Einst das beste Team im Aargau
20.06.2025 Region Unterfreiamt, Villmergen, Jugend, FussballVillmergen feiert am Samstag, 28. Juni, seinen Frauen- und Juniorinnenfussball
Die Frauenabteilung des FC Villmergen wurde 1985 gegründet und feiert das Jubiläum auf den Sportanlagen des FC Villmergen. Seit vier Jahrzehnten steht die Frauen- und ...
Villmergen feiert am Samstag, 28. Juni, seinen Frauen- und Juniorinnenfussball
Die Frauenabteilung des FC Villmergen wurde 1985 gegründet und feiert das Jubiläum auf den Sportanlagen des FC Villmergen. Seit vier Jahrzehnten steht die Frauen- und Mädchenabteilung für Teamgeist, Leidenschaft und sportlichen Erfolg. Zum Jubiläumsfest wird die ehemalige Fussballspielerin Martina Moser erwartet.
Britta Müller
1985 wollten im Freiamt Frauen nicht nur an Grümpelturnieren tschutten, sondern professionell Fussball spielen, und gründeten die erste Frauenmannschaft in Villmergen. Sie kamen aus dem Dorf, aber auch aus der Umgebung wie aus Wohlen, Fahrwangen, dem Seetal und sogar aus Lenzburg. Bis dahin gab es im Aargau nur in Aarau, Baden und Spreitenbach eine Frauenmannschaft. Aufgrund der anfangs geringen Anzahl von Mannschaften standen Frauen nur eine erste und eine zweite Liga zur Verfügung. Wegen des grossen Zulaufs baute der Verein fünf Jahre später mit den Juniorinnen das Fussballangebot weiter aus.
Freddy Bachlmayr, der Macher
Anfangs wurden auch sie – wie die meisten Frauenmannschaften im Fussballsport – von der Männerwelt müde belächelt. Oft hörten sie viele unsportliche Kommentare und Sprüche. Nicht viele nahmen sie ernst. Im damaligen Sommer überredete Edith Seeholzer Freddy Bachlmayr, die ehemaligen Schüler-Grümpelturnier-Mädchen zu trainieren. Er stellte zur Bedingung, dass zum ersten Training mindestens 16 Mädchen anwesend sein müssen. «Am ersten Abend erschienen dann 30 junge Frauen», erzählt Rita Zülle, die selbst dazugehörte und heute die Frauen des FC Villmergen trainiert. Bachlmayr, gebürtiger Österreicher, war überrascht und vom Mut und Willen der jungen Frauen begeistert und nahm ihr Streben ernst.
«Er war fast wie ein Vater und bester Freund für unsere Mannschaft», berichtet Rita Zülle wehmütig, denn Freddy Bachlmayr lebt heute leider nicht mehr. Von ihm lernten die jungen Damen im Training neben den Regeln und der Technik vor allem die Fairness und den Spass am Spiel und was es heisst, gemeinsam ein Ziel zu verfolgen. Durch ihre Leidenschaft, Disziplin und den starken Teamgeist wurden sie immer besser und der Erfolg stellte sich ein.
Mit der Zeit mehrten sich die Erfolge der FC-Villmergen-Frauen und die Spiele wurden oft mit einem «Zu-null-Ergebnis» gewonnen. Damit schafften sie es sieben Jahre nach der Mannschaftsgründung in der Saison 1992/1993, in die erste Liga aufzusteigen.
Durchmarsch bis in die Nationalliga B
Die anfangs hämisch-skeptischen Stimmen am Spielfeldrand und aus der Umgebung wurden leiser. Und nach der Saison 1993/1994 verstummten auch die letzten Zweifler, als die Ladys bereits ein Jahr später in die Nationalliga B durchmarschierten. «1993/1994 war die beste Zeit meines Lebens», blickt die damalige Verteidigerin Rita Zülle stolz zurück und die damaligen Zeitungen titelten «Der DFC Villmergen, das beste Damen-Team im Aargau». Trotzdem trat zu diesem sportlichen Höhepunkt Freddy Bachlmayr als Trainer der ersten Stunde zurück und legte sein Amt in die Hände von Peter Huber und später Beat Hochuli. Bachlmayr blieb dem Verein als Koordinator für die Damen I und Damen II, die Juniorinnen und die Piccolos des FC Villmergen erhalten.
Heute bilden die damalige Verteidigerin Rita Zülle zusammen mit Alexandra Bruderer, einst Goalie beim FC Schlieren, die Trainerteams der FC-Villmergen-Frauen. Wenn Rita Zülle zurückblickt und mit heute vergleicht, ist der Spass am Fussball nach wie vor ungebrochen. «Allerdings steht der Mensch heute viel mehr im Mittelpunkt», erklärt sie. «Bei uns kann man bereits mit sieben Jahren als Mädchen anfangen zu trainieren», sagt Zülle und erklärt, dass diese Trainings nach der Trainingsmethode der 3 L (Lachen, Lernen, Leisten) erfolgt. Erst ab den D-Junioren, also den FF12, wird es komplexer und professionell. Trotzdem blühen selbst nach einem strengen Schul- oder Ausbildungstag die Mädchen und die jungen Frauen im Training geradezu wieder auf.
