Visionäre mit Teamgeist gehen
23.06.2026 Region Oberfreiamt, EnergiePräsident Thomas Wenger, 25 Jahre, und Kassier Markus Keller, 19 Jahre, geben Leitung der Elektra Auw ab
Sie prägten den Fortschritt der Elektra Auw. Der abgetretene Präsident Thomas Wenger, der der Elektra 25 Jahre vorstand, und Markus Keller, der 19 Jahre ...
Präsident Thomas Wenger, 25 Jahre, und Kassier Markus Keller, 19 Jahre, geben Leitung der Elektra Auw ab
Sie prägten den Fortschritt der Elektra Auw. Der abgetretene Präsident Thomas Wenger, der der Elektra 25 Jahre vorstand, und Markus Keller, der 19 Jahre Kassier war. Gemeinsam steuerten sie die «Stromgeschäfte» im Dorf. Sie haben Nachfolger gefunden und wagen nun einen Blick auf eine bewegte Zeit.
Verena Anna Wigger
Auw war im Jahr 2014 eine der ersten Gemeinden im Kanton Aargau, die auf Smartmeter umgestellt haben. Damit konnten die Stromzähler mittels Fernablesung verwaltet werden. Erst dann kam die Auflage des Bundes, die dies im neuen Energiegesetz regelt. Thomas Wenger sagt: «Wir sind keine Rebellen. Wir waren nur Vorreiter.» Als eine seiner letzten Amtshandlungen verkündete Wenger an seiner letzten GV, dass die Smartmeter der zweiten Generation installiert sind.
Batterie-Speicheranlage wird gebaut
Die nötigen Investitionen in ein gutes Stromnetz haben sie früh erkannt und daher regelmässig in ihr Netz investiert. So wurden in letzter Zeit mehrere Trafo-Stationen gebaut und der Ausbau des Netzes vorangetrieben. Das neuste Projekt der Elektra Auw ist eine grosse Batterie-Speicheranlage. Beim zweiten Trafo-Werk in der Auwer Industrie hat der lokale Elektroversorger noch ein Stück Land. «Dort passt die Batterie bestens hin», ist Wenger überzeugt. Das wünschen sich viele, um den Ausgleich bei Spitzenproduktionen und Spitzenbeanspruchungen abzufedern, nun realisiert Auw diese Speichermöglichkeiten.
Möglichkeiten von Photovoltaik genutzt
Es verwundert also nicht, dass die Gemeinde Auw im Kanton Aargau auf Platz zwei bezüglich der Nutzung von Photovoltaik-Möglichkeiten liegt. Das freut sowohl den Präsidenten wie auch Kassier Markus Keller. Die kleine Freiämter Gemeinde liegt dank ihrem ausgeklügelten System schweizweit auf Rang 30. «Mehr ausschöpfen lohnt sich nicht», sagt Markus Keller.
Im Einzugsgebiet der Elektra Auw gibt es zurzeit 186 Photovoltaikanlagen (PV), die an das Netz angeschlossen sind. Diese produzieren rund 43 Prozent des Stromverbrauchs der Freiämter Gemeinde. Wenger erklärt stolz: «Das genutzte Solarstrompotenzial liegt bei 22,5 Prozent. Damit belegen wir Platz zwei im Kanton.» Nur Koblenz weise eine bessere Quote aus.
Bei Spitzenwerten Leistung drosseln
Kommt das Leitungsnetz an seine Kapazitätsgrenze, kann der Verteilnetzbetreiber die Leistungsspitze der PV-Anlagen auf 70 Prozent reduzieren. Mit einer vertraglichen Abmachung ist auch eine höhere Reduktion möglich. Hier geht es um die Leistungsfähigkeit und die Ressourcen des Netzes, sagt der ehemalige Präsident. Auw verfügt über zwei Quartiere, in denen man dies anwendet. Dabei werden über das Jahr verteilt höchstens drei Prozent des produzierten PV-Stroms nicht abgenommen, erklärt Wenger. Ausserdem erhalten die Produzenten eine höhere Entschädigung für den gelieferten Strom.
Das Stromnetz wurde ursprünglich für die Lieferung von Strom gebaut. Seit dem Boom der PV-Anlagen muss es nun auch umgekehrt funktionieren. Das stellt eine Herausforderung dar. Die beiden zurückgetretenen Vorstandsmitglieder sind stolz, dass in ihrer Gemeinde alle Strom einspeisen können. Das sei nicht selbstverständlich, denn das stellt so manche Elektra vor grosse finanzielle Herausforderungen. Die Elektra Auw hat sich frühzeitig dafür gerüstet. Wenger sagt: «Es bleibt eine Herausforderung, das Netz stabil zu halten.»
Stromeinkauf ist eine Herausforderung
Dazu gehört auch der Einkauf von Strom, dieser musste früher lange im Voraus getätigt werden, heute ist dies gestaffelt und kurzfristig möglich. Das ganze Geschäft wurde zunehmend komplexer und die Stromanbieter arbeiten heute nur noch mit grossen Abnehmern zusammen. Deshalb musste sich die Elektra Auw einem Verbund anschliessen.
Schwierig war es, als sie vor drei Jahren vor der Aufgabe standen, zum richtigen Zeitpunkt ihren Strom einzukaufen. «Man hat immer darauf geschaut, möglichst günstig einzukaufen.» Doch im Sommer 2023 stiegen die Strompreise. Ende August mussten sie in den sauren Apfel beissen, wie er sagt. «Am Schluss ist man einfach gezwungen, einzukaufen», so Keller. «Wir hatten in dieser Zeit zwanzig persönliche Gespräche», alle hatten Fragen zum hohen Preis, erklären Keller und Wenger. Dies bei 900 Stromzählern, die sie bedienen.
Vollzeitanstellung benötigt und Zusammenarbeit gepflegt
Dass eine Elektra heute nicht mehr rein ehrenamtlich geführt werden kann, erlebte auch Auw. So wurde vor zwei Jahren ein vollamtlicher Betriebsleiter eingestellt. Und man schloss sich dem Strompool Freiamt an. Dieser vertritt die kleinen Dorf-Elektras beim Stromeinkauf. Diese Zusammenarbeit begrüssen beide. Doch eine Fusion mit anderen Elektras lehnen beide ab. So hat sich im Oberfreiamt eine Gruppierung von dörflichen Elektras formiert, die den Erfahrungsaustausch pflegt und von der jede einzelne Elektra profitiert.
Auf die Frage, wie man sich über eine so lange Zeit so intensiv für die Gemeinschaft engagiert, kommt eine klare Antwort: «Weil es Spass macht im Team.» Da sind sich Keller und Wenger einig. Weiter kommt bei ihnen auch sehr schnell die Erinnerung an das 100-Jahr-Jubiläum auf. Eine Erinnerung an ein Fest und Zusammentreffen, welche sich bei ihnen eingeprägt hat. «Die Zusammenarbeit stimmte immer, Ziele wurden anvisiert und umgesetzt», sagt Wenger. «Das war ein Bauchentscheid mit dem Team, etwas zu machen», bestätigt Keller.
Sie beide sind auch jetzt nach ihrem Rücktritt überzeugt: «Man findet so auch gute Nachfolger, wenn man etwas Gutes zeigen kann.» Und die Elektra Auw steht gut da. Keller und Wenger sind dankbar, dass man als Team weitsichtig genug agiert hat. Und so einen «Betrieb» weitergeben konnte, der für die Zukunftsaufgaben bereit ist. Denn der neue Präsident hat bereits im Team mitgearbeitet.

