Scheiden tut weh
26.06.2026 Muri, LeserbriefeDer Wegzug des Pastoralleiters Karl Scholz hat in der Pfarrei und im Pastoralraum Muri Wunden hinterlassen und diese zu heilen, braucht Zeit und Rat und Achtsamkeit. «Es het no nie es Huehn öppis vöregscharet – alles hendere», pflegte zwar ein alter, längst ...
Der Wegzug des Pastoralleiters Karl Scholz hat in der Pfarrei und im Pastoralraum Muri Wunden hinterlassen und diese zu heilen, braucht Zeit und Rat und Achtsamkeit. «Es het no nie es Huehn öppis vöregscharet – alles hendere», pflegte zwar ein alter, längst verstorbener Nachbar von mir zu sagen, wenn es galt, unschöne Geschichten der Vergangenheit zu überlassen. Immerhin könnten wir es den Hühnern nachmachen und bei diesem Scharren ein paar Körnchen Wahrheit und ein paar Rosinen herauszupicken, die bei den jeweils «anderen» auszumachen sind. Oder um es anders auszudrücken: Man stelle sich vor, ein Baum bekäme Streit, ob die Wurzeln oder der Stamm oder die Krone am wichtigsten seien. Auf die Kirche übertragen wären das Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, um deren Gestaltung schon immer robuste Diskussionen entstanden. Dabei sind die Wurzeln der Vergangenheit und der Tradition wichtig, aber einfach rückwärtsblickend vorwärtsstolpern, wie es ein Benediktinermönch aus Disentis neulich formulierte, genügt eben nicht, wenn wir als Kirche in unserer Gesellschaft noch etwas zu sagen haben wollen. Und wir haben durchaus noch etwas zu sagen in einer Welt, die sich in immer absurdere Zerstörungsmuster hineinsteigert. Seien es Kriege, an denen wir oft unbemerkt beteiligt sind, weil es allermeist um Ressourcen geht, die wir täglich brauchen. Oder sei es unser Wohlstandsverhalten, das ebenso oft unbemerkt Ökologie und Klima bedroht.
Hoffnung sei die Leidenschaft für das unmöglich Scheinende, las ich kürzlich irgendwo. Das scheint mir auch die einzige Option für die Pfarrei und den Pastoralraum Muri und Umgebung zu sein: Zu hoffen, dass die Wurzeln christlicher Gesinnung den Saft liefern, den es braucht, um unsere gemeinsame Aufgabe, der Welt – auch unserer kleinen Welt
– Sinn und Zukunft zu schenken, uns eint und stärkt, nicht auseinanderreisst. Dass wir dabei oft lieb gewonnene Gewohnheiten loslassen müssen, die nicht selten menschengemacht und nicht gottgewollt sind, kann wehtun. Aber es öffnet der Zukunft Türen und gibt uns Chancen.
Martin Köchli, Weissenbach
