Ruhe nach dem Sturm?
27.05.2026 Region Unterfreiamt, Meisterschwanden, SchuleDer 1. Politapéro in Meisterschwanden zog nicht viele Interessierte an
Die Gemeinde am Hallwilersee hat turbulente Wochen und Monate hinter sich. Die Diskussionen um den Steuerfuss und die Sanierung der Schulanlage wurden teilweise sehr heftig geführt. Am ...
Der 1. Politapéro in Meisterschwanden zog nicht viele Interessierte an
Die Gemeinde am Hallwilersee hat turbulente Wochen und Monate hinter sich. Die Diskussionen um den Steuerfuss und die Sanierung der Schulanlage wurden teilweise sehr heftig geführt. Am Politapéro blieben die Gespräche aber sachlich. Auch wenn es weiter Kritik am Gemeinderat gibt.
Chregi Hansen
Mehrfach wurde dem Gemeinderat schon vorgeworfen, er informiere zu wenig, sei nicht transparent. Zuletzt wurde diese Kritik vor rund zwei Wochen an der ausserordentlichen «Gmeind» geäussert, die mit 518 Stimmberechtigten einen Rekordaufmarsch erlebte und in der die Wogen teilweise hochgingen. Nun aber, als der Gemeinderat mit einem Politapéro für Transparenz sorgen wollte, war das Interesse plötzlich sehr gering. Nur rund 15 Personen versammelten sich in der Mehrzweckhalle Eggen, um sich aus erster Hand informieren zu lassen.
Das Setting in der Halle zeigt, dass die Verantwortlichen mit deutlich mehr Teilnehmern gerechnet haben. An vier Stationen wollte der Gemeinderat, unterstützt von Vertretern der Verwaltung, zu vier Themenbereichen mit der Bevölkerung ins Gespräch kommen. Diskutiert wurde in den Gruppen zu den Themenbereichen Verwaltungsführung, Finanzen, Liegenschaften und natürlich über die Bildung. Wobei das liebe Geld und die geplante Sanierung der Schulanlage die Anwesenden am meisten beschäftigte. Immerhin: Da die vier Gruppen die Stationen nach einer Zeit wechselten, konnten sich alle zu den vier Themen einbringen.
Strategie für Zukunft entwickeln
Bevor es in die Detailfragen ging, nutze Vizepräsidentin Nicole Lanz die Gelegenheit, über die Ziele und Visionen des Gemeinderates zu orientieren. Lanz vertrat an diesem Abend Gemeindepräsident Ueli Haller, der kurzfristig wegen eines Notfalls absagen musste. «Wir wollen heute aufzeigen, was wir seit Anfang Jahr gemacht haben. Wir arbeiten sehr intensiv an unserer Strategie für die Zukunft, investieren sehr viel Zeil dafür. Und stellen uns die Frage, wohin sich die Gemeinde Meisterschwanden entwickeln soll», erklärte sie. So ein Prozess brauche aber Zeit, bat sie um Verständnis.
«Gemeinsam stark – Lebensraum mit Weitblick»: Diese Vision stellt der Gemeinderat in den Mittelpunkt seiner Arbeit. «Wir sind Teil einer vernetzten Region. Wir nutzen unsere wirtschaftliche Stärke, um nicht nur Infrastruktur zu bauen, sondern Lebensqualität für alle Generationen zu schaffen. Wir sind ein Ort, an dem Tradition auf Moderne trifft, Stimmen gehört werden und das Miteinander die Basis unseres Erfolgs bildet», erläuterte die Vizepräsidentin die Vision. Daneben hat der Gemeinderat für die künftige Arbeit mehrere Leitsätze definiert. Er will über die Grenzen hinaus denken und Kooperation in der Region suchen. Er will vermehrt den Austausch mit der Bevölkerung pflegen, Er setzt sich ein für eine moderne, digitale und nachhaltige Infrastruktur. Schiebt, allenfalls zusammen mit Partnern, innovative Projekte an. Und er schafft Raum, in dem sich Menschen, Vereine und die Wirtschaft entfalten können.
