Zur Freude der Kinder
08.04.2026 Porträt, Bremgarten, Jugend, Schule, KunstTanzlehrerin mit viel Herz
Vor neun Jahren hat Christel Hell damit begonnen, in Bremgarten Jazztanz zu unterrichten. Unter der 51-jährigen ehemaligen Profitänzerin sind die jährlichen Auftritte der Bremgarter Schülerinnen und Schüler im Casino zum ...
Tanzlehrerin mit viel Herz
Vor neun Jahren hat Christel Hell damit begonnen, in Bremgarten Jazztanz zu unterrichten. Unter der 51-jährigen ehemaligen Profitänzerin sind die jährlichen Auftritte der Bremgarter Schülerinnen und Schüler im Casino zum Spektakel geworden, das begeistert. Doch dahinter steckt monatelange, aufopferungsvolle Arbeit, gepaart mit viel Empathie für über 100 Kinder. Dafür hat sie unsere Redaktion zum «Kopf des Monats» gewählt. --huy
Die Bremgarter Tanzlehrerin Christel Hell ist Kopf des Monats März
Seit Jahren sorgt sie zu Frühlingsbeginn mit ihren Schülerinnen und Schülern für ein volles Casino. Die frühere Profitänzerin Christel Hell hat sich mit ihrer Leidenschaft den Bremgarter Kindern verschrieben. Für ihr grosses, aufopferungsvolles Engagement und die zauberhaften Auftritte, die daraus resultieren, hat sie die Redaktion zum Kopf des Monats gewählt.
Marco Huwyler
Sie selbst wurde erst als 14-Jährige entdeckt. Per Zufall an einem Turnerabend im kleinen Heimatdorf, wo ihr Bewegungstalent einer anwesenden Tanzlehrerin auffiel. Doch ab dann startete Christel Hell so richtig durch. Nach Ausbildungen in Zürich und London wurde sie zu einer professionellen Tänzerin, die auf grossen Musical-Bühnen glänzende Auftritte hatte und auf Tourneen ging. Ein erfüllter Mädchentraum. Hells Antrieb und Erfolgsrezept blieb dabei stets gleich: eine unbändige Freude an der Bewegung und eine flammende Leidenschaft für den Tanz.
Genau dies gibt die 51-Jährige heute erfolgreich Hunderten von Kindern in Bremgarten weiter. Unter Standing Ovations des Publikums skandierten vor 10 Tagen 126 Kinder den Namen ihrer Tanzlehrerin. Aus voller Kehle und von ganzem Herzen.
Kinder und Eltern auf Anhieb begeistert
Neun Jahre ist es mittlerweile her, dass sich Christel Hell an der Musikschule Bremgarten bewarb. «Mir ist schon damals ihr Enthusiasmus und der Wille aufgefallen, hier etwas Tolles aufzubauen», berichtet Niki Wüthrich, damals wie heute Musikschulleiter. Hell erhielt den Job – und erfüllte die Erwartungen nicht bloss, sie übertraf sie bei Weitem. «Christel hat bei uns sozusagen das Tanzfieber entfacht», lächelt Wüthrich.
Als Hell in Bremgarten übernahm, war Jazztanz an der Musikschule eine überschaubare Nische. Mit ihrer Ankunft änderte sich dies rasch. Sonja Schneiderbauer ist eine derjenigen, die mit ihren zwei Töchtern an einem der ersten «Tage der offenen Tür» der neuen Tanzlehrerin dabei waren. «Ich erinnere mich bestens daran», sagt die Bremgarterin heute. «Christel hat sowohl Eltern als auch Kinder von Anfang an abgeholt und mit ihrer Art mitgerissen und begeistert.» Von jenem Moment an war Jazztanz stets Teil der Familie Schneiderbauer. Ihre Töchter sind mit dem Tanzunterricht Hells aufgewachsen – und aufhören ist bis heute für die beiden nie eine Option gewesen. «Sie machen es beide immer noch megagerne, auch nach acht Jahren», sagt Schneiderbauer.
