Weg zurück in den Alltag
31.03.2026 Muri, Gewerbe, GesundheitGeriatrische Akutrehabilitation anstatt Wochenbett – neue Station am Spital Muri eröffnet
Physio-, Ergotherapie und Ernährungsberatung. Damit die Patientinnen und Patienten beispielsweise nach einem Sturz zurück in den Alltag finden, braucht es mehr ...
Geriatrische Akutrehabilitation anstatt Wochenbett – neue Station am Spital Muri eröffnet
Physio-, Ergotherapie und Ernährungsberatung. Damit die Patientinnen und Patienten beispielsweise nach einem Sturz zurück in den Alltag finden, braucht es mehr als die klassische medizinische Behandlung. Dem trägt das Spital Muri mit einer grösseren geriatrischen Akutrehabilitation Rechnung.
Annemarie Keusch
Zu sehen ist nicht mehr viel. Dass hier bis Ende letzten Jahres Kinder auf die Welt kamen. Dass hier das Storchencafé war. Dass hier frisch gebackene Mütter betreut wurden. «Sanfte Renovation», nennt Katharina Mayer, leitende Ärztin Geriatrie, das, was im zweiten Stock des Spitals Muri in den letzten Wochen passiert ist. Wände frisch gestrichen, wo dies notwendig war. Aus dem Wochenbett wurde eine geriatrische Akutrehabilitation. Familien- wurden zu Patientenzimmern. Wo früher die kleinen Betten für die Neugeborenen standen, treffen sich die Spital-Mitarbeitenden heute zum interdisziplinären Rapport.
Am 23. Dezember erblickte das letzte Baby im Spital Muri das Licht der Welt. Anstatt Neugeborene stehen jetzt ältere Menschen im Zentrum. «Wir sind für alle da», sagt Daniela Ayoub, Leiterin Pflegedienst. Mehrheitlich sind es aber 80- bis 90-Jährige, die auf der neuen Station behandelt werden. «Mit dem Ausbau reagiert das Spital Muri auf die demografische Entwicklung und den steigenden Bedarf an altersmedizinischen Leistungen im Einzugsgebiet», heisst es in der Pressemitteilung. Diese Nachricht, die vor gut einem Jahr hohe Wellen schlug, ist mittlerweile also Tatsache.
Neu 28 Betten
Das Spital Muri spricht von einer modernen, interdisziplinären Station für geriatrische Akutrehabilitation. Hier werden Patientinnen und Patienten im Spital bei Erkrankung und/oder nach einem Unfall ganzheitlich behandelt.
Mit dem Ziel, sie wieder in ihren Alltag entlassen zu können. «Ältere Menschen sind oft gefährdet, durch eine akute Erkrankung pflegebedürftig zu werden», heisst es in der Broschüre. Die geriatrische Akutrehabilitation beginne deshalb so früh wie möglich. «Dadurch wird häufig eine Rückkehr in die häusliche Umgebung ermöglicht.» Da gehört etwa Physio- und Ergotherapie dazu, aber auch Ernährungsberatung. Das Programm wird pro Patientin und Patient spezifisch ausgearbeitet. «Wenn jemand Treppen steigen muss, um in die Wohnung zu kommen, dann ist das ein Ziel, das vor Austritt erreicht werden muss», macht Katharina Mayer ein Beispiel.
28 Betten umfasst die neue Station. Und Räumlichkeiten für entsprechende Therapie. «Alles auf einer Station, ideal», sagt Mayer und deutet damit an, dass dem vorher nicht so war. Denn geriatrische Akutrehabilitation wird am Spital Muri nicht neu angeboten. «Jetzt sind die Voraussetzungen aber viel besser», sagt sie mit Blick auf die neu umgebaute Station. Die Wege sind kürzer. Zudem stieg die Bettenanzahl. «Der Bedarf ist da. Im letzten Jahr war die Auslastung sehr hoch.» Auch Mayer spricht die demografischen Entwicklungen an.
Seit gestern ist die neue Station in Betrieb. Neu eingetretene Patientinnen und Patienten erhielten gleich hier ihr Zimmer. Bisherige zügeln in den nächsten Tagen. «Wir freuen uns riesig, weil die Abläufe hier viel besser sind», sagt Katharina Mayer. Auch für die Patientinnen und Patienten bringe die neue Station viele Vorteile mit sich. Aufenthaltsräume, wo speziell geriatrische Spiele warten. Räume für Gruppenund Einzeltherapien. Eine Therapieküche. «Auch das gehört dazu, damit die Patientinnen und Patienten zurück in ihren Alltag können.» Ob kochen, bügeln, stricken, Wäsche aufhängen – die Patienten sollen in der Therapie dort abgeholt werden, wo ihre Interessen und Bedürfnisse liegen.
Betten statt Gebärwannen
Zugewiesen werden die Patientinnen und Patienten natürlich vom Spital Muri selbst, aber auch von anderen Spitälern, von Pflegeinstitutionen oder von den betroffenen Privatpersonen selbst. Durchschnittlich zwei Wochen werden sie in der neuen Abteilung behandelt, bevor entschieden wird, wie der Weg weitergeht. Einzel-, Zweieroder Dreierzimmer gibt es in der geriatrischen Akutrehabilitation – je nach Art der Krankenversicherung. Statt Gebärwannen oder Wippen stehen nun primär Betten in den Zimmern. Wo räumlich möglich hängen Whiteboards an der Wand. Zielsetzungen, Tagesabläufe werden hier beispielsweise notiert. «Vorher war das auf einem A4-Blatt notiert, für viele nicht einfach lesbar», weiss Katharina Mayer. Die bisherigen Zimmer im vierten Stock, wo die geriatrische Akutrehabilitation vorher untergebracht war, erhält nun eine sanfte Renovation. «MuriDeluxe» wird dort seine Heimat finden. Eine Station für privat- und halbprivatversicherte Patienten.


