Das Leben zurückbringen
26.06.2026 Muri, Jugend, SchuleJugendliche der Bezirksschule Muri engagieren sich für die Artenvielfalt am Katzenbach
Im Rahmen der laufenden Projektwoche an der Bez Muri wertet Lehrerin Sara Exer mit einer Gruppe unter fachlicher Anleitung den Katzenbach auf.
Thomas ...
Jugendliche der Bezirksschule Muri engagieren sich für die Artenvielfalt am Katzenbach
Im Rahmen der laufenden Projektwoche an der Bez Muri wertet Lehrerin Sara Exer mit einer Gruppe unter fachlicher Anleitung den Katzenbach auf.
Thomas Stöckli
«Wir hatten einen Totalausfall», blickt Fischereipächter Daniel Klausner zurück auf den Vorfall im September 2025. Dazu sagen mag er nichts. In der Presse war damals von einem «Gülleunfall» zu lesen. «Bis 50 Zentimeter in die Bachsohle existiert kein Leben mehr», so Klausner.
Vielfältigen Lebensraum schaffen
Die Wiederbelebung fördern – mit diesem Ziel haben im Rahmen einer Projektwoche 22 Schülerinnen und Schüler der Bezirksschule Muri angepackt. An zehn Stellen zwischen Fussballplatz und Bünz-Einmündung platzierten sie Astbündel, um die Strömungsverhältnisse zu beeinflussen und den einst kanalisierten Bachlauf wieder zum Mäandrieren zu bringen, wie er dies natürlich tun würde. Die Äste und Wurzelstöcke sollen darüber hinaus verschiedenen Tierarten als Rückzugsgebiet und Kinderstube dienen. Das ausgebrachte Kies, in Körnung von 18 bis 25 Millimetern, eignet sich hervorragend für die Laichablage.
Ihren Einsatz für die Artenvielfalt beschränkten die Jugendlichen nicht nur auf den Bach. Im Uferbereich platzierten sie Totholz als Lebensraum für Wildbienen und andere Insekten, Steinhaufen sollen Reptilien als Rückzugsgebiet dienen. In der angrenzenden Brache wurden schliesslich schon Ringelnattern gesichtet. Und auch Feuersalamander könne man hier mit etwas Glück antreffen.
Zugang und Feingefühl
«Ich habe schon einige Mal mit Schülerinnen und Schülern Natureinsätze geleistet», sagt Lehrerin Sara Exer. Draussen lerne man die Jugendlichen von einer anderen Seite kennen, fügt sie an. Als sie sich mit dem Hilfsangebot an den Kanton gewandt hat, wurde sie an die Fischerei verwiesen. Fischereiaufseher und Pächter Daniel Klausner kümmerte sich um die Formalitäten. Dazu gehörte es, an nicht weniger als sechs kommunalen und kantonalen Stellen die Zustimmung einzuholen. Schliesslich geht es nicht nur um geschützten Bach- und Uferbereich, die Massnahmen dürfen auch das Strömungsverhalten bei Hochwasser nicht beeinträchtigen.
Den Arbeitseinsatz vor Ort leitet Roman Büchler mit seinem Team an. Er habe auch schon Projekte mit dem WWF umgesetzt, sagt der Fachmann. Mit Schülerinnen und Schülern arbeitet er das erste Mal zusammen. Seine Bilanz fällt positiv aus. «Sehr positiv» sogar, wie er betont. Kleine Massnahmen in Handarbeit umzusetzen, das bewährt sich offenbar. «Man kommt besser ran als mit Maschinen und verfügt über mehr Feingefühl», begründet Flavio Küttel, Fachspezialist Fischerei beim Kanton. Und auch Klausner freut sich über die Unterstützung: «Die Jugendlichen machen es gut.»
Vorsorge für Extremhitze
Das Material für die Faschinen finden die Schülerinnen und Schüler direkt am Wegrand. Die Haselsträucher eignen sich hervorragend: «Sie wachsen extrem schnell nach», so Klausner. Die Zweige werden gebündelt und an der Böschung angekettet, die Standorte mittels GPS und Fotos dokumentiert. «Damit wir nach einem Hochwasser die Verankerungen wieder finden», erklärt er.
Bis es wieder richtig leben wird im Katzenbach, rechnen die Experten mit rund acht Jahren. Die Habitats-Aufwertung soll dazu beitragen, dass sich Kleintiere, die der Bachlauf mit sich bringt, festsetzen können. Zudem sollen Strömungswiderstände den Fischen die Bachaufwärts-Wanderung erleichtern. Für Hitzephasen, wie wir sie aktuell erleben, werden in den unverbauten Bereichen der Bachsohle Rundhölzer eingesetzt. Sie sollen fördern, dass der Bach tiefere Stellen ausbildet. Diese sogenannten Kolken ermöglichen das Überleben auch in ausgeprägten Dürrezeiten. Und diese dürften erwartungsgemäss zunehmen.



