Mit Kontinuität in die Zukunft
12.05.2026 Region Oberfreiamt, BoswilBoswil: 56. GV des Vereins Altersheim St. Martin – samt Vortrag zum Thema Vorsorgeauftrag
Eine «unentdeckte» Rechnung vermiest dem Vorstand zwar das Jahresergebnis, trotzdem schauen die Verantwortlichen optimistisch in die Zukunft. Die einzigen Fragen des ...
Boswil: 56. GV des Vereins Altersheim St. Martin – samt Vortrag zum Thema Vorsorgeauftrag
Eine «unentdeckte» Rechnung vermiest dem Vorstand zwar das Jahresergebnis, trotzdem schauen die Verantwortlichen optimistisch in die Zukunft. Die einzigen Fragen des Abends gab es nach dem informativen Referat von Vorstandsmitglied Irene Koch zum Thema Vorsorgeauftrag.
Patrick Fischer
Es kommt nicht eben häufig vor, dass ein Vereinsvorstand an der GV andere Zahlen verkünden muss als jene, die im Jahresbericht stehen, der den Mitgliedern im Vorfeld zugestellt wurde. Darin war noch ein Jahresgewinn von knapp 11 000 Franken ausgewiesen, doch Roland Frick musste einräumen, dass daraus in der Zwischenzeit ein Verlust von fast 67 000 Franken geworden sei. Verantwortlich dafür ist eine vom August datierte Rechnung über beinahe 78 000 Franken für Ausbildungsbeiträge, die erst nach dem Jahresabschluss aufgetaucht sei. «Erst mit dem Eingang der Rechnung für das laufende Jahr wurde uns der Ausstand angezeigt», erklärte Frick. Eine Rechnung habe man nie erhalten, eine Mahnung sei ebenfalls nie eingegangen und intern habe man den Ausstand auch nicht bemerkt – eben bis kurz vor der Versammlung.
«Gemeinsam mit den Revisoren ist der Vorstand dann schnell zum Schluss gekommen, dass dieser Aufwand zwingend noch dem Rechnungsjahr 2025 zu belasten ist. Mit dem unerfreulichen Effekt, dass aus dem Jahresgewinn ein -verlust wird, den wir aber gut tragen können», wie Frick weiter ausführte. Das sahen auch die anwesenden Vereinsmitglieder so und genehmigten die revidierte Jahresrechnung ebenso wie die Kreditabrechnung für die abgeschlossenen Aus- und Umbauarbeiten beim Ökonomiegebäude. Zwar resultierte bei diesem Projekt über die letzten fünf Jahre eine Kreditüberschreitung von 12,6 Prozent oder gut 623 000 Franken, allerdings wurden auch zusätzliche, ursprünglich nicht eingeplante Arbeiten (etwa im Bereich der Lüftungsanlagen) ausgeführt, was wesentlich zu den Mehrkosten beitrug.
Preiserhöhung steht an
In ihren Jahresberichten schauten Präsident Luca Penta und Heimleiter Ralph Huggel auf ein intensives und herausforderungsreiches Jahr zurück. Die Infrastruktur ist nach den abgeschlossenen Baumassnahmen wieder gut im Schuss, und auch die Informatik-Umgebung konnte modernisiert werden. Ebenfalls positiv erwähnt wurde vom Präsidenten, dass alle Audits mit Bravour bestanden werden konnten und man nun an der Umsetzung der Massnahmen sei. Auf der anderen Seite macht der Institution der grassierende Fachkräftemangel zu schaffen, was sich unter anderem auch in deutlich höheren Lohnforderungen widerspiegelt. «Da sich die verrechenbaren Tarife nicht in gleichem Mass entwickelt haben, ist eine Preiserhöhung in naher Zukunft absehbar», kündigt Präsident Penta in seinem Bericht an.
Was die Auslastung betrifft, ist das Solino bei 100 Prozent, wie Heimleiter Ralph Huggel zu berichten wusste. «Es gibt eindeutig zu wenig Plätze in der Region, alle Institutionen haben eine durchschnittliche Auslastung von über 95 Prozent – und die grossen Jahrgänge kommen erst noch», zeichnet Huggel ein düsteres Zukunftsbild. Die Warteliste wird länger, und entsprechend auch die Zeit zwischen Anmeldung und Eintritt. «Wir nennen es die Kunst des Wartens, aber eigentlich ist es eine klassische Triage», beschreibt er den schwierigen Prozess, die leer werdenden Zimmer neu zuzuteilen. Gemäss Huggel werden die kommenden Jahre im Gesundheitswesen sowieso sehr herausfordernd, auch wenn man noch nicht genau wisse, welche Konsequenzen die Umsetzung der Pflegeinitiative (2028), der gesundheitspolitischen Gesamtplanung (2030) und der einheitlichen Finanzierung EFAS (2032) auf die Institution haben wird.
Alle Bisherigen wiedergewählt
Auch das Traktandum Wahlen gab zu keinerlei Diskussionen Anlass. Sowohl die beiden Gemeindevertreter Gaby Schönenberger und Peter Mäder als auch die fünf bisherigen Vorstandsmitglieder Margrit Müller, Irene Koch, Daniel Hasler, Roland Frick sowie Luca Penta als Präsident stellten sich der Wiederwahl für die neue Amtsperiode und wurden alle einstimmig in ihrem Amt bestätigt. Tagespräsident Alois Huber wertete dies als Zeichen des Vertrauens und sagt zum Abschluss: «Diese Kontinuität ist eine gute Basis, das Solino erfolgreich in die Zukunft zu führen.»
Im letzten Programmpunkt referierte Juristin Irene Koch zum Thema Vorsorgeauftrag. Auf kurzweilig humorvolle Art zeigte sie den Anwesenden auf, wie wichtig das Verfassen eines solchen ist. Entlang den Fragen wann, wieso, wie, wen und was erläuterte die Rechtsanwältin anhand von Beispielen, wo Probleme lauern und was allenfalls passiert, wenn der Vorsorgeauftrag am Tag X nicht oder nur unzureichend vorliegt. Die zahlreichen Fragen aus der Versammlung zeigten, dass dieses Thema interessiert und eigentlich alle bewegt.

