Mitsingen auf Gauchs Bergli
11.08.2026 Region Unterfreiamt, Niederwil, Musik, Essen und TrinkenDas sechste RüssChatze-Open-Air bringt Generationen und Musikstile zusammen
Löffel statt Schlagzeug, ein Schlauchalphorn, Mundart und später kräftige Rockriffs: Das RüssChatze-Open-Air in Niederwil bot einen abwechslungsreichen Sommerabend mit ...
Das sechste RüssChatze-Open-Air bringt Generationen und Musikstile zusammen
Löffel statt Schlagzeug, ein Schlauchalphorn, Mundart und später kräftige Rockriffs: Das RüssChatze-Open-Air in Niederwil bot einen abwechslungsreichen Sommerabend mit einigen Überraschungen.
Heinz Strebel
«Bäbärädäda!»: Roland Ambühl gibt den Einsatz, das Publikum antwortet bei «Sweet Home Chicago» perfekt im Takt. Wilhelm Toll braucht nicht lange, um die Gäste mitzunehmen. Die Formation ist an diesem Abend zu dritt unterwegs, «reduced to the max» sozusagen. Ambühl aus Wohlen wechselt zwischen Geige, Mandoline und Bluesharp, bläst ins Schlauchalphorn und ersetzt beim «Löffel Boogie» das Schlagzeug kurzerhand durch zwei Löffel. Eine Mundartversion von «Summer in the City» könnte an diesem Hitzetag kaum passender sein.
Familien sind willkommen
Rund 180 Personen finden im Laufe des Abends den Weg auf Gauchs Bergli. Für Tanja Camastral, Vizepräsidentin der RüssChatze und Mitglied des OK, ein erfreulicher Aufmarsch. Zu Beginn ist es noch ausgesprochen warm, zudem ist an diesem Samstag vielerorts etwas los. Dennoch füllt sich das Gelände zunehmend. Auffällig ist die Altersspanne. Kleine Kinder sind ebenso dabei wie Gäste gegen 90. Genau das betont Camastral mehrfach. Die Veranstaltung soll Jung und Alt ansprechen, besonders junge Familien sollen sich wohlfühlen. Auch musikalisch setzt das OK auf Vielfalt. Früher standen vier oder fünf Acts auf dem Programm, heute sind es bewusst noch drei. Dafür will man gezielter auf Qualität setzen. Nach Wilhelm Toll übernimmt Sonja B Music. Die Sängerin ist bereits zum fünften Mal dabei und führt mit Pop, Rock und Schlager durch diverse Stilrichtungen.
Mit der Dämmerung wird es härter. Ab 20.30 Uhr übernimmt Reloader. Die weitherum bekannte Coverband spannt den Bogen von AC/DC und Krokus über Billy Idol und die Toten Hosen bis ZZ Top. Vor der Bühne ist nun deutlich mehr los, und Reloader heizt kräftig ein. Bei den weiterhin sommerlichen Temperaturen wäre das eigentlich gar nicht nötig gewesen.
Vom Kassenfüller zur Herzenssache
Hinter dem Fest steckt einiges an Arbeit. Rund eine Woche dauert allein der Aufbau. Sieben Frauen gehörten einst zu den Gründungsmitgliedern der RüssChatze, am Open Air packen mittlerweile 15 Ladys mit an. Dazu sind Ehemänner und weitere Helfer gefragt, bei schweren Arbeiten ebenso wie an der Bar und am Verpflegungsstand. Zum vierköpfigen OK gehören Marina Soler, Peter Gauch, Tanja Camastral und Jasmin Hochstrasser. Eng verbunden ist die Veranstaltung mit der Familie Gauch. Sie findet auf ihrem Land statt, praktisch vor der eigenen Haustür. Ohne diesen familiären Rückhalt wäre sie in dieser Form kaum vorstellbar.
Für das leibliche Wohl ist ebenfalls gesorgt. Das «Ghackte mit Hörnli» besteht den persönlichen Praxistest des Schreibenden jedenfalls problemlos. Eine andere Zahl überrascht: Vom alkoholfreien Bier wird mehr als doppelt so viel verkauft wie in früheren Jahren.
Ursprünglich sei das Open Air entstanden, um die Vereinskasse etwas aufzupolieren, erzählt Camastral weiter. Ein guter «Batzen» bleibe noch immer übrig. So konnten beispielsweise neue Vereinskleider angeschafft werden. Längst gehe es aber um weit mehr als das liebe Geld. Das positive Echo und die spontane Unterstützung aus dem nahen und weiteren Umfeld hätten das Sommerfest zur Herzensangelegenheit werden lassen. Die Fortsetzung steht bereits fest. Am 31. Juli 2027 soll Gauchs Bergli wieder zur Bühne werden. «Klein und fein»? Fein auf jeden Fall. Klein passt mittlerweile nur noch bedingt.



