Wachsen Ja, aber mit Mass
13.03.2026 Region Unterfreiamt, Niederwil, BaugewerbeIn Niederwil startet das Mitwirkungsverfahren zur Revision der Nutzungsplanung
Niederwil rechnet bis ins Jahr 2040 mit rund 3500 Einwohnern. Um dafür Platz zu schaffen, sollen vorhandene Bauzonen besser genutzt werden. Ebenso wichtig ist dem Gemeinderat aber, den ...
In Niederwil startet das Mitwirkungsverfahren zur Revision der Nutzungsplanung
Niederwil rechnet bis ins Jahr 2040 mit rund 3500 Einwohnern. Um dafür Platz zu schaffen, sollen vorhandene Bauzonen besser genutzt werden. Ebenso wichtig ist dem Gemeinderat aber, den Charakter des Dorfes zu erhalten.
Chregi Hansen
23 Sitzungen liegen hinter der sehr breit abgestützten Planungskommission. Zusätzlich fanden Gespräche statt mit verschiedenen Grundeigentümern. Nun folgt der nächste Schritt. In den kommenden Wochen liegt der Entwurf der neuen Nutzungsplanung öffentlich auf. Jetzt darf die gesamte Bevölkerung ihre Meinung sagen zu den neuen Planungsinstrumenten. «Wir freuen uns auf viele Rückmeldungen und eine aktive Diskussion über die künftige Entwicklung unseres Dorfes», sagt Gemeindeammann Norbert Ender.
Die jetzt vorliegenden Planungsergebnisse sind nicht überraschend. Denn sie basieren auf dem Räumlichen Entwicklungsleitbild, welches der Bevölkerung bereits im August 2024 vorgestellt wurde. «Niederwil soll nicht einfach immer weiter wachsen, sondern seinen Charakter bewahren. Diese Rückmeldung aus der Bevölkerung haben wir», sagt denn auch Ender. Und dass dies keine leeren Worte sind, zeigt die Tatsache, dass im bisherigen Prozess kaum Anträge für zusätzliche Einzonungen eingegangen sind. Solche wird es auch nicht geben. «Wir werden lediglich zwei bereits gebaute Liegenschaften, die sich bisher in der Landwirtschaftszone befinden, in die Bauzone verschieben», so Ender.
Wachstum liegt über den Prognosen des Kantons
Aktuell verfügt das Dorf noch über 3,28 Hektaren unbebautes Bauland. Vor allem im Gebiet Egghübel in Nesselnbach gibt es noch attraktive Bauplätze. Das reicht aber nicht, um das erwartete Wachstum zu bewältigen. Aktuell zählt das Dorf 3051 Einwohner und Einwohnerinnen, bis ins Jahr 2040 rechnet man mit einem Anstieg auf 3500. Damit liegt man über den Prognosen des Kantons, «aber die übertreffen wir jetzt schon», macht Ender deutlich. Die attraktive Lage im Reusstal, umgeben von viel Grün, lockt eben viele nach Niederwil. Um weiterhin Wohnraum anbieten zu können, setzt man auch hier wie an vielen Orten auf die innere Verdichtung. «Aber mit Mass», wie Planer Paul Keller von der Arcoplan in Ennetbaden betont. Zwar werden die bisherigen W1-Zonen aufgehoben, aber sie werden nicht einfach zu W3-Zonen, wie es in vielen Ortschaften üblich ist, sondern zu W2.
«Wir wollen nicht, dass in allen Quartieren dreigeschossige Bauten entstehen, denn das passt nicht zum Dorfcharakter», erklärt Ender. Trotzdem will man den Grundeigentümern mehr Spielraum geben, etwa in Sachen Ausnützungsziffer, Höhenmasse und Grenzabstände. Ein völliger Wegfall der Ausnützungsziffer, wie auch schon gefordert, komme aber nicht infrage – man wolle eine massvolle und keine übermässige Entwicklung in den Quartieren. Umgekehrt will die Gemeinde bei der Siedlungsgestaltung mehr Einfluss nehmen und Vorgaben machen bezüglich Dach- oder Umgebungsgestaltung. Ohne aber rigide zu werden. «Auf ein Verbot von Schottergärten etwa verzichten wir», sagt Ender schmunzelnd.
Bei den Arbeitszonen stark unterschieden
Überhaupt: Vieles soll so bleiben wie bisher, trotzdem soll eine Entwicklung möglich sein. So wird neu eine eigene Dorfkernzone geschaffen und von der Dorfentwicklungszone abgegrenzt. In der Dorfkernzone wird die Erhaltung und qualitätsvolle Entwicklung des gut funktionierenden Dorfzentrums wie auch ortsbaulicher, architektonischer und aussenräumlicher Qualitäten angestrebt. «Wir wollen das Zentrum besser definieren und stärken», sagt dazu Planer Keller, während der Ammann sich einfach ein «attraktiveres Zentrum» wünscht. Dabei sei auch die geplante Sanierung der Kantonsstrasse in die Überlegungen eingeflossen. Die Zahl der unter Schutz stehenden Gebäude verändert sich aber nicht.
In Niederwil soll nicht nur gewohnt, sondern auch gearbeitet werden. Schon jetzt kennt die Gemeinde verschiedene Gewerbe- und Arbeitszonen, an dieser Unterscheidung wird festgehalten. Dies, weil die Voraussetzungen zum Teil völlig unterschiedlich sind. So gibt es spezielle Zonen rund um den Reusspark oder auch im Schellenwerk. Im letzteren erhalten die drei hier angesiedelten Betriebe zwar nicht die gewünschte räumliche Erweiterung (das lassen Bund und Kanton nicht zu), trotzdem werden Möglichkeiten der Entwicklung geschaffen. Die bisher bestehenden Wohnnutzungen in den Arbeitszonen bleiben erhalten und sind auch bei einem Verkauf gesichert, neue gibt es aber keine. «In diesen Zonen soll primär gearbeitet werden», so Ender. Eine Ausnahme ist das heute weitgehend gewerblich genutzte Gebiet um die Garage Gratwohl in Nesselnbach, hier soll eine Arbeits- und Wohnzone geschaffen werden. Um eine qualitativ gute Entwicklung zu erreichen, besteht für verschiedene Areale eine Gestaltungsplanpflicht. Zudem wurden ganz viele Begrifflichkeiten und Masse den neuen Vorgaben angepasst.
Schon jetzt viele Schutzgebiete im Kulturland
Überarbeitet wurde auch der Kulturlandplan, wobei sich die Änderungen hier im Mass halten. «Es gibt rund um das Dorf bereits viele kantonale und nationale Schutzzonen, die klare Vorgaben machen. Für die Gemeinden ergibt sich wenig Handlungsspielraum», erklärt der Planer. Anpassungen gab es etwa bei einzelnen Schutzobjekten oder auch beim Gewässer- oder Hochwasserschutz. Erhalten bleibt der Siedlungstrenngürtel zwischen Niederwil und Nesselnbach. Keinen solchen gibt es Richtung Fischbach-Göslikon.
Infoabend am 26. März
Norbert Ender und Paul Keller sind überzeugt, dass der vorliegende Entwurf eine gutes Basis bildet für die weitere Entwicklung der Gemeinde. Und sind nun gespannt auf die Rückmeldungen aus der Bevölkerung. Parallel dazu findet die Vorprüfung durch den Kanton statt. Am Donnerstag, 26. März, lädt der Gemeinderat die Bevölkerung zu einem Infoabend ein. «Wir hoffen auf eine rege Diskussion und viele Inputs», schaut Ammann Norbert Ender bereits voraus.

