, die die «Usestuehlete» zusammen mit St.-Martin-Geschäftsführer Josef Villiger zweimal organisierte. Und zweimal für einen Volltreffer sorgte. Natürlich mit jeweiligem Wetterglück. Vor allem aber mit einer Idee, die rundum begeisterte: Vereine, Firmen, Privatpersonen. Sie traten auf, boten an oder kamen als Gast. Kurzum, die «Usestuehlete» war ein Erfolg.
Nun verkünden die bisherigen Organisatorinnen, dass sie den Anlass kein drittes Mal auf die Beine stellen. Josef Villiger ist nicht mehr Geschäftsführer des St. Martin. «Und wir als Arbeitsgruppe wollen unseren Fokus auf andere Dinge legen», sagt Jeannine Hobus. Der Entscheid sei ihnen natürlich nicht leichtgefallen. «Es waren zwei ganz tolle Veranstaltungen», sagt Muriel Weibel. Und die Organisatorinnen betonen: «Wir haben kein Patent für die ‹Usestuehlete›. Wir würden uns freuen, wenn sich neue Organisatoren finden liessen.» Schliesslich haben auch sie nur gute Erinnerungen. An das Miteinander, die Begegnungen, die vielen Menschen, die sich engagierten.
Immer komplexere Anforderungen
Dass es 2027 keine «Usestuehlete» geben würde, war ihnen dabei sofort klar. Weil dann das Kloster den tausendsten Geburtstag feiert. «Da wollen wir keine Konkurrenz sein, sondern die vielen Anlässe geniessen, die rund um dieses Jubiläum organisiert werden», sagt Muriel Weibel. Aber es gibt weitere Gründe, weshalb sich die bisherigen Organisatorinnen zurückziehen. «Die Anforderungen an solche Veranstaltungen werden immer grösser», fasst es Lea Küng zusammen. Gerade die Massnahmen, die im Bereich der Sicherheit zu treffen sind. Damit steigt auch der Aufwand immer mehr. «Ja, man kann sagen, dass uns die ‹Usestuehlete› etwas zu gross, zu viel geworden ist.» Dabei stellten sie sich die Frage, ob es sich lohnt, alle Energie in einen einzigen grossen Anlass zu investieren. Ihre Antwort: Nein.
Denn die Gruppe Mobilität und Ortsplanung will den Fokus künftig anders legen, mehr auf die politischen Themen, die sie im Dorf ansprechen will. Velowege, Begegnungszonen, Langsamverkehr. Viele kleinere Anlässe anstatt ein grosser – so ist es vorgesehen. «Das Potenzial an ganz unterschiedlichen Orten aufzeigen», sagt Muriel Weibel. Die Räume anders bespielen. Ideen gibt es bereits. Angedacht ist, ab 2028 monatlich oder auch einmal pro zwei Monate kleinere Anlässe in Muri auf die Beine zu stellen. Vielleicht einen Spaziergang, vielleicht etwas Sportliches. Vielleicht auch mit Elementen, die an der «Usestuehlete» besonders begeisterten, das «Grill & Sing» zum Beispiel. Schliesslich organisierten sie die «Usestuehlete» einst auch, um das Potenzial der Marktstrasse als Ort für Begegnungen zu zeigen. «Genau das wollen wir nun an anderen Orten im Dorf tun, nur im viel kleineren Rahmen.» Und die Organisatorinnen können sich vorstellen, auch künftig Vereine in die Organisation miteinzubeziehen.
Trotz der Arbeit hat es Spass gemacht
«Gluschtig» machen, im öffentlichen Raum zusammenzukommen und dort Zeit zu verbringen. Darum geht es der Arbeitsgruppe. Dabei sensibilisieren und auf politische Themen hinweisen. «Wir freuen uns auf diese neuen Anlässe», sagen sie. «Die guten Ideen lindern den Schmerz», sagt Jeannine Hobus. Den Schmerz, die «Usestuehlete» nicht mehr zu organisieren. «Denn es hat trotz der vielen Arbeit immer auch Spass gemacht», betont Lea Küng.
Obwohl sie ihren Entscheid noch nicht breit gestreut haben, zeigen die Reaktionen aus der Bevölkerung, dass der Entscheid rundum bedauert wird. «Natürlich ist das ein schönes Kompliment.» Sie betonen nochmals: «Wir würden uns sehr freuen, wenn es die ‹Usestuehlete› weiterhin geben würde, einfach mit neuen Organisatoren.»