Standen früher Kondition und Technik im Fokus, ist es heute für die Trainerinnen dazu wichtig, ein hohes Potenzial an Empathie mitzubringen und Einfühlungsvermögen zu haben. Sie achten genau darauf, wie es der Mannschaft und den einzelnen Spielerinnen geht, und planen damit dann ihre Trainings.
Selbstbewusste Frauen
Aus schüchternen Mädchen werden somit selbstbewusste junge Frauen, die sich jederzeit trauen, auch einen Penalty zu schiessen.
Wie auch bei anderen Sportarten ist der gesundheitliche Zustand der Frauen elementar. «Physische und psychische Stabilität entscheiden das Spiel», erklärt Rita Zülle. Menstruationsbeschwerden und mentales Wohlbefinden haben dabei einen wichtigen Stellenwert. «Dazu haben wir die Ernährung im Visier», ergänzt Zülle und empfiehlt den jungen Ladys immerzu, «am Abend vor einem wichtigen Spiel einen grossen Teller Pasta zu verdrücken, das Natel frühzeitig wegzulegen und pünktlich ins Bett zu gehen».
Bald wieder erfolgreiche Zeiten
Wie einst 1985 ist der heutige Zulauf an potenziellen Spielerinnen nicht mehr so stark. Deswegen wurde aufgrund von fehlenden Ressourcen die 1. Frauenmannschaft in der Saison 2024/2025 zurückgezogen. Aber der Nachwuchs steht in den Startlöchern. Die jungen Fussballerinnen spielen in der FF9. Allein 30 Mädchen trainieren aktuell in der FF12 und für die FF15 gibt es sogar zwei Mannschaften. Rita Zülle und ihre Trainerkollegin Alexandra Bruderer sowie der Vereinsvorstand sind daher zuversichtlich, dass sich mit der Zeit über eine FF17 eine starke neue 1. Frauenmannschaft bilden wird, um dann vielleicht wieder an alte erfolgreiche Zeiten anzuknüpfen.
Die Voraussetzungen sind bestens gegeben – Gleichberechtigung wird im Verein grossgeschrieben. Laut Rita Zülle trainieren die jungen Frauen unter den gleichen Bedingungen und mit dem gleichen Sportmaterial wie ihre männlichen Kollegen. Auch in der Vereinsstruktur kümmert man sich gleichermassen um die Mädchen.
Jubiläum mit Martina Moser
So war es innerhalb des Vereins auch selbstverständlich, dass zum 40-Jahr-Jubiläum die Frauen gefeiert werden. Ein OK-Team wurde gegründet und von Ali Zülfüogullari, Mario Bolliger und selbstverständlich Rita Zülle geführt. So viel sei schon verraten: Am Samstag, 28. Juni, gibt es ein grosses Jubiläumsfest auf der Sportanlage des FC Villmergen. Um 13 Uhr finden ein FF12- und ein FF15-Turnier statt. Neben einer Festwirtschaft gibt es für die kleinen und grossen Besucher verschiedene Attraktionen wie zum Beispiel Torwandschiessen und Kinderschminken.
Ein Highlight wird der Besuch von Martina Moser sein. Sie ist ehemalige Schweizer Fussball-Profispielerin, zuletzt bei der TSG Hoffenheim und den FC-Zürich-Frauen, und heutige Co-Kommentatorin und Expertin für Fussball beim Schweizer Fernsehen. Neben einem Interview wird sie für eine Autogrammstunde zur Verfügung stehen. Für den krönenden Abschluss sorgt ein Freundschaftsspiel zwischen der U20 Red Boots FC Aarau und den Frauen des FC Wädenswil.
Zum Jubiläumsfest werden neben den aktuellen Frauenmannschaften viele Angehörige, Freunde und Fans, aber auch viele Vereinsmitglieder und ehemalige Vereinsspielerinnen, teils sogar Gründungsmitglieder, wie zum Beispiel Therry Kühne, erwartet. «Unser Zusammenhalt war schon früher super», sagt Rita Zülle vorfreudig, «wir waren nicht nur auf dem Fussballplatz, sondern auch privat aktiv, unternahmen viel und gingen durch dick und dünn.» Sicherlich eines der Erfolgsgeheimnisse, was das damals «beste Damen-Fussballteam im Aargau» zum Erfolg brachte.
Was macht den FC Villmergen heute zu einem besonderen Verein? «Wir sind hier wie eine grosse Fussballfamilie, und das schon über mehrere Generationen hinweg», bestätigt Rita Zülle, und vermutlich für sie nach wie vor «der beste Verein im Aargau».


