Weil Kochen Kinder interessiert
24.02.2026 Region Oberfreiamt, Jugend, Literatur«Tiptopf»-Autorin aus Beinwil
Dieses Kochbuch kennen alle. Der «Tiptopf» ist legendär. Nun gibt es auch den «kleinen Tiptopf» für Kinder. Daran mitgearbeitet hat auch Ursula Furrer-Heim aus Beinwil. «Die Gelinggarantie ist ...
«Tiptopf»-Autorin aus Beinwil
Dieses Kochbuch kennen alle. Der «Tiptopf» ist legendär. Nun gibt es auch den «kleinen Tiptopf» für Kinder. Daran mitgearbeitet hat auch Ursula Furrer-Heim aus Beinwil. «Die Gelinggarantie ist wichtig», sagt sie. --red
Das Kochbuch «Der kleine Tiptopf» ermöglicht Kindern, selbstständig zu kochen
Ursula Furrer-Heim aus Beinwil war als Rezeptautorin bei der Realisation des Buches «Der kleine Tiptopf» dabei. Damit hat sie ein Kochbuch geschaffen, das es Kindern leicht macht, selbst in der Küche gross zu sein. Das Werk vermittelt auch Grundkenntnisse im Umgang mit Lebensmitteln und Küchengeräten oder gibt Tipps zum Einkaufen.
Verena Anna Wigger
Ursula Furrer ist mit Leib und Seele Hauswirtschaftslehrerin. Sie hat bereits mehrere Kochbücher herausgegeben. Dazu gehören Bücher in namhaften Verlagen wie Betty Bossi oder ihr Cake-Buch oder eben auch der «Tiptopf», der als Bestseller im Schweizer Buchhandel bereits zum vierten Mal aufgelegt wurde. Furrer liebt es, zu unterrichten, und macht dies unter anderem an zwei Tagen in der Woche an der Schule in Stans. Den Weg in ihre Schule nimmt die Beinwilerin gern auf sich, denn das Schulsystem im Kanton Nidwalden gibt ihr mehr Möglichkeiten, das Fach «WAH» so umzusetzen, wie sie sich das vorstellt. Im Kanton Aargau sei Wirtschaft, Arbeit, Haushalt (WAH) mehr Theorielektionen, dafür weniger Praxis in der Küche, erklärt Furrer. Ihr fehlt da der praktische Aspekt. «Kinder müssen sich ausprobieren können», weiss sie. Die ausgebildete Lehrerin textiles und nicht textiles Gestalten, bildnerisches Gestalten und Sport hat kurz nach ihrer Ausbildung entdeckt, dass ihr Hauswirtschaft und Kochen am Herzen liegen, hier hat sie sich spezialisiert und weitergebildet. «Kochen ist meine Welt», sagt sie. Schon vor Jahren ist sie bei der Überarbeitung des Schweizer Kochbuchklassikers «Tiptopf» mit im Team.
Klassiker für Kocheinsteiger mit Gelinggarantie
Nun sollte es auch einen solchen «Klassiker» für kleinere Kinder geben. Bei der Erstellung war es der 46-jährigen Mutter von drei Teenagern wichtig, dass sie bei der Gestaltung, Rezeptierung und Konzeption auf die Kleinsten, ab 6 Jahren, eingehen. «Dann sind die Kinder die Könige in der Küche», sagt sie. Im Buch sind die einfachsten Rezepte anhand von Grafiken erklärt – und die Kinder müssen nicht oder nur wenig lesen. Für die Zubereitung benötigen sie weder eine Maschine noch Herd oder Backofen. Es gibt drei Schwierigkeitsstufen im rund 200 Seiten umfassenden Werk. Die mittlere Stufe hat jeweils vier Bilder und leichte Erklärungen, welche einfache Schritte zusammenfassen. Hier sei die Herausforderung, dass die Kinder auch verstehen, was sie lesen. So werden beispielsweise beim Andünsten Öl und Zwiebel zusammen beigegeben und nicht in zwei Schritten. In der dritten Stufe darf dann schon eine Lasagne zubereitet werden. Auch hier haben die Autorinnen Überlegungen gemacht, wie sie die Kinder unterstützen können.
Zu Hause gibts die Praxis
In der Schule stellt sie öfters fest, dass Jugendliche, die nicht kochen zu Hause, manchmal Schwierigkeiten haben mit dem Textverständnis bei einfachen Gerichten. Weshalb sie ihnen gegebenenfalls empfehlen, fertige Tomatensauce zu verwenden. «Da muss man dann halt einen kleinen Qualitätseinbruch in Kauf nehmen», sagt der Profi in Sachen Zubereitung.
Bei der Auswahl der Rezepte wurden Gerichte aufgenommen wie ein Siedfleisch-Pot. Bei diesem Gericht stellt die leidenschaftliche Lehrerin immer wieder fest, dass Jugendliche beim Zubereiten der Menüs einen spassigen Aspekt entdecken. Dann schmeckt es vielen auch besser. Dazu wurden im Vorfeld alle Rezepte aus dem neuen Werk bereits zweimal gekocht. «Die Gelinggarantie ist mir wichtig.» Das hört Furrer auch von den Nutzerinnen ihrer anderen Kochbücher.
Das für die Schulen erarbeitete Werk wurde nun auch für den Privatmarkt zur Verfügung gestellt. So kam das Werk vor Weihnachten auf den Buchmarkt. Ursula Furrer erlebt in ihrer Arbeit als Kochschullehrerin, dass Kinder nicht nur die Arbeit, sondern auch den sozialen Aspekt darum herum lieben. «Das ist der einzige Tag unter der Woche, an dem jemand mit mir isst», hat einer ihrer Schüler ihr gesagt. Dies hat sie beeindruckt. Zudem sei es manchmal nicht wichtig, sofort aufzuräumen, manchmal stehe dann das Gespräch am Mittagstisch im Vordergrund.
Kochen heisst auch Planen und Einkaufen
Hier sieht Furrer auch Chancen, so, wie sie es bei ihren Kindern erlebt. Ihr elfjähriger Sohn sagt manchmal: «Mami, kannst du mir die Zutaten besorgen?» Und dann werde die Familie bekocht. Auch für den Einkauf bietet das Buch einen vertieften Einblick in die Vielfalt der Labels und Einkaufshilfen. Sie erlebt immer wieder, wie Kinder dies mit viel Begeisterung aufnehmen und umsetzen. Das führt dazu, dass sie Exkursionen in ihren Unterricht einfliessen lässt, damit die Schülerinnen und Schüler erleben, wo Nahrungsmittel wachsen und wie diese verarbeitet werden. Sie empfindet Kochen als sehr kreative Arbeit: «Du lebst in deiner Welt und kannst neue Ideen einbringen und testen.» Das ist es, was sie an ihrer Passion, dem Kochen als Familie oder Gruppe, schätzt.
«Der kleine Tiptopf» aus dem Schulverlag plus eignet sich für Kinder ab 4 Jahren und auch für Grosse, er ist im Buchhandel unter der ISBN 978-3-292-01053-7 erhältlich.