Weiter nach Sparmöglichkeiten suchen
Dass sich die Ansichten des Gemeinderates und der Bevölkerung aber nicht immer decken, zeigte sich in den anschliessenden Diskussionsrunden. Bestes Beispiel dafür ist die notwendige Sanierung der Schulanlage. Zusammen mit Schulleiterin Vanessa Widmer versuchte Nicole Lanz den Anwesenden zu erklären, warum die Arbeiten nötig sind und warum diese so hohe Investitionen nach sich ziehen. Das Thema Schulraum bleibt ein heisses Eisen im Dorf, nachdem man vor drei Jahren noch mit Sanierungsgesamtkosten von 20,3 Millionen Franken rechnete und diese sich inzwischen auf 39 Millionen erhöht haben. Längst hat der Gemeinderat die Bremse gezogen und das ausgearbeitete Projekt redimensioniert.
Aktuell geht man von Kosten von 27 Millionen Franken aus, «und wir sind weiter daran, nach Sparmöglichkeiten zu suchen», so Lanz.
Trotzdem ist das vielen noch immer viel zu teuer. Und gibt es Stimmen, die das Projekt unnötig oder überrissen finden. «Es wird nur das absolute Minimum gebaut, damit die Gebäude wieder den heutigen Anforderungen entsprechen», machte Lanz deutlich. Und ja, eine Etappierung wäre wohl möglich, aber ob dies unter dem Strich billiger kommt, sei fraglich. «Zudem wäre die Schule dann über Jahre Baustelle», warnte Schulleiterin Widmer. Kritisiert wurde auch der Umstand, dass man einfach das vorliegende Projekt abspeckt und nicht etwas Neues wagt. Damit begebe die Gemeinde sich in die Abhängigkeit der Architekten. «Der bewilligte Kredit kann nur für dieses Projekt genutzt werden. Sonst braucht es einen neuen Antrag an der Gemeindeversammlung», machte die Vizepräsidentin deutlich.
Sie erinnerte daran, dass nun eine Arbeitsgruppe eingesetzt wurde, die sich mit dem Thema beschäftigt. Und mahnte, die Sanierung nicht auf die lange Bank zu schieben. «Durch die Verzögerung wird es sicher nicht billiger. Und an der Notwendigkeit der Arbeiten ändert sich nichts.» Und sie wehrt sich auch gegen den Vorwurf, der Gemeinderat sei immer noch zu wenig transparent, es würden noch zu viele Infos fehlen. «Wir haben am Mitwirkungsanlass genau aufgezeigt, was wir vorhaben. Was fehlt Ihnen noch?
Bei Detailfragen wie den Lichtschaltern sind wir noch nicht», gab Lanz zurück. Letztlich aber sei klar: Entscheiden müssen die Bürger. Falls sie ein neues Projekt wünschen, könne man einen entsprechenden Antrag stellen. «Der Gemeinderat wird einen solchen Antrag nicht stellen. Wir arbeiten daran, dass vorliegende Projekt zu überarbeiten und die Kosten noch weiter zu senken», erklärte Nicole Lanz.
Den Dialog geschätzt
Sie zog am Schluss des Abends ein positives Fazit. «Der Austausch mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern am Politapéro wurde von uns als sehr wertvoll, offen und konstruktiv erlebt. In einem persönlichen und respektvollen Rahmen konnte die Bevölkerung dem Gemeinderat mitgeben, was ihr in dieser anspruchsvollen Zeit besonders wichtig ist», sagt sie. Auch die Teilnehmenden hätten die Möglichkeit des direkten Dialogs sichtbar geschätzt. Sie bedauert zwar, dass nicht mehr Einwohnerinnen und Einwohner den Weg in die Halle gefunden haben, freut sich jedoch umso mehr über das Interesse und das Engagement der anwesenden Personen – insbesondere trotz des langersehnten schönen Wetters.
«Die eingebrachten Anliegen, Inputs und Rückmeldungen wurden aufgenommen und werden an der nächsten Gemeinderatssitzung diskutiert sowie in die zukünftige Arbeit einfliessen», versichert die Vizepräsidentin. Dem Gemeinderat ist es wichtig zu betonen, dass die Sorgen, Bedenken und Anliegen der Bevölkerung ernst genommen werden. «Unser Ziel ist es, das Vertrauen der Bevölkerung zurückzugewinnen und Meisterschwanden gemeinsam in eine erfolgreiche Zukunft zu führen», so Lanz.