Hell besitze ein natürliches Gespür und Einfühlungsvermögen für Kinder und Jugendliche. «Sie versteht es, jeden individuell anzupacken – fachlich, aber vor allem auch menschlich und persönlich», sagt die zweifache Mutter, die ihren Nachwuchs schon oft zu Aufführungen und Trainings begleitete. «Christel weiss über den ersten Liebeskummer ihrer Schülerinnen oft weitaus besser Bescheid als mancher Elternteil», lacht Schneiderbauer.
Selbstbewusstsein für alle
Selbstverständlich sei Hell auch fachlich und tanzpädagogisch ausgezeichnet, findet Schneiderbauer. «Auf spielerischem Weg gelingt es ihr, die Kinder so zu fördern, dass sie rasch Fortschritte machen. Und durch ihre empathische Art kommt Kritik nicht als solche daher, sondern stärkt und verbessert die Kinder auch mental.» So schaffe es Hell letztlich, dass 116 Minderjährige selbstbewusst und voller Freude und Mut vor ausverkauftem Casino auftreten. «Jeder in seiner für ihn perfekten Rolle. Und alle mit dem Gefühl, dass sie ein wichtiger Bestandteil des Ganzen sind», schwärmt Schneiderbauer.
Von der kleinen Schau zum grossen Spektakel
Solcherlei schafft nachhaltige Beziehungen. Wer einmal Teil der Tanzfamilie Hells ist, bleibt gerne – sogar übers Kindesalter hinaus. So hatte auch eine Gruppe aus Ehemaligen vor 10 Tagen einen Auftritt im Casino. Und half darüber hinaus tatkräftig und freiwillig beim Drumherum mit. Das gibt in Bremgarten mittlerweile einiges zu tun, wenn die Jazztanzschule zur Jahresvorführung lädt.
«Es ist ein ganz anderes Niveau als vor Hells Ankunft», sagt Musikschulleiter Niki Wüthrich. Was einmal eine kleine Aufführung im Musikraum vor einigen Familienmitgliedern war, hat sich unter der ehemaligen Profitänzerin zum Spektakel in einem proppenvollen Casino gemausert. An den Choreografien der momentan 13 Gruppen arbeitet Hell im Vorfeld monatelang und übt sie dann mit ihren Schülerinnen und Schülern akribisch ein. Die Kostüme, welche diese am grossen Tag tragen, werden eigens dafür mithilfe von engagierten Eltern liebevoll massangefertigt.
So entsteht letztlich ein Gesamtkunstwerk, bei dem auf jedes Detail geachtet wurde. Dazu gehört auch eine professionelle Lichttechnik – wofür unter anderem der Sohn der Tanzlehrerin zuständig ist. Lua Hell ist angehender Mediadesigner und hilft seiner Mutter seit drei Jahren bei der Technik im Casino.
Auch der eigene Sohn hilft mit
«Wir sind jeweils beide nervös vor den Aufführungen», lächelt der 17-Jährige. Zumal Lua es zuvor monatelang zu Hause erlebt hat, wie seine Mutter bis spätabends auch noch zu Hause mit viel Herzblut die passende Musik auswählt, zusammenschneidet und am Storytelling feilt. «Es ist etwas, das mich sicher geprägt hat», erzählt der Teenager. «Dieses Gespür für eine gute Geschichte, den Rhythmus und die Akribie, bis alles sitzt, versuche ich mir von ihr abzuschauen.» Überhaupt ist er dankbar für eine liebevolle Kindheit in einem «stets sehr kreativen und unterstützenden mütterlichen Umfeld», wie Lua Hell sagt. Dass das aufopferungsvolle Wirken seiner Mutter in Bremgarten Anklang findet, macht ihn glücklich und stolz. Bei den Standing Ovations im Casino hatte er Gänsehaut. «Und die Auszeichnung zu eurem ‹Kopf des Monats› hat sie wirklich redlich verdient.»
Freude an der Wertschätzung
Worten, denen sich auch Schneiderbauer und Wüthrich mit voller Überzeugung anschliessen. «Ich freue mich mega über diese Wahl. Ich gönne Christel die Wertschätzung von Herzen», sagt Schneiderbauer. Und Wüthrich schlägt in dieselbe Kerbe: «Wir sind froh, dass wir sie haben in Bremgarten. Sie ist ein extrem wichtiger Teil unserer Musikschule und wird dies hoffentlich noch lange bleiben.»

